Welzheim

Teil-Lockdown: Mitglieder mit den TSF Welzheim solidarisch

Kinderschutz
Für ihren Verein setzt sich die TSF-Vorstandsvorsitzende vielseitig ein. Unser Archivfoto zeigt Petra Schütte etwa mit einer Kinderschutzordnung. © Rainer Stütz

Tennistraining mit einem Trainer und einem Schüler, Schachspielen online und Rehasport: Mehr dürfen die TSF Welzheim ihren Mitgliedern derzeit nicht anbieten. Die Pandemie regiert auch in den rund 2500 Mitglieder zählenden Verein hinein. „Jetzt ist wieder Sendepause“, sagt Petra Schütte zum momentanen Lockdown.

Doch die TSF-Vorstandsvorsitzende und die Abteilungsleiter bleiben gelassen. Einiges haben sie in den vergangenen Monaten trotz der Auflagen zum Infektionsschutz möglich gemacht, haben Erfahrungen gesammelt und mit viel Aufwand organisiert. Sie fanden Unterstützung, ja Dankbarkeit. Und nicht ein Mitglied hat seinen Beitrag während des Lockdowns zurückverlangt oder ist gar ausgetreten. „Im Gegenteil“, sagt Petra Schütte.

Aber von vorn. Mit einem Lockdown hat der Sportverein bereits im Frühjahr Erfahrungen gesammelt. Der fühlte sich anders an als jetzt. „Der erste Lockdown war für alle irgendwo eine Schockstarre. Man wusste nicht, was auf einen zukommt.“

Dazu hatten die TSF doppelt Pech: Im Sommer, da die Mitglieder draußen hätten Sport treiben können, hatten Engerlinge den Rasenplatz befallen. Der Hartplatz hätte im April renoviert sein sollen, wurde aber coronabedingt nicht fertig und ist es auch jetzt nicht. „Es gab einfach gar keine Sportstätten.“ Nur für kurze Zeit die Tartanbahn. Fürs Sportabzeichen wichen die Mitglieder auf Sportstätten nach Alfdorf aus.

Bereits vor dem zweiten Lockdown jetzt scheuten ehrenamtliche Macher keine Mühe, um den Sportbetrieb, wo’s ging, mit den Bedingungen des Infektionsschutzes zu ermöglichen. Gruppen wurden neu eingeteilt, verkleinert und in größere Hallen verlegt, Listen geführt, desinfiziert, und so weiter. Auch die Abteilungen halfen sich. Die Handballer etwa durften ihren Sport nicht ausüben, haben aber den Turnern die Halle angeboten, damit sie größeren Abstand haben, gibt Petra Schütte ein Beispiel. Abteilungen haben Übungen per Mail oder kleine Videos per Whatsapp verschickt. Für Online-Schachturniere gibt’s extra eine Plattform.

Herbstferienprogramm und Tenniscamp ermöglicht

Wer von den Älteren aber im Internet nicht so fit ist, für den ist’s mau: Das Schwätzle nach dem Sport fällt zurzeit ebenso weg wie das Training. Für Jugendliche sieht Petra Schütte, wenn die regelmäßige Übungsstunde wegfällt, eher die Gefahr, dass sie nicht wiederkommen.

Mit Blick auf die zahlreichen und vielseitigen Vereinsaktivitäten der TSF weiß sie natürlich: „Vieles ist weggefallen.“ Selbst in Bereichen, die erlaubt waren, war stets Vorsicht geboten. Abteilungsfeste und Ausflüge wurden gestrichen. Jedoch gelang es, das Tenniscamp und das vereinseigene Herbstferienprogramm zu ermöglichen. Zwar anders organisiert, in kleineren Gruppen, die nicht wechseln und sich nicht austauschen durften, das Essen wurde in eingeschweißten Aluschalen vom Caterer angeliefert, um Verwechslungen zu vermeiden, dazu das Desinfizieren, „es ist viel organisatorischer Aufwand“. Dennoch: Es gelang. Mehr noch: „Es haben alle mitgemacht, sich bemüht, dass das wenige, was stattfinden kann, auch stattfindet.“ Eltern zeigten sich ebenfalls dankbar.

Überhaupt beobachtet Petra Schütte Solidarität. Von den TSF-Mitgliedern hat bisher keiner seinen Beitrag zurückverlangt. Rechtlich zieht der Mitgliedsbeitrag kein Anrecht auf ein Sportangebot nach sich. Aber: „Das müssen wir eigentlich nicht raushängen. Das ist nicht das Thema.“

"Wir wirtschaften vorsichtig. Wir können das jetzt ertragen"

Die Tennisspieler boten ihrerseits im Frühjahr eine Solidaritätsaktion an. „Wir waren die Ersten, die draußen waren.“ TSF-Mitglieder durften ohne Abteilungsbeitrag Tennis spielen, sonst war sportlich kaum etwas möglich, und schau an, es fanden sich neue Mitglieder.

Finanziell trifft der Lockdown vor allem die Abteilungen direkt. Es fehlen die Feste, die Einnahmen nach sich ziehen. „Die Handballer konnten noch ihren Fasching machen, die Turner hatten auch noch Fasching. Dann war es vorbei.“

Der Hauptverein hat derzeit weniger Ausgaben, weil die Übungsleiter nicht zu bezahlen sind. Grundsätzlich sagt die Vorstandsvorsitzende: „Wir sind ein alter Verein. Wir wirtschaften vorsichtig. Wir können das jetzt ertragen.“ Weil man in guten Zeiten auch gut gewirtschaftet habe.

Stichwort Finanzen: Coronabedingt soll im Verein noch einmal über die geplanten Beitragserhöhungen für Mitglieder nachgedacht werden. Das Thema stand auf der Tagesordnung der Generalversammlung, die nun schon zum zweiten Mal ausgefallen ist. Der Verein will sein Ergebnis abwarten, doch Petra Schütte weiß, dass mehr Leute durch die Pandemie finanzielle Ausfälle haben, und das auch über längere Zeit.

„Wir sind jetzt viel besser gerüstet als im März“

Mit welchen Erwartungen blickt die Vorstandsvorsitzende für die TSF in die nähere Zukunft? „Wir sind jetzt viel besser gerüstet als im März.“ Vieles haben die Organisatoren schon einmal durchgemacht und etwa durch die Veränderung von Gruppengrößen viel erreicht.

Zum Infektionsgeschehen sagt Petra Schütte bedacht: „Ich glaube, dass es nicht vorbei ist und wir sicherlich noch weitere Wellen bekommen. Vielleicht kann dann die Politik früher und intelligenter darauf antworten.“ Durch frühzeitiges Eindämmen, damit es gar nicht erst zu einem Lockdown kommt.

„Ich finde es auch ganz schlimm, wie mit der Kultur umgegangen wird“, ergänzt Schütte. In dem Bereich seien Existenzen schon vorher prekär gewesen, „jetzt ist es ganz schlimm“. So relativiert Petra Schütte auch die Bedeutungen. „Vereinssport ist mehr oder weniger Spaß.“ Sie verweist auf andere Bereiche des öffentlichen Lebens, auf Gaststätten oder Schausteller: „Die haben noch ganz andere Sorgen als wir im Verein.“

Tennistraining mit einem Trainer und einem Schüler, Schachspielen online und Rehasport: Mehr dürfen die TSF Welzheim ihren Mitgliedern derzeit nicht anbieten. Die Pandemie regiert auch in den rund 2500 Mitglieder zählenden Verein hinein. „Jetzt ist wieder Sendepause“, sagt Petra Schütte zum momentanen Lockdown.

Doch die TSF-Vorstandsvorsitzende und die Abteilungsleiter bleiben gelassen. Einiges haben sie in den vergangenen Monaten trotz der Auflagen zum Infektionsschutz möglich

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