Welzheim

Theaterprojekt am Limes-Gymnasium Welzheim: Premiere wegen Corona verschoben

Schülertheaterprojekt
Die geplante Theateraufführung am Limes-Gymnasium wurde aufgrund der Corona-Regeln abgesagt. © Alexandra Palmizi

Der bildhafte „Blitz“ muss wie alle anderen Kulissenteile und Requisiten auf seinen Auftritt noch bis zu den Pfingstferien warten. Beim Theaterprojekt des Limes-Gymnasiums hat unmittelbar vor der Premiere die Corona-Realität eingeschlagen wie der Blitz: Die für vergangenes Wochenende geplante Theateraufführung musste verschoben werden. „Die Zuspitzung der pandemischen Lage und Verschärfung der Vorschriften haben uns zu dem Schritt bewogen“, erklärt Schulleiter Nikolaj Beer.

Lange Gesichter natürlich, als die Schüler es erfahren. „Schulleiter Nikolaj Beer kam persönlich in die Halle, um sein Bedauern auszudrücken, das war gut“, sagt Regisseur Peter Haury. Der Kunstlehrer leitet mit den 31 altersgemischten und theaterbegeisterten Schülern seit November die Proben für das Stück „Die wunderbare Rosevith“. Es spielt in der Römerzeit, behandelt Geschlechterkampf und legt „übernatürliche Kräfte“ frei. Ungewünscht hat vorerst eine ungebetene Kraft, die höhere Macht von Corona, kurz vor der Zielgeraden die Regie übernommen. Vergangenes Wochenende hätten die Schüler auf der Bühne stehen sollen, viele in Doppelrollen. Drei Schüler begleiten zusätzlich musikalisch oder bedienen das Mischpult. Doch die pandemische Lage hat dazwischengefunkt wie der Blitz, der zusammen mit weiteren Kulissenteilen - allesamt Marke Eigenbau - hinter der Bühne bereits Position bezogen hatte. Das Ensemble ist mitten im Kulissenaufbau, auf der Bühne in der Eugen-Hohly-Halle wuselt es, jeder ist mit irgendeinem Bühnenteil beschäftigt, Kulissenteile werden geschoben und die Schüler flachsen, haben Freude. Eine gelöste Stimmung liegt im Raum, wenn auch allen klar gewesen sei, dass es „ein Drahtseilakt“ werden würde, wie Peter Haury verdeutlicht. Er könne bei aller Enttäuschung die Entscheidung von Bürgermeister und Schulleitung nachvollziehen. Er glaube, dass auch den Schülern bewusst war, dass alles am seidenen Faden hängt: „Wir haben ja immer gewusst, dass es ein Risiko gibt und wir vielleicht nicht aufführen können“, sagt er. Wenngleich seine Bedenken noch bis Anfang vergangener Woche gering gewesen seien: „Wegen der corona-verordnungsgemäßen 2G-plus-Aufführung dachte ich, es klappt noch.“

Trotz der Absage und der Verschiebung lassen sich die Schüler nicht entmutigen

Das jährliche Theaterprojekt ist ein feines, wertvolles und zur Tradition gewordenes Zusatzangebot, das die Schule dieses Jahr nach dem Ausfall in 2021 wieder ermöglicht. Ein positiver Fingerzeig in den so kontaktarmen Zeiten, ein Gewinn für Begegnung, ein Ort für gemeinsame Aktivität und Zwischenmenschliches. Wie geht es den Schülern jetzt? Sie haben während der Weihnachtsferien fleißig Texte gelernt und unglaublich viel Freizeit und wahrlich „gallische“ Kraft und Energie in kreative, witzige Ideen fürs römische Bühnenbild investiert. Sie tragen es mit Fassung, ist der Eindruck von Peter Haury. Sie seien ja einigen Kummer gewöhnt seit zwei Jahren. „Ich war während der intensiven Tage sehr glücklich über die unverminderte Spielfreude und Ausdauer beim Entwickeln der Umbau-Abläufe, wo es auf die Konzentration aller ankommt.“

Ersatztermin für die Theateraufführung ist am 24. und 25. Juni

Das Ensemble sei mit dem Stück „toll zusammengewachsen“. Trotz drei krankheitsbedingten Ausfällen, die nichts mit Corona zu tun hätten, seien alle beim technischen Gesamtdurchlauf hochkonzentriert bei der Sache gewesen, es habe den Charakter einer Generalprobe gehabt, bei dem die selbst gebauten, gebastelten und bemalten Kulissenstücke durch die Szenen laufen und das Geschehen und die Dialoge bildhaft und ausdrucksvoll mitgestalten. Da ist dieser meterlange Umhang eines römischen Feldherrn, ein bewusst klobiges, sperriges und übertrieben protziges Pappkartonteil, unter dem die wechselnden Akteure zu Winzlingen werden - ein Augenzwinkern auf die prunkvollen Machthaber ist da unübersehbar. Sehr lustig der grellfarbig ins Bühnenbild zuckende „Blitz“, mit dem die jüngste Akteurin über die Bühne fegt. Bedrohlich die in unheildrohendem Schwarz und Anthrazit inszenierte Rauchwolke und die putzig-knuffigen weißen Schönwetterwölkchen, die an Stäben gehalten durch den Himmel wabern. Es wird ein Donnerwetter auf der Bühne geben, so viel wird verraten. Doch vorerst werden die Kulissen und Requisiten statt vor Publikum in das Theaterlager in der Schule geschoben. Die vorläufige Planung sehe so aus, dass die Theatertruppe die Halle eine Woche nach den Pfingstferien erneut nutzen kann. Statt wie jetzt sechs habe die Gemeinde vier Tage in Aussicht gestellt, um die Bühne einzurichten. „Auf die Tage werden wir uns wieder in der Schule vorbereiten an Wochenenden, in den Ferien oder in Mittagspausen“, so Haury. „Es wird jetzt spannend, wie wir das entwickelte Ergebnis lebendig halten und vielleicht noch ein bisschen weiterentwickeln können.“ Die Proben sollen nach kurzer Pause wieder anlaufen, damit nichts in Vergessenheit gerät. Die zusätzliche Zeit soll zudem für den Bau einiger ergänzender Kostüme und Requisiten genutzt werden, die ihnen während des Aufbaus noch eingefallen seien. Er habe versucht, mit dem Bild vom Entwickeln einer kraftvollen Zwiebel zu trösten: „Sie können als Frühblüher beim ersten Sonnenstrahl schnell zu voller Pracht erblühen.“ Im Vordergrund stehe nun erneut und weiterhin das Ziel, „nach Kräften eine möglichst schöne Aufführung hinzubekommen“. Bitter: Ein Schüler verreist in Kürze zu einem Auslandsaufenthalt und wird bis zum Schuljahresende nicht zurückkehren. „Er hat die Tage trotzdem mit uns in der Halle verbracht und die Zeit genutzt, sein Wissen an einen Mitschüler weiterzugeben, der spontan bereit war, seine Rolle zusätzlich zu übernehmen“, berichtet Haury über das außergewöhnliche Engagement in dieser schwierigen Zeit.

Er sieht sogar einen Vorteil der Verschiebung: Die Vorfreude lasse sich länger genießen. „Wir hatten nun kein Premierenloch. Das wäre die Niedergeschlagenheit, weil alles vorbei ist. Wir sind nicht waghalsig gewesen angesichts der pandemischen Lage, aber wir haben uns auch nicht einfach zurückgezogen.“ Darauf können die Schüler nicht nur ein bisschen stolz sein.

Warum die Schule kurz vor der Aufführung die Reißleine ziehen musste, schildert Schulleiter Nikolaj Beer: „Es wäre wenig konsequent, einerseits alle schulischen Präsenzveranstaltungen zu streichen oder online abzuhalten und andererseits ein Theaterstück in Präsenz aufzuführen, bei dem dann sehr unterschiedliche Gruppen durchmischt würden, auch wenn das die aktuelle Rechtslage noch zugelassen hätte.“ Grund für die Kurzfristigkeit der Entscheidung war die Zuspitzung der pandemischen Lage und die Verschärfung der Vorschriften. Alle Schulen in Baden-Württemberg seien dazu angehalten, sämtliche außerunterrichtlichen Aktivitäten wenn irgendwie möglich auf Online-Formate umzustellen oder zu verschieben. Dies gelte auch für die landesweit anstehenden Tage der offenen Tür. Die Entscheidung sei in Ruhe abgewogen worden, die Schule habe sich den Rat beim Regierungspräsidium und beim Schulträger eingeholt. Beide hätten zur Verschiebung der Aufführung geraten. Als Ersatztermin nennt die Schule den 24. und 25. Juni 2022. „Im Sommer ist die pandemische Lage dann hoffentlich auch wieder so entspannt, dass eine Bewirtung möglich sein wird, wir die Hallenkapazitäten voll ausnutzen können und das Theater in unbeschwerter Atmosphäre stattfinden kann“, so Nikolaj Beer.

Der bildhafte „Blitz“ muss wie alle anderen Kulissenteile und Requisiten auf seinen Auftritt noch bis zu den Pfingstferien warten. Beim Theaterprojekt des Limes-Gymnasiums hat unmittelbar vor der Premiere die Corona-Realität eingeschlagen wie der Blitz: Die für vergangenes Wochenende geplante Theateraufführung musste verschoben werden. „Die Zuspitzung der pandemischen Lage und Verschärfung der Vorschriften haben uns zu dem Schritt bewogen“, erklärt Schulleiter Nikolaj Beer.

Lange

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper