Welzheim

Sozialarbeiterin Maria Sittart kennt die Interessen und Nöte der Welzheimer Jugendlichen

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Sozialarbeiterin Maria Sittart an ihrem Schreibtisch. © Ralph Steinemann Pressefoto

Die „Neue“ ist sie nicht mehr: Bereits seit 15. März kümmert sich Sozialarbeiterin Maria Sittart in der Mobilen Jugendarbeit um Welzheimer Jugendliche. Ihr Start fiel mitten in die Beschränkungen der Corona-Pandemie und den Lockdown. Die 27-Jährige nimmt’s gelassen. „Für die Mobile Jugendarbeit war trotzdem relativ viel möglich.“ Mit Masken, Abstand und allen nötigen Vorsichtsmaßnahmen natürlich.

„Die Mobile Jugendarbeit war mein Wunsch“, sagt Maria Sittart. Sie lernte den Arbeitsbereich im Studium kennen und hat in Welzheim ihre erste Stelle in diesem angetreten.

Die Arbeit sollte Engagement und Verantwortung erfordern

Praktische pädagogische Erfahrungen bringt die junge Frau allerdings bereits mit. Die gebürtige Murrhardterin hatte nämlich zum Einstieg ins Berufsleben eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und zwei Jahre im Kindergarten gearbeitet. Während der Ausbildung machte sie die Fachhochschulreife. Sie merkte, dass sie nicht ein ganzes Leben lang im Kindergarten arbeiten, sondern mehr Möglichkeiten haben wollte. „Das hat man als Sozialarbeiterin auf jeden Fall.“ Klar war auch: Die Arbeit sollte Engagement und Verantwortung erfordern. Beides brauchte Maria Sittart beispielsweise auch, als sie ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin an der Universitätsklinik in Tübingen in der Kinder- und Jugendonkologie absolvierte. „Das war nicht ohne, es hat aber trotzdem auch Spaß gemacht.“ Es gab ein Spielzimmer auf der Station, in dem die Kinder betreut wurden, es wurde gekocht und ein bisschen Ablenkung und Normalität geboten, so gut das eben ging.

Maria Sittart fährt mit dem Rad Orte ab, an denen sich die Jugendlichen treffen

An der Hochschule in Esslingen studierte Maria Sittart nach den ersten zwei Berufsjahren im Kindergarten Soziale Arbeit und arbeitete auf 450-Euro-Basis in einem Stuttgarter Kindergarten mit. Ein Stipendium des Bundes für Studierende mit Berufserfahrung half ebenfalls, das Studium zu finanzieren.

Und nun, nach erfolgreichem Abschluss, ist sie mitten in der Praxis. Für die Mobile Jugendarbeit heißt das zum Beispiel Streetwork, aufsuchende Arbeit. Maria Sittart fährt mit dem Rad in Welzheim die Orte ab, an denen sich Jugendliche treffen, stellt sich vor, kommt ins Gespräch, geht auf sie zu.

Auch die Einzelfallhilfe macht einen großen Teil ihrer Arbeit aus: Sie schreibt mit Jugendlichen Bewerbungen und Anträge, versucht, bei Problemen zu helfen, etwa in der Familie oder durch Sucht.

Gruppenarbeit bildet einen weiteren Schwerpunkt: Im lockeren Rahmen sitzt sie mit den Jugendlichen zusammen, sie bereden, was anliegt, spielen Tischkicker, kochen oder machen einen Ausflug. Vertrauen aufbauen, das ist wichtig, gemeinsam Zeit verbringen, die Gruppe stärken, Gemeinschaft erleben und die Freizeit sinnvoll gestalten.

Interessen der Jugendlichen in der Stadt vertreten, auf dass sie Gehör finden

Nicht zuletzt hat die Mobile Jugendarbeit auch eine kommunalpolitische Komponente. Da gilt es zum Beispiel, die Interessen der Jugendlichen in der Stadt zu vertreten, auf dass sie Gehör finden und auch einmal typische Konflikte auszuhalten. Etwa, wenn es um Treffpunkte für Jugendliche in der Öffentlichkeit geht. Die gibt es, aber nicht jedem gefallen sie. Wo sie in Welzheim sind, das will Maria Sittart denn auch gar nicht so verraten. So oder so ist ihr aber daran gelegen, solche Räume zu schützen.

Beim Projekt „Mach Welzheim zu deinem Ding“ Ideen aufgenommen

Und auch andere Interessen der Jugendlichen zu hören. Dazu gibt es ein interessantes Projekt in der Stadt: „Mach Welzheim zu deinem Ding“ (wir haben berichtet). Gemeinsam mit den Schulsozialarbeitern Andreas Vetter und Luisa Brecht sowie der Stadtverwaltung hat auch Maria Sittart die Ideen von Jugendlichen aufgenommen. Diese konnten sich gezielt äußern, Vorschläge einbringen und aus diesen Favoriten wählen. Gewünscht wurden beispielsweise eine Pumptrack-Bahn, eine Skaterbahn, besseres WLAN und Plätze zum Fußballspielen. Ein solcher war vorübergehend mit einem Soccer-Court auf dem Kirchplatz entstanden (wie berichtet). Er war eine erste Reaktion und sollte Jugendlichen zeigen: „Wir nehmen die Bedürfnisse ernst. Wir tun was für Euch“, beschreibt die Sozialarbeiterin. Der Streetsoccer wurde inzwischen wieder abgebaut. Aber: „Die Schulsozialarbeiter und ich sind schon am Überlegen, wie man einen Streetsoccer dauerhaft aufstellen könnte.“

Niedrigschwellig arbeiten

Themenwechsel: Wie blickt die Fachfrau für die Mobile Jugendarbeit auf die sogenannte vierte Welle der Corona-Pandemie? Wie könnte sich diese auf ihre Arbeit auswirken? „Für meinen Bereich speziell macht es mir gar nicht so große Sorgen“, sagt Maria Sittart. Sie glaube nicht, dass die Regeln noch so viel strenger würden. 3G im Jugendhaus? Das würde „halt nicht zu unseren Prinzipien passen“, meint sie, „so niedrigschwellig, so offen wie möglich“. Und: „Wenn Tests etwas kosten, wäre es für manche einfach nicht möglich, sie zu bezahlen.“

Das Haus der Mobilen Jugendarbeit in Welzheim steht dieser komplett zur Verfügung. Das ist gerade in der Corona-Zeit ideal, „weil die Abstandsregeln total gut eingehalten werden können“, ergänzt sie.

Geregelter Alltag fehlt den Jugendlichen

Wie geht es den Jugendlichen überhaupt derzeit? „Man merkt schon einfach ein bisschen, dass der geregelte Alltag fehlt“, stellt Maria Sittart fest. „Bedeutungen, die vorher da waren, sind schwammiger geworden.“ So hat sie das Gefühl, dass Schule und Ausbildung an Bedeutung verloren hätten. Man habe sich daran gewöhnt, daheim zu sein, das habe ja auch funktioniert. Online sei man vielleicht nicht immer aufmerksam gewesen und doch versetzt worden, nennt sie Beispiele. Sie hat Verständnis: Jetzt wieder in den Alltag zu kommen, zu starten, zurückzufinden, „das ist auch schwer“.

Andere Dinge stünden für Jugendliche persönlich im Vordergrund: das Leben ein bisschen mehr zu genießen, die Freiheiten zu nutzen, die sie haben, sich mehr zu treffen. „Sie halten sich schon an die Maßnahmen“, ist Maria Sittart in Sachen Corona-Regeln sicher.

Die „Neue“ ist sie nicht mehr: Bereits seit 15. März kümmert sich Sozialarbeiterin Maria Sittart in der Mobilen Jugendarbeit um Welzheimer Jugendliche. Ihr Start fiel mitten in die Beschränkungen der Corona-Pandemie und den Lockdown. Die 27-Jährige nimmt’s gelassen. „Für die Mobile Jugendarbeit war trotzdem relativ viel möglich.“ Mit Masken, Abstand und allen nötigen Vorsichtsmaßnahmen natürlich.

„Die Mobile Jugendarbeit war mein Wunsch“, sagt Maria Sittart. Sie lernte den

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