Welzheim

Terrassen überdachen oder Heizpilze? Wie entscheiden sich die Welzheimer Gastronomen?

Gastromaske
Gastwirt und Römer im Corona-Schutzmodus: Heiko Eisenmann vom Welzheimer Gasthof „Zum Lamm“. Das Virus verlangt den Gastronomen einiges ab. © Zühr

Ein Cappuccino in der Herbstsonne: Da lässt sich das Freiluftflair im Biergarten noch einmal genießen. Draußen Abstand zu anderen Gästen zu halten ist leicht, und mancher fühlt sich vielleicht ob der geringeren Corona-Ansteckungsgefahr wohler. Doch was heißt es für Gastronomen, wenn Herbst und Winter ins Innere zwingen, zumal die Infektionszahlen wieder steigen?

Von den Nöten einer Branche, die das Virus ins Mark trifft, kann Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Baden-Württemberg, viel erzählen. Und darüber, wie Gastronomen versuchen, den Betrieb unter schwierigen Bedingungen zu meistern. Die Außensaison so weit wie möglich verlängern, damit schildert Ohl einen Trend. Die Abstandsregeln zum Schutz vor möglicher Ansteckung kosten Gastwirte rund 40 Prozent der Sitzplätze. Das Ende der Außensaison schränkt das Kontingent häufig nochmals ein. Und: „Die Plätze draußen sind derzeit besonders beliebt, auch, weil es Menschen gibt, die den Infektionsschutz draußen besser gewährleistet sehen.“

Was tun? „Betriebe überdachen zum Beispiel Terrassen“, nennt Ohl eine Möglichkeit. Heizpilze oder -strahler sind eine andere. „Dass die Dinger keine Umweltschutzpreise bekommen, da sind wir uns alle einig.“ Jedoch: „Es geht nicht nur um den Wirt. Es geht auch um die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter.“

Ob Camillo Missione draußen Heizstrahler aufstellen wird, kann er noch nicht sagen. Das macht der Wirt der Welzheimer Pizzeria „Da Camillo“ vom Gästeaufkommen abhängig. Kommen viele, „dann musst du schon was machen“. Auch mit einer Verlängerung der Außenkonzession, diese Möglichkeit bietet die Stadt Welzheim, will er warten, bis er sie tatsächlich braucht.

Die neuen Regeln zur Maskenpflicht in Restaurants, Gäste müssen den Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie nicht an ihrem Platz sitzen, zum Beispiel auf dem Weg zum Tisch, nimmt Camillo Missione ernst. „Wenn es Gesetz ist, muss man es machen.“

Mit Blick auf die Herbst- und Wintersaison verfällt Missione nicht schon in Trübsinn. „Ich denke immer positiv.“ Im Biergarten hat er im Sommer viele Gäste begrüßt, er hofft auf einen guten Herbst.

Über einen Regen- und Wetterschutz draußen denkt Konstantinos Kokkonis vom Gasthaus „Marathon“ nach. Er will mit der Stadt sprechen. Wenn die ihn genehmigt, will er ihn errichten. Prognosen für die Saison? „Das muss man nehmen, wie es kommt.“ Die neuen Maskenregeln in Restaurants jedenfalls machen ihm keine Probleme. „Bis jetzt funktioniert es.“ Die Gäste halten sich an die Vorgaben. Auch über einen Lieferservice denkt Kokkonis im Zuge von Corona nach. Enzo Sollazzo vom Ristorante Pizzeria „Ionio“ hat hingegen die Außengastronomie verkleinert und den Abholservice ausgebaut. Der wird seit dem Virus stärker nachgefragt. Das Bestellsystem wurde zeitlich und organisatorisch verfeinert. Sollazzo will es im Herbst und Winter so fortführen. Die Verlängerung der Außensaison ist in Stuttgart eine Sache. „In Welzheim ist es drei, vier, fünf Grad kälter.“ Der Wirt hat dabei auch seine Mitarbeiter im Blick, das vielfache Hinein- und Hinauslaufen: Erkältungskrankheiten braucht gerade niemand.

Die Leute reservieren verstärkt, stellt Enzo Sollazzo fest, er hat weniger spontane Gäste. Innen bietet das Lokal den Abstandsregeln gemäß weniger Plätze. So hört der Gastronom bei der Reservierung aufmerksam zu, wie die Kunden den Abend verbringen möchten. Geht es um die Pizza vor dem „Tatort“ daheim oder eine gemütliche längere Runde? Entsprechend lässt sich genauer reservieren. Er drängt nicht, betont Sollazzo. „Ich gehe ganz offen mit der Situation um.“

In puncto Maskentragen lobt der Wirt: „Die Welzheimer sind da sehr diszipliniert.“ Heiko Eisenmann vom Gasthof „Zum Lamm“ blickt auf eine ganz gute Sommersaison zurück. „Die Leute saßen gern draußen.“ Wer will, kann das natürlich auch jetzt noch tun, wenn es das Wetter zulässt, aber auf Heizpilze setzt Eisenmann eher nicht. Der Gast hätte die Wärme nur von einer Seite. „Zum Essen ist das nicht gemütlich.“ Auch ein Zelt stellt für ihn keine Alternative dar. Man hätte Dampf darin, gibt er zu bedenken, und überhaupt: Der Gast hätte ein rosa Rinderfilet vor sich und säße bei zehn Grad: „Das passt nicht zueinander.“ Lieber verweist Eisenmann neben der Gaststube auf seinen Festsaal, in dem er die Tische mit entsprechendem Abstand stellen kann.

Corona-Vorschriften: „Ein riesiger Aufwand für den Service“

Mit den aktuellen Hygienevorschriften hat sich das Team arrangiert. „Für den Service ist das ein riesiger Aufwand.“ Auch die Gäste seien teils verunsichert. Die geltenden Regelungen findet aber jeder im Gasthaus auf Schildern erklärt. Die kürzlich erweiterte Maskenpflicht stellt für die Gäste kein Problem dar. „Die meisten haben es gar nicht anders gemacht“, weiß Eisenmann.

„Es kommen laufend neue Verordnungen raus“, kritisiert Elfriede Kühnle vom „Grünen Baum“. „Man weiß von einem Tag zum anderen nicht, was gerade aktuell ist. Wir hängen richtig in der Luft.“ Der „Grüne Baum“ hat keine Außengastronomie. Wer einkehren will, muss hineingehen. Mittagsgäste kommen regelmäßig, insbesondere auch viele Ältere halten dem Gasthaus die Treue. Sie rufen vorher an, erzählt die Wirtin, fragen, kann man kommen, und wie ist das mit dem Mundschutz. Die Regeln werden befolgt, beobachtet Elfriede Kühnle. „Im Großen und Ganzen halten sich alle daran“, die Gäste seien einsichtig. Aber: „Mir stößt sauer auf, dass von Woche zu Woche neue Bestimmungen kommen“, sagt Elfriede Kühnle. „Lieber einmal richtig, und dann konsequent.“

Die Stadt Welzheim bietet Gastwirten übrigens Unterstützung an. Die Außenkonzession für öffentliche Flächen zur Bewirtung kann gebührenfrei verlängert werden. Die Stadt folgt damit einer Empfehlung des Gemeindetags, berichtet Uwe Lehar, der persönliche Mitarbeiter des Bürgermeisters. Interessierte Gastwirte müssen bei der Stadtverwaltung entsprechend nachfragen. „Es waren auch schon zwei, drei vorstellig.“ Darüber hinaus hat die Limes-Stadt ein Förderprogramm für Gewerbetreibende aufgelegt, die unter der Krise leiden. Darunter fallen auch Gastronomen. Anträge können bis zum 15. Oktober gestellt werden, informiert Lehar.

Ein Cappuccino in der Herbstsonne: Da lässt sich das Freiluftflair im Biergarten noch einmal genießen. Draußen Abstand zu anderen Gästen zu halten ist leicht, und mancher fühlt sich vielleicht ob der geringeren Corona-Ansteckungsgefahr wohler. Doch was heißt es für Gastronomen, wenn Herbst und Winter ins Innere zwingen, zumal die Infektionszahlen wieder steigen?

Von den Nöten einer Branche, die das Virus ins Mark trifft, kann Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und

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