Welzheim

Traditionelle Bäckerei Hagner hat neuen Pächter

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Das Team der Bäckerei Hagner von links: Doris Grözinger, Claudia Furthmüller, Sonja Brecht, Irmgard Lang, Constanze Menzer, Susanna Weinert, Heiner Hagner, Lilo Bareiß, Monika Hagner, Bianka Hess. Nicht auf dem Bild: Petra Winkler. © privat
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Das Schild am Haus.
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Große Putzaktion in der Backstube zum Abschluss einer langen Tradition. © Rainer Stütz

Welzheim. Eine Bäckertradition, die bis 1683 zurückreicht, ist zu Ende gegangen. Die älteste Welzheimer Bäckerei, die ursprünglich Kohnlesbeck hieß, ist nicht mehr im selben Familienbetrieb. Bäckermeister Heiner Hagner hat aufgehört. Doch es wird wieder eine Bäckerei kommen. Die Bäckerei Widmann aus Gschwend hat den Laden gepachtet. Neueröffnung ist am Freitag, 1. Dezember.

Auf dem Schild des Historischen Vereins am früheren Haus Nr. 24 steht: „Kohnlesbeck, älteste Welzheimer Bäckerei, seit 1683 in Familienbesitz. Letztes Haus vor dem Nordtor und dem Torsee gelegen.“ Viel mehr weiß auch der Historische Verein nicht. In dem Buch von Ingrid Bubeck mit dem Titel „Welzheim - unvergessene Bilder und Geschichten“ ist auf Seite 41 eine alte Außenaufnahme des Gebäudes zu sehen. Im Text dazu heißt es: „Die Stadt Welzheim versteigerte im Herbst den Ertrag ihrer Obstbäume. Das meiste davon wurde zum Mosten verwendet. Auch bei Bäcker Epple befand sich eine Mosterei (Moste). Das Mosten war reine Handarbeit. Vor dem Pressen kam das gemahlene Obst in eine Standa, dazu dann viel Wasser. Für einen Eimer Most (300 Liter) braucht man mindestens drei bis vier Zentner Obst.“ Die Mosterei gibt es nicht mehr. Verarbeitet wurde aber weiterhin frisches Obst für die Obstkuchen.

Der Sohn hat leider eine Mehlallergie

Der Urgroßvater von Heinrich Hager hieß Epple. Angefangen hatte die Bäckerei vor 334 Jahren als Kohnlesbeck, später Schallenmüller, dann Epple und zum Schluss Hagner. Aber immer in Familientradition. Matthias Hagner (28), hätte diese Tradition gerne fortgeführt. Er hat eine Zeit lang mitgearbeitet. Doch in der Backstube bekam er keine Luft mehr: „Mehlallergie“.

Heinrich Hagner hatte im Jahr 1984 den Betrieb vom Vater übernommen. „Es war bald klar, dass ich später Bäcker werde, das sagten alle in meiner Familie. Schon mit zehn Jahren habe ich meinem Vater geholfen.“ Bereits 1971 war er bei seinem Vater in die Lehre gegangen. Gerne hätte Heinrich Hagner auch mal in einer anderen Bäckerei gearbeitet, doch das war nicht möglich. Der Vater brauchte die Arbeitskraft seines Sohnes, um die viele Arbeit zu bewältigen. Heinrich Hagner, der jetzt mit 61 Jahren in den Ruhestand ging, hatte seine Frau Beate nach schwerer Krankheit im Juni 2013 verloren.

Ehemaliger Gaildorfer Cafébesitzer Widmann übernimmt

Der Zeitpunkt des Abschieds wurde letztendlich durch ein Angebot aus Gschwend bestimmt. Andreas Widmann suchte eine Filiale für sein Geschäft, nachdem er den Cafébetrieb in Gaildorf aufgegeben hatte. Die Bäckerei in Gschwend war nicht mehr ausgelastet.

Heinrich Hagner liebte und liebt seinen Beruf. An die ungewöhnlichen Arbeitszeiten hat er sich im Lauf der vielen Berufsjahre gewöhnt. Unter der Woche um 2 Uhr nachts aufstehen, am Samstag gar um Mitternacht. „Ich habe meine innere Uhr entsprechend umgestellt.“ Heinrich Hagner ging gern in sein Geschäft, er ist voll des Lobes über seine Mitarbeiterinnen, die fast alle übernommen werden. „Es war wirklich ein schönes Miteinander.“

"Es war eine schöne Zeit."

Gerne erinnert er sich an die Hochzeitstorten, die er früher noch gemacht hat. Bekannt waren seine Obstkuchen vom Blech, die überwiegend aus frischem Obst gefertigt wurden. Beliebt waren die Schiffle, samstags im Angebot, und jeden Tag die „Hagner-Brötchen“. Gibt es ein Geheimrezept? Die Hagner-Brötchen werden so gebacken wie vor 100 Jahren. An dem Rezept hat sich seither nichts geändert. Es gibt keine Zusätze wie Emulgatoren. Weißmehl. Wasser, Milch, Salz und Malz und natürlich Hefe“.

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, es war eine schöne Zeit“, blickt Heiner Hagner auf sein Berufsleben mit etwas Wehmut zurück.