Welzheim

Sonderausstellung: 150 Jahre Welzheimer Zeitung

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Am Samstag, 27. Februar 1971, erschien nach 103 Jahren Zeitungsgeschichte die letzte Ausgabe des Boten vom Welzheimer Wald. Fortan sollte das Blatt Welzheimer Zeitung heißen. © Gaby Schneider/ZVW
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Die Titelseite der ersten, noch erhaltenen Ausgabe des Boten vom Welzheimer Wald vom 3. Januar 1868. © Gaby Schneider
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Hans-Georg Tröndle, Jochen Huy und Dietrich Frey vom Historischen Verein beim Vorbereiten der Sonderausstellung.
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Einst wurden Tageszeitungen mit Bleisatz gedruckt. Mit Einführung der digitalen Technik starb der ehrenwerte Beruf des Setzers aus. © Gaby Schneider
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Nicht nur Zeitungen, auch Plakate, Denkschriften und Kontoauszüge wurden in Welzheim gedruckt. © Gaby Schneider

Welzheim. Diese Geschichte handelt von Kriegen, Inflation und der NS-Machtergreifung. Und von jenen, die darüber berichtet haben. Vor 150 Jahren erschien erstmals in Welzheim eine Zeitung. In einer Sonderausstellung beleuchtet das Museum Welzheim ab Sonntag eindrucksvoll ihren Werdegang.

Der Weg zu einer eigenen Welzheimer Zeitung, er war lang und steinig. Vor allem die Bücher- und Zensurbehörde des Innenministeriums, aber auch der Gemeinderat der Stadt verhinderten über Jahrzehnte die Gründung einer Buchdruckerei. Christian Heinrich Unterzuber aus Spiegelberg gelang es 1867 aber doch, eine Konzession zu erwerben. Die erste, noch erhaltene Ausgabe des „Boten vom Welzheimer Wald“ ist vom 3. Januar 1868. Die Auflistung der Jahrgänge jedoch spricht dafür, dass bereits 1867 die Weichen gestellt worden waren. Die Titelseiten der Ausgaben im Jahr 1907 tragen den Zusatz „41. Jahrgang“. Rechnet man zurück, wäre der erste Jahrgang 1867 erschienen - zum vierteljährlichen Bezugspreis von anfangs 25 Kreuzern, was in etwa dem Preis für sechs Pfund schweres Schwarzbrot entsprach.
 

Die Themen der ersten Zeitungsausgaben erzählen viel über die damalige Zeit, da Welzheim gerade mal 2000 Einwohner hatte und viele ihr Glück in der Ferne suchten. Der Bericht eines „Auswanderungs-Agenten“ über das Postdampfschiff „Deutschland“, das nach seiner Abfahrt in Bremen wohlbehalten „mit der Schneider Bühnerschen Familie an Bord“ in New York angekommen ist, kündet etwa davon.

Steckbriefe, protestierende Wirte und ein Fremdwörterbuch

Gleich in der ersten Ausgabe ist ein Steckbrief abgedruckt, mit dem ein Tagelöhner namens Friedrich Bemmer aus Rudersberg gesucht wird. Der soll „einem hiesigen Dienstknecht ein Paar Lederstiefel mit langen Rohren, sogenannten Fuhrmannstiefeln im Wert von acht Gulden““ entwendet haben. Dass die Welzheimer Wirte eine anonym erschienene Bewertung ihrer schlechten Bier- und Weinqualität zurückweisen – auch das ist in einem der ersten „Boten“ nachzulesen. Dazwischen finden sich überraschend viele Werbeanzeigen, aber auch Lehrlingsgesuche sowie der Hinweis auf ein „Fremdwörter-Büchlein für Zeitungsleser“, das die in ihr vorkommenden Fremdwörter erklärt – zu erwerben natürlich in der Unterzuber’schen Buchdruckerei.

Doch von Beginn an tauchen auch die große Politik und das Weltgeschehen in der Zeitung auf. Der Krieg gegen Frankreich und die Gründung des Deutschen Kaiserreiches werden zu den ersten Großereignissen für das Blatt. Der Bote berichtet ausführlich über Kriegsereignisse und die siegreichen Schlachten der deutschen Truppen. Neben Gefechtsberichten finden sich auch Verlustlisten mit detaillierten Angaben zur Todesursache sowie die Ankündigung einer Friedensfeier in Welzheim.

Auf großen Schautafeln hat der Historiker und ehemalige Gymnasialgeschichtslehrer Hans-Georg Tröndle diese und weitere Geschichten für das Museum aufgearbeitet. Dafür hat Tröndle das städtische Archiv ausgewertet und sich neben den Anfangstagen vor allem jene Jahrgänge angeschaut, die mit bestimmten historischen Wegmarken verbunden sind: das Ende des Ersten Weltkrieges etwa, den der Bote mit einem höchst patriotischen redaktionellen Gruß an die „wackeren Soldaten vom Welzheimer Wald“ begleitet. Und in dem rückkehrende Geschäftsleute die freudige Wiedereröffnung ihrer Betriebe verkünden.

Oder die große Inflation im Jahre 1923, die ihren Höhepunkt im November fand, als ein Wochenabonnement des Boten schlappe 175 Milliarden Mark kostete. Gedruckt wurde dieses Inflationsgeld übrigens auf den Druckmaschinen des Stuttgarter Bankiers Max Klaiber, der die Druckerei im Jahre 1918 erworben hatte.

Vom bürgerlichen Blatt zur gleichgeschalteten NS-Postille

Beleuchtet wird auch die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und die damit verbundene Gleichschaltung der Presse. Einige Monate konnte die Zeitung dem entgehen. Doch ab dem 1. Dezember 1933 trägt der Bote den Untertitel „Nationalsozialistische Tages- und Heimatzeitung“. Entsprechend ändern sich Ton und die Berichterstattung des zuvor bürgerlichen Blatts, das gleich in der ersten NS-Ausgabe einen Abdruck aus „Mein Kampf“ mit einem Bild von Hitler in Parteiuniform enthält. 1941 wurde die Zeitung auf Weisung der NS-Behörden schließlich gänzlich eingestellt.

Erst acht Jahre später erhielt Max Klaiber wieder eine Lizenz. Am Samstag, 27. Februar 1971 erschien die letzte Ausgabe des Boten, der fortan zum Zeitungsverlag Waiblingen gehört und den Titel „Welzheimer Zeitung“ trägt.

Mit Original-Zeitungsausgaben und anschaulich aufbereiteten Texten zu den historischen Wegmarken können Besucher nicht nur den Wandel der Zeit wie der Zeitung selbst nachvollziehen. Sie gewinnen zugleich auch Einblicke in das einstige Buchdruckerei-Wesen. Zu sehen gibt es, dank der Zusammenarbeit mit ehemaligen Mitarbeitern der Druckerei Klaiber unter anderem einen großen Setzkasten aus der Zeit, in der noch mit Bleisatz gedruckt wurde. In einer Vitrine kündet das Meisterprüfungs-Stück des Welzheimer Fotografen Fritz Kühnle davon: In einer Schwarz-Weiß-Fotoserie hat er die Herstellung der Zeitung mit der Kamera dokumentiert.

Der Historische Verein präsentiert aber auch Drucksachen wie Ehrenurkunden, alte Rechnungen der Firma Christian Bauer oder Werbeplakate und sogar Kontoauszüge von Stuttgarter Privatbanken. Diese Exponate zeugen von einer Zeit, in der das Gedruckte noch einen deutlich anderen Stellenwert hatte.

Eines aber hat sich in all der Zeit offenbar nicht geändert, so Hans-Georg Tröndles Ausstellungsfazit: Die große Bedeutung der Pressefreiheit, „das ist das Entscheidende“. Wie leicht diese in Gefahr geraten kann, zeigt nicht zuletzt die Geschichte der Welzheimer Zeitung und ihrer Gleichschaltung im Dritten Reich.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 27. Mai, um 11.30 Uhr eröffnet und ist dann bis zum 16. September im Museum Welzheim zu sehen.

An den Sonntagen des 10. Juni, 8. Juli, 12. August und 9. September führen jeweils um 14, 15 und 16 Uhr ehemalige Mitarbeiter der Druckerei Klaiber in Welzheim durch die Ausstellung und geben Einblick in die „schwarze Kunst“.

Einblicke in seine Arbeit von früher und heute gibt Redakteur Rainer Stütz am Sonntag, 17. Juni, um 15 Uhr.

Am Mittwoch, 18. Juli, gibt es um 16 Uhr einen „Blick hinter die Kulissen des Zeitungsverlages Waiblingen“; Anmeldung bei Karin Steinle, Telefon: 0 71 82/84 04, E-Mail: steinlekarin@web.de

Im Rahmen des Straßenfestes im Museumshof wird sich die Welzheimer Zeitung am Sonntag, 22. Juli, von 14 bis 17 Uhr vorstellen.

Am Sonntag, 16. September, von 14 bis 17 Uhr stellt sich die Welzheimer Zeitung im Rahmen des Holz- und Bauernmarktes im Museumshof erneut vor.

Geöffnet ist das Museum jeden Sonntag von 11 und 17 Uhr. An Fronleichnam (31. Mai) gibt es eine Sonderöffnung. Eintritt ist frei.