Welzheim

Tolles Konzept, aber zu wenig Gäste

1/3
7fa16104-3572-4880-9ccd-14f123a98fdd.jpg_0
Pressesprecherin Daniela Doberschütz und Dieter Einhäuser, Vorstand des Trägervereins Laufenmühle. © Habermann / ZVW
2/3
bdfea662-3bd6-4c51-abd6-1c4dabecd813.jpg_1
An diesem Tisch im Café und in der Rösterei in der Pfarrstraße werden von behinderten Menschen die Kaffeebohnen sortiert. © Habermann / ZVW
3/3
d89b75ba-b3b5-41b3-8528-159415063c6f.jpg_2
Kaffeebohnen frisch geröstet. © Habermann / ZVW

Welzheim. Das Ringen um Touristen-Info, Kaffeerösterei und Café in der Pfarrstraße in Welzheim geht weiter. Im Gespräch mit unserer Zeitung nennt Dieter Einhäuser, Vorsitzender der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühe, die Gründe, weshalb das Angebot am Wochenende nicht mehr möglich ist.

Video: Dieter Einhäuser nennt die Gründe, warum die Kaffeerösterei am Wochenende geschlossen hat.

Seit Februar 2014 ist die neue Rösterei mit Café und Touristeninformation im Zentrum der Stadt geöffnet. Dabei spielt das Thema Inklusion eine Hauptrolle. In der Pfarrstraße wird Begegnung auf Augenhöhe zwischen behinderten Menschen an ihrem Arbeitsplatz und Bürgern angestrebt. Die Obergeschosse des von der Stadt sanierten alten Volksschulgebäudes werden von behinderten Menschen in Wohn-Außengruppen bewohnt. Dazuhin werden behinderte Menschen im Cafébetrieb und in der Kaffeerösterei eingesetzt, wobei immer eine fachkundige Betreuung gewährleistet werden muss.

Dieter Einhäuser macht keinen Hehl daraus, dass er mit mehr Gästen im Café gerechnet hat. „Wenn der Bedarf so groß ist, weshalb kommen dann nicht mehr Besucher in unser Café?“ Nur an Spitzentagen rechne sich das Angebot, an anderen Tagen entstehe ein Defizit. „Und mit den Pflegesätzen darf ich keinen Cafébetrieb finanzieren, das gibt sonst Ärger.“ Freimütig gibt Einhäuser zu: „Wir haben die Kurve nicht gekriegt.“

Das Fachpersonal stehe die Woche über zur Verfügung, ein zusätzlicher Einsatz am Wochenende sei zu teuer. Deshalb gelten seit Anfang des Jahres neue Öffnungszeiten. Samstag und Sonntag bleibt geschlossen. Also kein Biokaffee am Wochenende und auch keine Tourismusberatung. Es ist kein Geheimnis, dass sich Besucher des benachbarten Museums über das Angebot in der Pfarrstraße am Wochenende freuten und es jetzt vermissen.

Historischer Verein: An besonderen Tagen öffnen

Der Historische Verein Welzheimer Wald, der auch das Museum in der Pfarrstraße betreibt, hat sich in dieser Woche in einer Vorstandssitzung mit dem Thema beschäftigt. Wenn ein durchgängiger Sonntagsbetrieb des Cafés wirtschaftlich nicht machbar sei, so sollte doch wenigstens an besonderen Tagen wie dem Holz- und Bauernmarkt, den Adventssonntagen und insbesondere, wenn der Dampfzug fährt und Sonderausstellungen im Museum sind, geöffnet sein. „Wenn der Zug fährt, dann ist Tourismustag.“

Geöffnet ist nun seit Anfang des Jahres von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17.30 Uhr (Winterpause ist vom 24. Dezember bis Ende Januar). Dass ausgerechnet in der Mittagspause geschlossen ist, hat wiederum mit den Betreuungszeiten zu tun. „Auch in der Mittagspause müssen die behinderten Menschen betreut werden.“

Dieter Einhäuser will aber prüfen, ob durch Verschieben der Mittagpausen einzelner Mitarbeiter eventuell das Café über Mittag durchgehend geöffnet werden kann. Versprechen kann der Vorstand dabei aber noch gar nichts. „Ich muss erst mal mit den Mitarbeitern reden.“

Was gut läuft, sei die Kaffeerösterei, hier gebe es beachtenswerte Zuwachsraten und etliche Großkunden von der Firma Weleda über die Firma Stihl bis zum Gourmet-Restaurant im Porsche-Museum. Derzeit würden etwa 15 Tonnen Kaffee im Jahr in der Pfarrstraße und in der Kaffeerösterei in der Laufenmühle umgesetzt. Doch hoher Umsatz heißt noch lang nicht hoher Gewinn. „Die Gewinnmarken bei Kaffee sind vergleichsweise niedrig, hinzu kommt die hohe Kaffeesteuer.“

Ein guter Mieter für das städtische Gebäude

Dieter Einhäuser wirbt bei den Welzheimer Bürgern nochmals für Verständnis für die Schließung des Cafés am Wochenende. Nur wenn die Stadt bereit sei, für die Touristen-Info einen deutlich höheren Beitrag zu zahlen, sei eine Öffnung der Tourismusinfo auch übers Wochenende wieder möglich. Bisher ist der Betrieb so geregelt, dass die Laufenmühle die Anlaufstelle für Besucher der Stadt mit betreut und dafür eine Entschädigung erhält.

Die angestrebte Win-win-Situation für Stadt und Laufenmühle sei weiterhin gegeben. Die Stadt habe für das sanierte Gebäude einen guten Mieter gefunden. Die angestrebte Inklusion werde weiterhin praktiziert. „Das darf man bei der ganzen Diskussion nicht aus den Augen verlieren.“

Bio-Kaffee aus den Händen von Behinderten

Die hochwertigen Bio-Arabica-Kaffees aus der Laufenmühle sind sozial von Anfang an. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft kooperiert mit kleinen Betrieben in Brasilien, Sumatra, Papua Neuguinea, Honduras und Äthiopien, die in sorgfältiger Handarbeit ihre Plantagen bewirtschaften.

In der Rösterei wird der Kaffee im schonenden Trommelröstverfahren veredelt. Durch die lange Röstzeit verliert der Kaffee seine Bitterstoffe, wird bekömmlich und aromatisch. Es wird nur auf Bestellung geröstet.

Rund 162 Liter Kaffee trinken die Bundesbürger jährlich im Schnitt pro Kopf, und damit deutlich mehr als jedes andere Getränk. Grund genug, dem Kaffee einen Ehrentag zu widmen. Am 1. Oktober, dem „Tag des Kaffees“ 2016, dreht sich alles um die aromatische Bohne.

Die Bio-Arabica-Kaffees, die in den beiden Welzheimer Röstereien in der Laufenmühle und Pfarrstraße veredelt werden, haben noch eine besondere Eigenschaft: In beiden Röstereien gibt es Arbeitsplätze für behinderte Menschen.

Die mehrfach ausgezeichneten Röstungen sind auch online erhältlich: Unter www.biokaffeemitsinn.de gibt es Nachschub.

Zum Tag des Kaffees erwartet Kaffeekäufer in der Laufenmühle eine besondere Überraschung: Zum Päckle Kaffee gibt es (solange der Vorrat reicht) einen Kaffeesack dazu – einsetzbar für die Kübelpflanzen im Winter, als Basis für raffiniert Selbstgenähtes, den Einsatz auf der Streuobstwiese oder einfach als dekoratives Element.