Welzheim

Sylvia Elbs aus Welzheim sagt: „Ballett ist mit Abstand möglich!“ Warum verbietet es dann die Corona-Verordnung?

Ballettschulewelz
Tochter Isabell und Chefin Sylvia Elbs führen erfolgreich eine Ballettschule in Welzheim. Bis zum 31. Oktober war es auch erlaubt, mit Hygieneregeln und einem guten Konzept zu tanzen. Seit dem 2. November nicht mehr. Aber warum? Und vor allem, wie lange dauert das Verbot noch? Ballett mit Abstand ist nämlich möglich, was die grünen Streifen am Boden zum Ausdruck bringen. © Gaby Schneider

„Die großen Kunstschulen können weiterarbeiten, mit Ausnahme der Tanz-Workshops, aber niemand spricht über die reinen Ballettschulen, die nur das Tanzen anbieten. Wir können Kinder nicht über Online-Angebote erreichen. Eine Vierjährige kann man nicht online unterrichten. Das hatten wir im Frühjahr schon ausprobiert“, erklärt Sylvia Elbs, Diplom-Tanzpädagogin und Inhaberin der Welzheimer Ballettschule „Sylvia Elbs“ in Welzheim.

Sylvia Elbs weiß, dass man in so einer Pandemie Maßnahmen ergreifen muss, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Aber sie kann die Unverhältnismäßigkeit nicht akzeptieren, besonders in ihrem Bereich, dem Balletttanzen. „Warum dürfen Kunstschulen mit den Kindern und Jugendlichen in Gruppen bis zu 20 Personen arbeiten und wir nicht? Wir haben ebenfalls einen künstlerischen und erzieherischen Bildungsauftrag. Und wir haben gute Konzepte, die ja über Monate hinweg funktionierten. Wir arbeiten in Gruppen mit persönlichem Abstand, achten auf die Hygiene, und ich kenne keine Ballettschule, in der es zu einem großen Corona-Ausbruch kam“, so Sylvia Elbs. Von Juli bis Oktober durften die Kinder zum Unterricht kommen, die Vorschriften wurden eingehalten, und es wurde alles dafür getan, dass es weitergehen kann.

„Dann kommt der Sonntag, 1. November, und es hieß, wir müssen zumachen für mindestens vier Wochen. Aber warum? Eine Antwort konnte uns bislang niemand geben. Wir arbeiten hauptsächlich mit Kindern, die sich jeden Tag in der Schule oder im Kindergarten treffen, auf den Spielplätzen oder sonst wo begegnen. Aber zum Ballett dürfen sie nicht mehr kommen“, sagt Sylvia Elbs, die sich natürlich Gedanken um ihre Existenz macht, sich aber noch viel mehr um die Kinder sorgt. „Wir vergessen, dass Tanzen, auch Ballett, sowie jeder andere Sport oder jede andere künstlerische oder kulturelle Fähigkeit den Kindern beim Heranwachsen enorm hilft. Und dies wird den Kindern genommen, obwohl sie nicht zur Risikogruppe gehören. Das verstehe ich nicht. Denn bei uns im Unterricht halten wir alle Abstandsregeln ein, natürlich auch die Hygienevorschriften. Ballett ist mit Abstand möglich“, erklärt Sylvia Elbs, die oft im Unterricht Mutter, Freundin und Lehrerin in einer Person sei. Die Kunstschule dagegen bleibt geöffnet. Als kulturelle Bildungseinrichtung hat die Kunstschule trotz Teil-Lockdown geöffnet. Fachklassen und Workshops finden unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften wie gewohnt statt, heißt es auf der Homepage der Kunstschule Unteres Remstal in Waiblingen. „Durch das sehr harte Wort, nämlich Verbot, wird suggeriert, dass Tanzen etwas ganz Schlimmes ist. Die Situation der Ballettschulen im Land ist ohnehin schon prekär genug. Immer nur sind wir ein Stiefkind. Wir leisten aber wichtige Arbeit, vor allem bei der Bildung und Erziehung von Kindern. Mit dem Lockdown in diesem Bereich machen wir sehr viel kaputt“, meint Sylvia Elbs, die zusammen mit ihrer Tochter Isabell überlegt, welche Angebote man den Kindern in Welzheim und Umgebung machen kann, um in Gruppen mit Abstand zu arbeiten.

„In der Kunstschule ist das Malen zusammen in Gruppen erlaubt, aber wir als Ballettschule dürfen nicht mit den Kindern arbeiten. Wo ist hier der Unterschied? Vielleicht muss ich zusätzlich zum Ballett noch einen Schauspielkurs anbieten, um als Kunstschule zu gelten und dann wieder arbeiten zu dürfen?“, so Sylvia Elbs.

Die Kinder sollen ohne Sport und Kultur aufwachsen?

Es ist von enormer Bedeutung, zu betonen, dass in Schulen für künstlerischen Tanz kein „Kontaktsport“ betrieben wird, die Abstände perfekt eingehalten werden können und die Stundenpläne bereits so adaptiert worden sind, dass eine ausreichende Lüftung gewährleistet ist. Die Besonderheit im Kontext von Schulen für künstlerischen Tanz liegt darin begründet, dass die Tanzkunst weder aus einem Buch noch ausschließlich durch die Beobachtung der Ausführenden gelernt werden kann und man einen geeigneten Raum für die Ausübung benötigt. „Darum können Online-Angebote, die im ersten Lockdown geschnürt und angeboten worden sind, um die Umsatzeinbußen zu begrenzen, den Präsenzunterricht nicht vollumfänglich ersetzen“, erklärt Jas Otrin, Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Tanzpädagogik. Die Wahrung der Gesundheit sei und bleibe die oberste Priorität, aber eine erneute Schließung der Schulen für künstlerischen Tanz „ist aus unserer Sicht nicht notwendig“.

Als Folge könnte die flächendeckende künstlerische Vorausbildung, die – wie die musikalische Vorausbildung – fester Bestandteil der Gesellschaft ist, nicht mehr aufrechterhalten werden. „Dies wäre mit einschneidenden Auswirkungen auf die kulturelle Bildung einer ganzen Generation verbunden“, so Otrin. Sylvia Elbs und ihre Tochter Isabell, die die Ballettschule übernehmen soll, hoffen, dass es im Dezember heißt: „Ballett ist wieder erlaubt, aber nicht nur vor Weihnachten, sondern bitte auch danach“, äußert sich Isabell Elbs.

„Die großen Kunstschulen können weiterarbeiten, mit Ausnahme der Tanz-Workshops, aber niemand spricht über die reinen Ballettschulen, die nur das Tanzen anbieten. Wir können Kinder nicht über Online-Angebote erreichen. Eine Vierjährige kann man nicht online unterrichten. Das hatten wir im Frühjahr schon ausprobiert“, erklärt Sylvia Elbs, Diplom-Tanzpädagogin und Inhaberin der Welzheimer Ballettschule „Sylvia Elbs“ in Welzheim.

Sylvia Elbs weiß, dass man in so einer Pandemie Maßnahmen

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