Welzheim

Ständiger Wechsel der Corona-Regeln: Frust bei Pflegeheimen im Welzheimer Wald

Bethel
Der Druck auf die Mitarbeiter im Bethel in Welzheim steigt mit der Impfpflicht. Wie viele verlassen nun diese Branche? © Gabriel Habermann

Bis zum 15. März 2022 müssen Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen geimpft sein, sonst droht ihnen der Jobverlust. Dass angesichts dieser prekären Situation Geschäftsführerin Ulrike Brenner vom Welzheimer Pflegezentrum Bethel sichtlich zögert, konkrete Zahlen auf den Tisch zu legen, verwundert wenig. „Jeder hat ein Recht auf die eigene Meinung“, betont sie. Zögerer kann sie verstehen, und „wir wollen niemanden zwingen“. Was angesichts der Impfpflicht in den Pflegeberufen ausgesprochen schwierig wird.

76 Mitarbeiter sind im Welzheimer Bethel beschäftigt, 110 Pflegeplätze sind es bei Vollbelegung. Nach zwei Jahren mit der Pandemie können viele Pflegekräfte einfach nicht mehr, meint Ulrike Brenner.

Im letzten Jahr hat sie eine Bachelorarbeit zum Thema verfasst, in der es auch um Resilienz ging - also um die Widerstandskraft des stark beanspruchten Personals gegen die schwierigen Umstände. Und diese Widerstandskraft lässt spürbar nach. Das liegt, so Brenner, auch am schnellen Wechsel der Regeln.

Viele Pflegekräfte sind am Ende ihrer Kräfte angekommen

Beispielsweise hätte erst kürzlich ein Monteur in einem der Büros eine kleine Wartungsarbeit erledigen sollen - aber seit neuestem braucht man zum gültigen Impfpass noch zusätzlich einen Schnelltest, der höchstens sechs Stunden zurückliegen darf, oder einen PCR-Test, der nicht älter sein darf als vierundzwanzig Stunden. Worüber sie den Mann informieren musste, der dann prompt gezwungen war, draußen zu bleiben. Das Gleiche gilt für Angehörige, die auf die Nachricht, dass sie ihre Verwandten plötzlich ohne besagten Test nicht mehr sehen dürfen, teilweise mit Wut und Unverständnis reagieren. „Dabei können wir doch gar nichts dafür“, meint Ulrike Brenner hörbar frustriert. „Wir müssen die Regeln halt durchsetzen.“ Am Ende des Interviews hat sie dann doch eine Zahl parat - 75 Prozent der Mitarbeiter und Bewohner sind mittlerweile geimpft.

Nur eine Bewohnerin im Haubenwasen hat die Impfung verweigert

Zahlen hat auch Annina Mödinger, Hausdirektorin im Pflegeheim Haubenwasen in Pfahlbronn. Nur eine Bewohnerin (es sind insgesamt 100) hat die Impfung verweigert, 96 sind bereits geboostert, die restlichen drei müssen noch auf die Booster-Impfung warten. Von den 150 Mitarbeitern waren es zehn, die die Impfung kategorisch abgelehnt haben. Sieben davon haben bereits gekündigt.

„Wir sind für die Impfpflicht“, sagt Mödinger, „aber es müsste eine allgemeine Impfpflicht sein. So flüchten die Mitarbeiter aus dem Beruf, und das ist schade.“

Die Evangelische Heimstiftung hat eine große Impfkampagne veranstaltet, es hat Gespräche gegeben, und viele unentschiedene Mitarbeiter haben sich überzeugen lassen - aber eben nicht alle. „Das waren eher Hilfs- und keine Fachkräfte, aber die brauchen wir halt auch.“ Im Haubenwasen werden zwar Tests angeboten, aber trotzdem hat Annika Mödinger dasselbe Problem wie Ulrike Brenner im Welzheimer Bethel - die Regeln ändern sich oft so schnell, dass viele Angehörige sie nicht mitbekommen. „Und die sind dann sauer auf uns.“

Ins Welzheimer Impfzentrum kommen täglich etwa 20 Impfwillige ohne Termin, sagt Uwe Lehar von der Stadt Welzheim, allerdings sind die Zahlen rückläufig, seit nur die Bürger unter 30 mit Biontech geimpft werden können.

Corona ist eine große Belastung in sehr vielen Bereichen

Und die ständigen Regeländerungen muss die Stadt zeitnah weitergeben, nicht nur an Pflegeeinrichtungen, sondern auch an den Einzelhandel. Im Grunde gilt für die Kommunen das Gleiche wie auch für die Mitarbeiter in den Heimen: „Wir kämpfen jetzt seit zwei Jahren damit, es ist schon eine große Belastung.“

Bis zum 15. März 2022 müssen Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen geimpft sein, sonst droht ihnen der Jobverlust. Dass angesichts dieser prekären Situation Geschäftsführerin Ulrike Brenner vom Welzheimer Pflegezentrum Bethel sichtlich zögert, konkrete Zahlen auf den Tisch zu legen, verwundert wenig. „Jeder hat ein Recht auf die eigene Meinung“, betont sie. Zögerer kann sie verstehen, und „wir wollen niemanden zwingen“. Was angesichts der Impfpflicht in den Pflegeberufen

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