Welzheim

Trotz Messerattacke: Jens Brückner arbeitet weiter im Asylheim

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Jens Brückner, ehrenamtlicher Helfer im Asylbewerberheim, wurde im Rahmen eines Hobbyfußballspiels von einem 21-jährigen Albaner mit dem Messer angegriffen, blieb aber unverletzt. © Ramona Adolf

Welzheim. Trotz der Messerattacke vom Sonntagnachmittag will der 28-jährige Jens Brückner in seinem Engagement für die Flüchtlinge nicht nachlassen. „Nicht wegen eines schwarzen Schafs ist die ganze Schafherde voller Wölfe“, sagt der Welzheimer. Der Diplom-Theologe macht derzeit seinen Doktortitel in Tübingen.

Am Sonntagnachmittag rasen drei Polizeiwagen mit Blaulicht aus Richtung Schorndorf nach Welzheim. Ziel: der Bereich der Asylunterkunft im Gewerbegebiet und der schräg gegenüberliegende Bolzplatz in der Paul-Dannenmann-Straße. Ein 21-jähriger Albaner war auf den 28-jährigen Helfer mit dem Messer losgegangen. Jens Brückner konnte den Angriff teilweise abwehren, wurde nicht vom Messer, sondern „nur“ von einem Faustschlag getroffen. Gegen den 21-jährigen Albaner läuft nun ein Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Er wurde aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zur Vorgeschichte

Laut Jens Brückner ist der 21-jährige Albaner, der seit etwa elf Monaten zunächst in Kaisersbach, dann in Welzheim wohnt, auffällig. Er klaut immer wieder Fahrräder und wurde auch deshalb schon angezeigt. Der junge Mann, der mit Onkel und Tante nach Deutschland gekommen war, sammelt Küchenmesser. Ist auch schon einmal - laut Brückner - mit Messer am Besenstil vorneweg durchs Wohnheim gerannt.

Am Sonntag nun gingen einige Asylbewerber mit Jens Brückner und einem Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes auf den nur rund 100 Meter entfernt liegenden Bolzplatz. „Ich unterstütze es, dass die Asylbewerber Fußball spielen und nach draußen gehen, weil sie im Winter viel in ihren Zimmern waren.“ Auch der 21-jährige Albaner gesellte sich dazu und wollte mitspielen. Die anderen Asylbewerber waren dagegen, weil er sie immer wieder belästigt und bedroht hatte. Daraufhin begann der Albaner, Tore umzuwerfen, es entwickelte sich eine kleine Schlägerei. Als Jens Brückner und der Sicherheitsdienst eingriffen, rannte der junge Mann Richtung Asylunterkunft los. Brückner vermutete, dass der Albaner etwas im Schilde führte und etwas anstellen wollte. Deshalb gingen er und der Sicherheitsmann hinterher. Zum Eigenschutz hat sich Brückner dann einen Ast am Wegesrand geschnappt. Inzwischen war der Albaner, der in seinem Zimmer nicht aufzufinden war, wieder in Richtung Bolzplatz unterwegs. So kam es an einer Rasenböschung zur Begegnung. Der 21-Jährige sah den Ast und fragte Jens Brückner auf Englisch: „Was hast du hier?“ Der Täter rannte daraufhin mit dem Messer auf den 28-jährigen Welzheimer los. Brückner wich zurück, allerdings traf ihn noch ein Faustschlag im Gesicht. Er war benommen und „leicht geschockt“ über den heftigen Angriff. „Ich dachte immer, ich werde als deutscher Staatsbürger respektiert.“

Der Sicherheitsmann hat daraufhin die Polizei gerufen. Beim Wohnheim wurde dann die Anzeige aufgenommen. Die Polizisten hatten inzwischen den Täter in Handschellen ins Polizeiauto gepackt, weil er die Zeugenvernehmung heftig stören wollte.

Der Hintergrund

Jens Brückner sagt, dass der 21-jährige Albaner praktisch keine Chance hat, dass sein Asylantrag gebilligt wird. Im Gegensatz zu seinen Mitbewohnern aus dem Irak und aus Syrien. Das fördert Neid und Aggressionen auch untereinander. Jens Brückner meint, dass so der junge Mann seinen Frust abbauen will, weil er ja ohnehin irgendwann abgeschoben wird.

Die Auswirkungen

Die Geschichte hat Wellen geschlagen. Und auch Jens Brückner musste seinen Einsatz für die Flüchtlinge überdenken. Zunächst bedankt er sich für den schnellen Einsatz der Polizei. „Es ist leider bedauerlich, dass der seit elf Monaten in Deutschland lebende albanische, nicht algerische, Täter auf Gesetzeslage vorläufig frei kam“, meint Brückner. Er findet es auch beachtlich, dass genauso schnell Fotografen die Flüchtlingsunterkunft ins Visier nehmen, die Diskussionen sich in rechtspopulistischen Facebook-Gruppen überschlagen und dort „pervers“ alle Flüchtlinge als „Invasoren“ beschimpft werden. Dabei sei doch immer klar gewesen, dass es sich um einen Prozess des Worfelns handelt, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Die arabischen Fußballer meldeten sich, so Brückner weiter, etwa in großer Zahl bei der Polizei als Zeugen und versuchten, den Rechtsstaat und ihn zu unterstützen. „Denn seit der Täter dort wohnt, hat er die Heimbewohner, die vor Krieg, Folter und Terrorismus geflohen sind, tagtäglich terrorisiert.“ Die Messerattacke habe auch nicht primär ihm, sondern den Fußballspielenden gegolten. „Sie traf mich nur, weil ich mich vor meine Schützlinge stellte.“

Es sei seine freie Entscheidung gewesen und er habe das Risiko gekannt. Auch die Menschen des Heims müssten lernen, in Freiheit verantwortlich zu handeln. Natürlich werde sein Einsatz denen recht zu geben scheinen, die ihn vorschnell für naiv oder einen Gutmenschen halten: „Soll er doch jetzt sagen, was er davon hält!“ Diese Leute sollten jedoch wissen, dass Jens Brückner stolz darauf ist, die Partei der Liebe und der Gemeinschaft zu ergreifen, gegen jede Form von Hass, Rache, Gewalt, Terror und Hetze zum Schutz der hilfesuchenden Menschen.

Letzter Stand

Ein Großeinsatz der Polizei am Asylbewerberheim und am Kirchplatz am Dienstagabend wurde wieder von jenem Albaner ausgelöst. Er wurde aber inzwischen aus Welzheim entfernt und wird hier wohl nicht mehr auftauchen.

Zur Person

Der 28-jährige Jens Brückner stammt aus Welzheim und studiert in Tübingen Theologie. Er steht kurz davor, seine Doktorarbeit abzugeben.

An Wochenenden und in den Semesterferien kann er sein ehrenamtliches Engagement im Asylbewerberheim in der Paul-Dannenmann-Straße einbringen.

Brückner ist Limes-Cicerone und Mitglied des Musikvereins Stadtkapelle Welzheim.