Welzheim

Stilles Silvester: Eine Katastrophe für Pyrotechniker

Feuerwerk
Der harte Lockdown ist ein herber Tiefschlag für die Branche. „Das wird vielen Kollegen zum Verhängnis“, so Manuel Grüninger. © Gabriel Habermann

Wer würde nicht liebend gerne dieses außergewöhnliche, seltsam spukhafte Jahr mit einem Feuerwerk zum Teufel jagen. Dass es was wird mit dem Freudenfeuer(werk) - der Pyrotechniker Manuel Grüninger hoffte bis zuletzt. Nach einer Woche Ungewissheit hat Manuel Grüninger Gewissheit – wenn auch eine, die nichts Gutes ahnen lässt. „Mit dieser Entscheidung hat die Bundesregierung sich und auch den Krankenhäusern keinen Gefallen getan. Jetzt wird der Handel von illegalem Feuerwerk florieren, denn das Abbrennen bleibt teilweise erlaubt“, sagt Manuel Grüninger, staatlich geprüfter Pyrotechniker, der in Lorch und Gmünd zwei Fachhandelsgeschäfte für „pyrotechnische Gegenstände“ betreibt, zu denen auch das Haushalts-Silvesterfeuerwerk gehört. Er bedient darüber hinaus auch Kundenwünsche nach speziellen Feuerwerken mit Sondereffekten. Am Sonntag zur Mittagszeit wurde bekannt, dass es ein stilles Silvester wird. Kein komplettes Verbot, aber ein Appell dazu geht aus der Telefonkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder hervor.

Bei einer Ausgangssperre auch kein Feuerwerk auf dem eigenen Grundstück

Manuel Grüninger erreicht diese Nachricht nach einer unruhigen Woche voller Ungewissheit. „Aktuell sitzen wir untätig herum und warten. Sollte es, egal wie, möglich bleiben, zu verkaufen, und sei es auch nur bis Mittwoch, legen wir notfalls eine Nachtschicht ein“, sagt er. Ob das Verkaufsverbot erst ab Mittwoch gelte, wenn die neue Corona-Verordnung in Kraft tritt, oder schon ab sofort, sei nämlich noch unklar. Fakt ist aber auch, sollte es eine Ausgangssperre an Silvester geben, „die eigene Wohnung ab 20 Uhr nicht mehr verlassen zu dürfen, dann wäre das Abbrennen von Feuerwerk sicher kein triftiger Grund, die Wohnung verlassen zu dürfen, und somit gebe es auch kein Feuerwerk auf dem eigenen Grundstück“, so Grüninger.

Schon vergangene Woche hatte er ein fettes Fragezeichen hinter das Silvesterfeuerwerk und damit auf die Chance, doch noch ein paar Umsätze zu generieren, gesetzt. Vor einer Woche schon, nach Inkrafttreten der nächsten verschärften Corona-Regeln, war seine Hoffnung dann bis auf einen Restfunken zusammengefallen. Seit Sonntagmittag, 13. Dezember, hat er die Gewissheit: Der Silvesterhimmel in den feierlichen Momenten zwischen altem und neuem Jahr bleibt wohl dunkel, kein glitzernder Sternenregen aus vielen Raketen wird das Jahresende markieren, für die gesamte Pyro-Branche beginnt das Jahr zappenduster. Vergangene Woche hatte er vor, in Lorch zwar nur einen Vorbestellertag am 28. Dezember anzubieten, aber er ging davon aus, öffnen zu dürfen. In Gmünd wollte er den Vorverkauf am Montag, 14. Dezember, starten - zwar zwei Wochen später als sonst, aber immerhin. Bei ihm läuft der Verkauf teilweise auf Vorbestellung: Er bewahrt die Ware auf bis zu den drei Ausgabetagen, an denen die Kunden dann zum Abholen kommen, dieses Jahr habe er sich darauf eingestellt, dass er die Vorbestellungen möglicherweise ausliefern muss, weil der Fachhandel geschlossen wird und die Leute ihre Sachen nicht selbst holen können. Auch habe er innerlich schon damit gerechnet, dass er die Erwartungen an den umsatzstärksten Monat des Jahres wohl gehörig nach unten korrigieren muss. Nach Bekanntgabe des harten Lockdown-Kurses und der Ausgangsbeschränkungen ist es nun zappenduster. „Soweit wir wissen, ist das Böllern aktuell noch nicht verboten“, sagt er. Allerdings kursierten „Gesprächsfetzen von diversen Politikern“, die nahelegen, dass die Ausgangssperre um 20 Uhr auch am Silvesterabend durchgesetzt wird. Heißt also, wo es noch erlaubt sein sollte, werde generell dringend davon abgeraten, ein Feuerwerk auf dem eigenen Grundstück in den Himmel zu jagen.

Noch am Samstag seien verschiedene Möglichkeiten geprüft worden, wie ein Verkauf möglich wäre. „Beispielsweise durch die Angliederung als Pop-up-Store an ein systemrelevantes Geschäft“, stellt er eine Variante vor. Auch die Möglichkeit eines Instant-Lieferdienstes, wie man es von Pizzaservices kennt, war im Gespräch. Innerhalb von nicht mal 24 Stunden stellt sich die Lage anders dar: „Wir dürfen nichts mehr verkaufen.“

40 Prozent eines normalen Jahresumsatzes sind nun weg

„Das Jahr war für unsere Branche ein Desaster, das Silvestergeschäft ist für etliche von uns der letzte Strohhalm, an den wir uns geklammert haben.“ Rund 40 Prozent seines Jahresumsatzes mache er mit der Silvesterknallerei, aber es sei kein normales Jahr gewesen. „Da nun der Verkauf von pyrotechnischen Artikeln im Fachhandel untersagt wurde, werden viele Firmen aus unserer Branche das nächste Jahr nicht überleben“, prognostiziert er. Seit Sonntag herrscht Klarheit: „Die Entscheidung stellt uns vor das größte Problem seit der Firmengründung. Wir hatten uns auf die Aussagen der Politik verlassen. Nun wird wohl eine weitere Branche der Krise zum Opfer fallen. Da zeigt sich mit aller Deutlichkeit, wie wenig die Arbeit von Jahren noch wert ist.“ Das Jahr war so schon zermürbend ohne Ende: Er habe nur den Azubi halten können, seine Aushilfen und Freelancer, die ihm in Stoßzeiten immer unter die Arme gegriffen hätten, konnte er nicht einsetzen, mit Beginn des ersten Lockdowns hatte er kein Geschäft mehr für sie. „Wer uns und den anderen aus der Branche diesen Schaden ersetzt, weiß kein Mensch.“

Auf dem Großteil der Ware bleibt nicht nur Grüninger sitzen

Die Silvesterbestellung für den Direktverkauf im Ladengeschäft sei schon im Februar raus an die Lieferanten gegangen. Er sei mächtig in Vorleistung getreten, da er die Bestellmenge an die der Vorjahre angepasst habe. Als sich Corona abzuzeichnen begann, habe er die Bestellmenge nachträglich reduziert. Doch auf 60 Prozent wird er nun sitzenbleiben. „Wir würden das Material über das Jahr hinweg aufbewahren, doch verursacht die Lagerhaltung, teilweise in Bunkern, natürlich auch Kosten“, gibt er zu bedenken.

Grüninger verkauft an Silvester auch Komplettfeuerwerke in der Kategorie F2, die der Otto Normalverbraucher nur an Silvester ohne sprengstoffrechtliche Erlaubnis und Befähigungsschein abfeuern darf - während des Jahres bräuchte er eine Ausnahmegenehmigung. Liebgewonnene Leuchtspektakel wie der „Leuchtende Weinberg“ und „Rems in Flammen“ werden jetzt bis auf weiteres Schall und Rauch werden und als Erinnerungsfunken aufflackern.

Aus der Telefonkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder heißt es in Bezug auf das Silvesterfeuerwerk: „Am Silvestertag und Neujahrstag wird bundesweit ein An- und Versammlungsverbot umgesetzt. Darüber hinaus gilt ein Feuerwerksverbot auf durch die Kommunen zu definierenden publikumsträchtigen Plätzen. Der Verkauf von Pyrotechnik vor Silvester wird in diesem Jahr generell verboten und vom Zünden von Silvesterfeuerwerk generell dringend abgeraten, auch vor dem Hintergrund der hohen Verletzungsgefahr und der bereits enormen Belastung des Gesundheitssystems. Der Verkauf von Pyrotechnik vor Silvester wird in diesem Jahr generell verboten.“

Wo die Ausgangssperre gilt, darf definitiv nicht geböllert werden

Das heißt also unterm Strich: Eine weitere Branche ist gefährdet, denn der Verkauf von Silvesterfeuerwerk ist gestoppt. Der Grund: Gesundheitsschutz, denn jeder Verletzte an Silvester würde die Krankenhäuser aufgrund der Corona-Krise überlasten. Wer auf seinem Grundstück ein Feuerwerk macht, wird aber nicht bestraft, jedoch sollte es komplett vermieden werden, heißt es seitens der Länder und der Bundesregierung.

Und dort, wo die Ausgangssperre auch an Silvester nach 20 Uhr gilt, „darf eh kein Feuerwerk geschossen werden, denn ist es ja kein triftiger Grund, das Haus zum Böllern zu verlassen“, sagt Grüninger mit einem weinenden Auge, denn seine Branche leidet nun finanziell gewaltig unter diesen Beschlüssen. Es bleibt seit Sonntag also eine Erkenntnis: Feuerwerk soll es zum Jahreswechsel in 2021 nicht geben, auch nicht dort, wo es vielleicht noch erlaubt wäre.

Wer würde nicht liebend gerne dieses außergewöhnliche, seltsam spukhafte Jahr mit einem Feuerwerk zum Teufel jagen. Dass es was wird mit dem Freudenfeuer(werk) - der Pyrotechniker Manuel Grüninger hoffte bis zuletzt. Nach einer Woche Ungewissheit hat Manuel Grüninger Gewissheit – wenn auch eine, die nichts Gutes ahnen lässt. „Mit dieser Entscheidung hat die Bundesregierung sich und auch den Krankenhäusern keinen Gefallen getan. Jetzt wird der Handel von illegalem Feuerwerk florieren, denn

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