Welzheim

Undichtes Dach muss komplett saniert werden

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Die Eugen-Hohly-Halle. © ZVW/Rainer Stütz

Welzheim. Wenn es im Haus tropft, wird der Eigentümer nervös. In diesem Fall ist die Stadt Welzheim der Eigentümer und in diesem Fall geht es um die Eugen-Hohly-Halle. Im Flachdachbereich dringt Wasser durch mit der Folge von nassen Umkleideräumen. Das kann so natürlich nicht bleiben.

Kommen Flachdächer in die Jahre, machen sie immer wieder Probleme. Nach 20 bis 30 Jahren werden sie oftmals undicht, dann steht eine teure Sanierung an. Die Grundsanierung der Eugen-Hohly-Halle liegt schon rund 20 Jahre zurück. Im September dieses Jahres war im Bereich der Umkleideräume seitlich und hinter der Bühne festgestellt worden, dass das Wasser über das Dach in die Räume fließt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und Fachleute rückten an und öffneten den Flachdachbereich. Der Anblick war für den Halleneigentümer alles andere als eine große Freude. „Die gesamte Flachdachdämmung steht unter Wasser“, berichtete der Sachgebietsleiter Hochbau des Bauamtes, Jan Wölfl, dem Bau- und Verwaltungsausschuss von der dramtischen Lage. „Um weiteren Schaden vom Gebäude abzuwenden, wird unverzüglich eine komplette Sanierung des Daches durchgeführt.“ Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 25 000 Euro.

Bauarbeiten für Fluchttreppe sind derzeit im Gange

Weil die Dachsanierung nicht im Haushalt eingeplant ist und auch nicht eingeplant werden konnte, greift die Stadtverwaltung auf Mittel zurück, die für den Anbau der Fluchttreppe vorgesehen sind. Die Arbeiten sind derzeit im Gange. Insgesamt stehen aus den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 180 000 Euro zur Verfügung. Weil die Treppe voraussichtlich „nur“ 115 000 Euro kostet, kann in diesen Ausgabenposten die Dachsanierung mit reingepackt werden. Die Fluchttreppe ist nötig, weil aufgrund der neuen Brandschutzvorschriften sonst die Empore nicht mehr genutzt werden kann.

Halle wurde vor knapp 100 Jahren erbaut

Der Erhalt der historischen Eugen-Hohly-Halle lag und liegt der Stadt schon immer am Herzen. Ursprünglich bekam die Kommune das Gebäude geschenkt. Die in den 20er Jahren errichtete frühere Stadthalle steht seit einer Generalsanierung im Jahr 1998 als Eugen-Hohly-Halle neben dem Schul- und Vereinssport am Wochenende auch für sonstige gesellschaftliche Veranstaltungen zur Verfügung. Sie ist benannt nach Eugen Hohly, einem Welzheimer Auswanderer, der in den USA sein Glück gemacht hatte und seiner Heimatstadt in den 20er Jahren 500 000 Reichsmark spendete.

In der Mehrzweckhalle sind keine Rockkonzerte oder Discos und auch keine politischen Veranstaltungen zugelassen. Die Bewirtung der Eugen-Hohly-Halle erfolgt durch den Nutzer selbst.

Wer ist Eugen Hohly?

Der frühere Bürgermeister Hermann Holzner bezeichnet sie gerne als „die gute Stube der Stadt Welzheim“. Die Eugen-Hohly-Halle hat mittlerweile 97 Jahre auf dem Buckel und ist seit der gelungenen Generalsanierung zum Kulturzentrum geworden. Außerdem wird die Halle von Vereinen und für den Schulsport genutzt.

„Ein Welzheimer Bürgersohn, Herr E. M. E. Hohly in London, hat der Stadt Welzheim für Schul-, Kirchen und Armenzwecke 500 000 Mark überwiesen. Damit können wichtige Aufgaben der Stadtverwaltung nunmehr erfüllt werden, wie die Erbauung einer Turn- und Festhalle, Einrichtung einer Schulküche, eines Schülerbades, einer Frauenarbeitsschule und Beschaffung von Lehrmitteln für Volks- und Realschule“, hieß es dazu seinerzeit in einer Notiz im Stuttgarter Tagblatt. Eugens Vater, Heinrich Hohly, ein Alt-Welzheimer Original, wurde am 14. Mai 1838 in Gellmersbach bei Heilbronn geboren. Er lernte Konditor und kam wahrscheinlich auf der Wanderschaft nach Welzheim. Hier lernte er Maria Luise Theres Bilfinger, geboren am 6. November 1843, eine Tochter einer alteingesessenen Familie aus Kaufleuten und Apothekern, kennen. Heirat war am 3. Mai 1864. Das Paar betrieb eine Konditorei im Haus Nr. 1 am Kirchplatz, dem früheren Gasthaus Adler. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, der zweitjüngste Sohn hieß Eugen.

Die nach ihm benannte Eugen-Hohly-Halle wurde am 23. Dezember 1922 in Verbindung mit einer Weihnachtsfeier der Volksschule ihrer Bestimmung übergeben. Als erster Verein nutzte am zweiten Weihnachtsfeiertag die Stadtkapelle die Stadthalle zu einem Streichkonzert. Nicht alle vorgesehenen Aufgaben der Stiftung konnten umgesetzt werden, weil die Inflation 1923 zur raschen Geldentwertung führte.

Zur Einweihung der neuen Halle stand im Boten vom Welzheimer Wald am 24. Dezember 1922: „Echte Weihnachtsfreude strahlte uns schon beim Eintritt in den Saal aus den Augen der großen Schar der Kinder entgegen in dem Bewusstsein, dass dieser Abend der Jugend die Gelegenheit bietet, die Erwachsenen, Eltern und Familienangehörigen mit ihren Gaben zu erfreuen.“