Welzheim

Trotz Mobilfunkmast immer noch kein Handyempfang in Welzheim-Breitenfürst

Handymast
Der Mobilfunkmast in Breitenfürst. © Köngeter

Wenn auf dem Golfplatz jemand umkippt, kann nicht mit jedem Handy der Rettungsdienst alarmiert werden. „Als Telekom-Nutzer hat man auf dem gesamten Golfplatz keinen Empfang“, sagt Albrecht Sorg, Präsident des Golfclubs Haghof. Er ist verärgert, dass sich bis jetzt nichts tut. Obwohl im März 2021 ein Funkmast in Breitenfürst aufgestellt wurde, ist offen, wann alle Handys rings herum Empfang haben. Die Telekom kündigt an, bis Jahresende so weit zu sein.

Zwei Notfälle habe es schon gegeben. In beiden Situationen kam der Notarzt rechtzeitig und brachte den Patienten in die Klinik. Die Betroffenen seien ins Clubheim gebracht worden, dort konnte über Festnetz die Notfallnummer angerufen werden. Darunter ein anaphylaktischer Schock, ausgelöst durch einen Bienen- oder Wespenstich 2020. Der hätte auch ins Auge gehen können.

"Die Telekom tut nichts"

„Der Patient wäre verstorben, wenn der Notarzt nur fünf Minuten später gekommen wäre“, sagt Albrecht Sorg. Ein Jahr davor sei bei einem Mitglied der Kreislauf kollabiert. Dies könne im Sommer immer wieder vorkommen, beim Spielen im Freien, ohne Schatten. Leider zeige sich „Schatten“ hier nur in Bezug auf den Handyempfang: Mit Mobiltelefon stehe man schon seit Jahren rund um Breitenfürst und in östliche Richtung bis kurz vor Pfahlbronn in einem Funkschatten. Und das, obwohl in unmittelbarer Nähe ein nagelneuer Mast steht, der laut Sorg nach dreijähriger Planungs- und Genehmigungsphase im März 2021 aufgestellt wurde. Bis heute fehlen die Antennen für die meisten Anbieter.

„Die Situation hat sich nicht verbessert. Die Telekom tut nichts“, beklagt sich Albrecht Sorg. „Sie hat seit über einem halben Jahr die technische Möglichkeit, die Situation für ihre Kunden und die Bevölkerung zu verbessern und zu normalisieren. Sie war bisher aber vollkommen untätig, Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.“ Da nutzt das tollste Handy mit Apps für alle Lebenslagen nichts, wenn in der digitalen Infrastruktur Funklöcher klaffen. Und dies, wie Wikipedia informiert, fast 40 Jahre, nachdem mit dem Motorola Dynatac 8000X – aus heutiger Sicht ein Steinzeitmodell – das erste Handy auf den Markt kam.

Besonders schräg aus Sorgs Sicht: „Man steht mit Handy direkt neben dem Funkmast, aber dennoch in der sprichwörtlichen Wüste.“ Wobei sich in mancher realen Wüste sogar besser telefonieren lasse als hier oben, wie der weit gereiste Golf-Präsident selbst erfahren hat. Berufliche Zahnarzteinsätze haben ihn zwischen 2012 und 2017 regelmäßig nach Nepal und Ghana geführt. „Dort gab’s solche Funklöcher nicht. Wir sind ein Entwicklungsland“, sagt er schmunzelnd.

Firmen und private Nutzer haben als Telekom-Kunde kein Handynetz

Betroffen sind auch Firmen im Industriegebiet Reizenwiesen. Die Firma Kuhn IT berichtet von regelmäßigen Ausfällen. „Erst kürzlich konnten wir einen Ausfall nicht auffangen mangels Back-up-Leitung“, so Geschäftsführer Thilo Kuhn. Seine Firma habe bereits Konsequenzen gezogen: „Unsere Server stehen bereits alle im Dativrechenzentrum in Nürnberg, dort haben wir keinen Ärger und eine dicke Anbindung.“ Auch ihn wurmt es, in einem Funkloch zu arbeiten, auch seine Mitarbeiter können mit keinem Handy telefonieren. „Und den Mast wollten wir auch als LTE-Back-up für unsere Anbindung nutzen. Das geht bis heute nicht.“

Kopfschütteln auch bei Philip Köngeter. Der Welzheimer Stadt- und Kreisrat war im Februar beim Aufbau des Mastes in Breitenfürst vor Ort. Mittlerweile sei der Funkmast zumindest oberirdisch fertiggestellt und es scheinen alle nötigen Antennen der Telekom aufgebaut zu sein, berichtet er. Doch bis heute sei nichts vorangegangen. „Seit März habe ich regelmäßig mit einem Testhandy und einer SIM-Karte der Telekom die Netzqualität in Breitenfürst und Welzheim geprüft. Der Mast ist nicht aktiv.“ In Breitenfürst und auf dem Weg Richtung Schorndorf liefert seiner Erfahrung nach kein Anbieter ein gutes Ergebnis ab. Alles unterhalb einer LTE-Verbindung gekoppelt mit Empfangsabbrüchen könne als Funkloch bezeichnet werden.

„Von nicht vorhanden bis gerade noch so Empfang ist dort alles dabei“, so Köngeter. Nach mehrmaligen Anfragen zwischen März und Ende August bei der Telekom und der Deutschen Funkturm habe er am 9. August Antwort von der Deutschen Funkturm erhalten. Demnach seien die Arbeiten noch nicht final abgeschlossen, aktuell werde an der Glasfaseranbindung gearbeitet.

„Gerüchten“ zufolge scheine die Telekom ihr Glasfaserkabel vor Ort nicht zu finden

Weiter heiße es in der Antwort: „Ein wenig Zeit brauchen wir noch, aber planen, den Standort bis zum Jahresende in Betrieb zu nehmen.“ Köngeter sieht sich in seiner Vermutung bestätigt, dass die Glasfaseranbindung an den Mast immer noch fehlt. „Gerüchten“ zufolge scheine die Telekom ihr Glasfaserkabel vor Ort nicht zu finden.

„Ich kann nur hoffen, dass es die Telekom bald anschließt. Ansonsten hat ein Mitbewerber ein Glasfaserkabel vor Ort, das mag man wohl im Hause des rosa Riesen nicht verwenden wollen.“

Der Funkmast der Deutschen Funkturm habe Platz, auch andere Anbieter könnten ihn mieten. „Ich hoffe sehr, dass sie es machen und damit alle drei Anbieter die Versorgung auf die Anforderungen der heutigen Zeit anheben.“

Was ihn wurmt: „Bürger warten darauf, die Stadtverwaltung und der Kreis haben zügig gearbeitet zur Genehmigung eines Mastes und für ihn einen guten Platz zu finden und nun scheitert es an dem Glasfaserkabel.“ Er kündigt an, die Deutsche Funkturm beim Wort zu nehmen. „Bis Ende des Jahres sollte das erledigt sein.“ Albrecht Sorg bleibt skeptisch, aber geduldig. Er sagt, seine private gesamte Anlage mit Telefon, Internet und Fax laufe über die Telekom. Bis heute habe er den Anbieter nicht gewechselt. Aus Kostengründen.

„Den guten Preis kriege ich woanders nicht mehr.“ Aufregen bringe eh nichts. Er habe schon vor Jahren mit einem Anbieter-Wechsel gedroht, auch daraufhin habe sich nichts geregt. „Ich bin ein geduldiger Mensch, ich warte halt.“

Wenn auf dem Golfplatz jemand umkippt, kann nicht mit jedem Handy der Rettungsdienst alarmiert werden. „Als Telekom-Nutzer hat man auf dem gesamten Golfplatz keinen Empfang“, sagt Albrecht Sorg, Präsident des Golfclubs Haghof. Er ist verärgert, dass sich bis jetzt nichts tut. Obwohl im März 2021 ein Funkmast in Breitenfürst aufgestellt wurde, ist offen, wann alle Handys rings herum Empfang haben. Die Telekom kündigt an, bis Jahresende so weit zu sein.

Zwei Notfälle habe es schon

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