Welzheim

Stirbt das Jugendzentrum aus?

525555c1-ba33-49a2-a3aa-59234db45ed3.jpg_0
Kassiererin Nicole Schniepp und 1. Vorstand Christian Mayr hoffen, dass bald wieder mehr Jugendliche vorbeikommen. © Kleeb

Welzheim. Es gibt nicht genügend Angebote für Jugendliche in Welzheim – so zumindest lautete eine vieldiskutierte These während des Wahlkampfs zur Bürgermeisterwahl. Rufe nach einem Jugendzentrum in der Nähe der Schulen wurden laut. Nicole Schniepp und Christian Mayr, Ehrenamtliche beim Jugendzentrum Welzheim, frustrierten diese Aussagen bei den Wahlveranstaltungen. „Viele Jugendlichen wissen nicht, dass es uns gibt“, meint Schniepp. Deshalb verirren sich auch nicht viele in das JuZe in der Silcherstraße.

„Wir würden gerne mehr machen“, sind sich Nicole Schniepp und Christian Mayr einig. Seit ihrer eigenen Jugend arbeiten die beiden ehrenamtlich beim Jugendzentrum Welzheim mit. „Für mich war es damals etwas Besonderes, als ich in der Team-Sitzung eine meiner Lieblingsbands vorgeschlagen habe und wir die dann tatsächlich zum Konzert nach Welzheim geholt haben“, erzählt Mayr.

Da das Jugendzentrum selbstverwaltet ist, haben Jugendliche die Möglichkeit, das Programm aktiv zu gestalten. Aber in den letzten Jahren mangelt es an Besuchern. Wenn sie jetzt Konzerte organisieren, erscheint kaum jemand. Das Team würde gerne mehr mit den Jugendlichen zusammen machen, aber ohne Besucher lohne sich der Aufwand einfach nicht.

„Im Moment haben wir nur freitags für den regulären Betrieb geöffnet“, erzählen die Ehrenamtlichen. „Früher hatten wir von Mittwoch bis Samstag ein volles Haus.“ Um wieder mehr Jugendliche auf das Jugendzentrum aufmerksam zu machen, hat das Team letztes Jahr Flyer verteilt und einen Partymarathon organisiert. Ein bis zwei davon seien ganz gut gelaufen, aber insgesamt habe die Organisation nicht viel an der Gesamtsituation verändert.

Disco statt Jugendzentrum?

Nicht nur das Jugendzentrum Welzheim kämpft ums Überleben: Laut Schniepp und Mayr gab es früher noch zwischen zwölf und 15 Jugendzentren im Kreis – inzwischen sind es noch vier. Auf die Frage, was die Jugendlichen stattdessen machen, haben die beiden keine konkrete Antwort. Viele würden wohl eher in Clubs gehen, dafür auch den weiten Weg nach Stuttgart auf sich nehmen, ist eine ihrer Vermutungen.

Schon nach einer kurzen Unterhaltung ist offensichtlich, wie sehr Schniepp und Mayr das Jugendzentrum und seine Jugendlichen am Herz liegen. Sie sehen das Jugendzentrum als einen Raum der Entfaltung, wo Jugendliche sich ausprobieren können, ihren kreativen Drängen nachgehen und insgesamt einfach „machen können, worauf sie Lust haben“. Ein neues Jugendzentrum in der Nähe des Schulzentrums zu bauen, wie im Wahlkampf vorgeschlagen wurde, halten sie nicht nur für unnötig, sondern auch für unklug. Jugendliche würden sich dort überwacht fühlen, meinen sie. Im bestehenden JuZe könnten sie unter sich sein – fernab vom Schulgelände und ohne die Kontrolle von Schule und Sozialarbeitern.

Das JuZe macht zwar Arbeit, aber auch Spaß

„Das heißt, aber nicht, dass wir beide Augen zudrücken“, stellt Schniepp klar. „Als Träger der Jugendhilfe haben wir eine gewisse Verantwortung.“ Sie sorgen zum Beispiel immer dafür, dass die Jugendlichen gut nach Hause kommen, fahren sie zur Not auch mal selbst. Wenn jemand sich komplett danebenbenehme, werde er schon auch mal des Geländes verwiesen. „Aber niemand verhält sich hier oberlehrerhaft. Wir sind alle auf derselben Ebene.“ Weil das JuZe sich an bestimmte Regeln halte, dürfen Jugendliche auch länger im Jugendzentrum bleiben als zum Beispiel in Gaststätten.

„Das JuZe macht Arbeit“, gibt Schniepp bereitwillig zu. Als Kassiererin erledige sie besonders undankbare Aufgaben. Aber die Arbeit mache Spaß und es werde immer darauf geachtet, dass es kleine „Bonbons“ für die Teamer gebe. Freigetränke, Pizza nach dem Aufräumen, freier Eintritt zu Konzerten – hauptsächlich lohne sich die investierte Zeit aber, weil man im Team befreundet ist und es Spaß mache, Zeit zusammen zu verbringen. „Mit den richtigen Leuten macht auch Putzen Spaß“, findet Mayr.

Mehr Kontakt zur Zielgruppe

Prinzipiell könne man als Ehrenamtlicher so viel oder so wenig im JuZe arbeiten, wie man will. Als Vorstand und Kassiererin machen sich Mayr und Schniepp aber natürlich mehr Arbeit als die meisten, obwohl sie beide eigentlich auch ohne Jugendzentrum beschäftigt genug wären. Mayr studiert in Stuttgart Vermessungsingenieurwesen, Schniepp ist Jugend- und Heimerzieherin, zurzeit im Sabbatjahr. Sie ist schon seit 14 Jahren beim Jugendzentrum und bezeichnet sich selbst als „Dino“. Was die beiden motiviert? „Wenn man monatelang für eine Veranstaltung geackert hat und dann sieht, wie viel Spaß die Leute haben, gibt einem das viel zurück“ erklärt Schniepp. Ein stolzes Gefühl von „Das waren wir“.

Erst vor zwei Wochen fand eine Art „Krisensitzung“ des Teams statt. Die Ehrenamtlichen wollten klären, wie es mit dem JuZe in Zukunft weitergehe. Sie sind an den TSF herangetreten und hoffen so, wieder präsenter bei den Jugendlichen zu werden. Auch zu den Schulen wollen sie wieder mehr Kontakt herstellen. Es gehe erst einmal einfach darum, daran zu erinnern, dass es das Jugendzentrum gibt. Sobald wieder mehr Jugendliche kommen, will das Team auch wieder mehr Veranstaltungen organisieren. Mit den neuen Besuchern zusammen, versteht sich.

Das Team

Zurzeit besteht das Team des Jugendzentrums aus sieben Freiwilligen. Früher waren es teilweise auch schon 30.

Jeder, der 14 Jahre oder älter ist, ist im Team willkommen.

Auch Jugendliche, die nicht wissen, ob sie sich im Team engagieren wollen, aber eine Idee für eine Veranstaltung haben und mithelfen wollen, seien erwünscht.

„Wir als Team haben Erfahrung im Organisieren“, meint Schniepp. „Was wir brauchen, sind Gäste“.

Jeder im Team lerne auch voneinander, betonen die zwei Ehrenamtlichen. Mayr zum Beispiel habe Löten gelernt und plant, bald wieder das Soundsystem des Jugendzentrums zu erneuern. Schniepp betont auch die Sozialkompetenz.