Welzheim

Viadukt Laufenmühle wird saniert

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Bis in das kleinste Detail wurde im Februar dieses Jahres das Laufenmühleviadukt untersucht und mit Bauradar durchleuchtet. © Habermann / ZVW

Welzheim. Auch wenn diese Woche im Kreistagsausschuss die Zuschusszusage ins Wanken geraten ist: Der Welzheimer Gemeinderat hat am Dienstagabend bei nur einer Enthaltung die Sanierung des Bahnviadukts Laufenmühle im nächsten Jahr beschlossen. Die Finanzierung des städtischen Anteils ist im Haushalt gesichert. Auch liegen zahlreiche Zuschusszusagen vor.

Archiv-Video: Das Laufenmühle-Viadukt unter der Lupe.

Das Karlsruher Institut für Technologie setzt bei der Sanierung ein Modellprojekt um. Die Forscher haben eine kostengünstige Sanierung der denkmalgeschützten Waldbahn entwickelt, die beispielhaft in Deutschland ist. Das rund 100 Jahre alte Viadukt wird nach intensiver Durchleuchtung mit Betoninjektionsspritzen punktgenau saniert. Professor Dr. Andreas Gerdes vom Karlsruher Institut erläuterte dem Gremium das Verfahren überzeugend. Durch die neue Methode werden Kosten gespart und das äußere Erscheinungsbild bleibt erhalten.

Eine Meisterleistung der Bauingenieure

Der Bau des Laufenmühleviadukts vor 100 Jahren war eine technische Meisterleistung der Bauingenieure. Laut dem Fachmann war und ist die Brücke die ganze Zeit über standfest und könnte auch noch einen schwereren Zug als die Waldbahn tragen. „Die Berechnungen funktionieren nicht, wenn man bei alten Brücken mit neuen Methoden rangeht.“ Das Viadukt ist ein herausragendes Beispiel für die damalige Baukunst. Erstmals wurde in Süddeutschland bei einer Bogenbrücke die Beton-stahlbauweise angewandt. Die Radarmessungen in der Tiefe ergaben, dass nur Teile der Brücke ein poriges Gefüge haben. Nach der Sanierung seien in den nächsten Jahrzehnten bei dem Viadukt keine größeren Probleme mehr zu erwarten. Das Modellprojekt für die Sanierung werde unter ständiger Qualitätskontrolle durchgeführt.

Niko Kappel: Rudersberg und Schorndorf sollen mitfinanzieren

Die Aussagen des Fachmanns waren für SPD-Stadtrat Walter Linde eine Beruhigungspille. Er hat nach eineinhalb Jahren der Vorbereitung nun den Eindruck, dass die Sanierung der Bahnbrücke auf einem guten Weg ist. Gerhard Vogel (SPD) hegt jetzt sogar die Hoffnung, dass nach den Bahnfans und Tourismusgästen nun auch bald Baufachleute anreisen. CDU-Stadtrat Niko Kappel sprach von einem „großen Lichtblick“. Die Waldbahn sei eine tolle Geschichte, der nun vorgelegte Kostenanteil der Stadt für die Sanierung des Viadukts vertretbar. „Das Geld ist gut angelegt.“ Allerdings wünscht sich der CDU-Stadtrat, dass die Nachbarkommunen Rudersberg und Schorndorf bei der Finanzierung mit ins Boot beziehungsweise in den Zug geholt werden.

Claudia Kuhn: Genaue Kostenüberwachung ist wichtig

Der Fraktionsvorsitzenden des Welzheimer Bürgerforums, Claudia Kuhn, ist der städtische Anteil von mehr als einer Million Euro eigentlich zu hoch. „Das müssen wir uns genau überlegen.“ Der Fachvortrag sei sehr interessant gewesen und mache Mut, neue Wege zu gehen. Die Fraktion habe sehr mit ihrer Entscheidung gerungen, letztendlich habe sich aber die Mehrheit für die Sanierung ausgesprochen. Wichtig ist Claudia Kuhn eine genaue Kostenüberwachung.

Ähnlich wie ihr Vorredner will Claudia Kuhn die Nachbarkommunen in das Sanierungsprojekt einbeziehen: „Es geht nicht, dass andere Kommunen sich raushalten. Schorndorf und Rudersberg werben groß mit der Waldbahn, dann sollen sie sich auch an den Kosten für die Sanierung beteiligen.“

Sanierung mit und ohne Bahn notwendig

Dass eine Sanierung des Viadukts mit und ohne Bahn notwendig ist, machte Professor Dr. Andreas Gerdes am Ende der Debatte auf eine entsprechende Frage der Stadträtin Angelika Böttcher (Bürgerforum) deutlich. „Wenn Sie die Brücke nicht sanieren und einfach stehen lassen, kann es sein, dass in fünf oder zehn Jahren irgendwelche Brocken runterfallen.“ Denn der Zerfall einer Brücke, habe er erst einmal begonnen, steigere sich mit den Jahren dramatisch.


Dank der Zuschüsse Dritter und dank neuer Sanierungsmethoden kann die Stadt Welzheim die Sanierung des Viadukts Laufenmühle packen. Das vorgesehene Sanierungsverfahren hat in der Fachwelt Aufmerksamkeit erregt.

Die Sanierungskosten waren ursprünglich auf 3,5 Millionen Euro, später 2,9 Millionen Euro explodiert. Ein Fahrverbot für die Waldbahn stand für 2016 im Raum. Das mit der statischen Berechnung beauftragte Ingenieurbüro Rothenhöfer, Karlsruhe, hat in Zusammenarbeit mit dem Materialspezialisten Prof. Dr. Andreas Gerdes vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Statik neu berechnet. Dabei wurde der Nachweis erbracht, dass die Brücke standfest ist. Das neue Sanierungskonzept sieht nun die gezielte Injektion von feinem Zement in den kritischen Bereichen der Bögen vor. So kann eine unmittelbare Homogenisierung im Gefüge erreicht werden. Anfang Oktober wurde dies an Probeflächen am Bauwerk praktisch erprobt.

Kostengünstiger und das Erscheinungsbild bleibt unverändert

Diese Sanierungsmethode erweist sich einerseits als kostengünstiger, andererseits bleibt das Denkmal in seinem äußeren Erscheinungsbild weitgehend unverändert und wird lediglich mit einem Oberflächenschutzsystem versehen. Das Verfahren hat zwischenzeitlich auch in der Fachwelt Aufmerksamkeit erregt.

Im Gegensatz zum Strümpfelbachviadukt legt das Denkmalamt großen Wert darauf, dass nur die verpressten und gestemmtem Bogenuntersichten mit Spritzmörtel versehen werden, während die Seitenansichten im Original bestehen bleiben sollen und lediglich eine transparente Oberflächenschutzschicht erhalten.

2,2 Millionen statt 2,9 Millionen Euro

Die Kostenberechnung der vorgesehenen Sanierungsmethodik ergab mit 2,2 Millionen Euro eine deutliche Reduzierung gegenüber den letzten Berechnungen von 2,9 Millionen Euro.

Die Bemühungen um Förderungen und Zuschüsse haben folgenden Stand erreicht: Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes (bewilligt) 462 000 Euro; Denkmalförderung Bund (beschlossen) 200 000 Euro; geplanter Zuschuss Rems-Murr-Kreis (beschlossen mit Vorbehalt) 300 000 Euro; Denkmalförderung des Landes (zugesagt) 200 000 Euro. Außerdem kann die Stadt laut Bürgermeister Bernlöhr auf weitere 100 000 Euro Fördermittel im nächsten Jahr vom Bund hoffen. Aber der Zuschuss ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Bei der Stadt verbleiben auch weiterhin alle Kostenrisiken

Mit bisher 1 162 000 Euro wäre eine Förderquote von etwa 50 Prozent erreicht, was im Wesentlichen auch den bislang bei der Schwäbischen Waldbahn zugrundeliegenden Drittmitteln für die Investitionsmaßnahme entspricht. Der städtische Anteil beliefe sich damit auf rund 1,038 Millionen Euro. Die Mittel sind in den Vorjahren bereits im städtischen Haushalt finanziert und entsprechende Haushaltsreste gebildet und übertragen worden. Bei der Stadt Welzheim verbleiben auch weiterhin alle Kostenrisiken im Rahmen von Ausschreibung und Umsetzung der Maßnahme.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Schwäbische Waldbahn eine touristische Attraktion mit Alleinstellung und hoher Imagewirkung über den Welzheimer Wald hinaus. Durch die Unsicherheit über den Fahrbetrieb gingen die Fahrgastzahlen auf knapp 20 000 (Vorjahr 23 000) zurück. Von 2010 bis 2016 wurden insgesamt 200 000 Fahrgäste befördert. Die Schwäbische Waldbahn ist nach Ansicht der Stadtverwaltung nach wie vor ein „touristisch nachhaltig wirksames und erfolgreiches Projekt“. Der Einsatz von außerplanmäßigen Mitteln sei deshalb gerechtfertigt.

Der Beschluss

Der Gemeinderat nimmt Kenntnis von der geplanten technischen Umsetzung der Sanierung, der Kostenberechnung mit 2,2 Millionen Euro sowie der voraussichtlichen Bezuschussung durch Dritte in Höhe von mindestens 1,162 Millionen Euro.

Die Stadt Welzheim übernimmt den verbleibenden Restbetrag von höchstens 1,038 Millionen Euro. Die Mittel sind in den Vorjahren bereits finanziert und werden als Haushaltsrest in das Jahr 2017 übertragen.

Sobald die rechtsverbindlichen Finanzierungszusagen in der erwarteten Höhe vorliegen, wird die Schwäbische-Waldbahn-GmbH als Infrastrukturbetreiber beauftragt, die Maßnahme auszuschreiben und Anfang 2017 umzusetzen.