Welzheim

Warum das Weltkulturerbe in Welzheim gerade im Corona-Jahr lockt

Limes-Cicerone
Limes-Cicerone Hartmut Frey bringt Interessierten das Weltkulturerbe Limes nahe. © Benjamin Büttner

Kaum hat Hartmut Frey das Gewand eines Optios der römischen Armee angelegt, da wird er schon am Ostkastell von Schülern zum Selfie gebeten. Ein Optio kann etwa mit einem Unteroffizier verglichen werden. Und Hartmut Frey kann genau erklären, was ein solcher, etwa zu Beginn der Zeit der Römer in Welzheim, trug. Federn und Helmbusch haben etwa den Dienstgrad angezeigt. „Das waren die Schulterklappen der Antike.“ Bemerkenswert sind zum Beispiel auch der Schild mit Schildbuckel oder das Kettenhemd. Das wiegt zehn bis zwölf Kilo. „Auf der CMT habe ich das sechs Stunden an“, sagt Frey vergnügt. Das nimmt er in Kauf. Er ist ein Limes-Cicerone, ein Gästeführer am Weltkulturerbe, der Interessierten gern dessen Besonderheit vermittelt.

In Welzheim kann man das Weltkulturerbe hautnah vermitteln

Dafür muss er sich in der Materie auskennen. Es gibt eine fachliche Ausbildung mit Abschlussprüfung, und bei Frey kommt ein starkes Interesse für Geschichte hinzu. In Welzheim kann man das Weltkulturerbe ja hautnah vermitteln. Und in diesem Jahr waren die Besucher daran sehr interessiert, stellt der 57-Jährige fest. Waren die Museen zum Teil coronabedingt geschlossen, so bot der Archäologische Park am Ostkastell ein Ausflugsziel im Freien, das offen war.

Als noch keine Führungen möglich waren, ist Hartmut Frey in zivil im Kastell vorbeigegangen

Auch für die Limes-Cicerones brachte die Corona-Pandemie Einschränkungen. Als noch keine Führungen möglich waren, fiel es Hartmut Frey schwer, daheim zu bleiben. Dann ist er in Zivil im Kastell vorbeigegangen und hat gesehen: „Die Leute interessieren sich fürs Weltkulturerbe“.

Zu den Führungen wurden Masken getragen, es wurde Abstand gehalten

Die Limes-Cicerones haben im Juni vereinze lte gebuchte Führungen übernommen und es langsam anlaufen lassen. Es waren auch Testläufe, meint Frey, man konnte das Hygienekonzept ausprobieren und schauen, „machen die Leute mit?“ Zu den Führungen wurden Masken getragen, es wurde Abstand gehalten. Auch wurde darauf geachtet, dass die Cicerones geimpft sind. Offiziell begannen die Führungen dann im Juli, zeitgleich zur Eröffnung des Museums. Sonntags gibt's stets verlässlich eine Führung im Ostkastell und auch mal welche außer der Reihe. Sie orientieren sich an der Waldbahn. Dazu kommen gebuchte Führungen.

Das Interesse an der Heimat und der Umgebung hat zugenommen

Und die Leute kamen. Einige ausländische Gruppen zog es nach Welzheim. Hin und wieder kommen auch Chinesen und Japaner, bedingt durch die Wirtschaft im Remstal, weiß Hartmut Frey. Aus dem ganzen Bundesgebiet, aber auch aus der Region schauten Interessierte am Ostkastell vorbei. Das Interesse an der Heimat und der Umgebung hat zugenommen, beobachtet Frey.

Familien mit Decken und Kindern im Archäologischen Park

Auch Familien, die keinen Garten haben, suchten sich im Archäologischen Park ein Plätzchen, breiteten eine Decke aus und spielten mit den Kindern ein bisschen Ball. So vermittelte das Denkmal Geschichte und war ein Treffpunkt für die Leute, freut sich der Limes-Cicerone.

War es auch mitunter bei Hitze nicht einfach mit der Maske, so versuchten die Cicerones doch, auch das Wetter zu meistern. Sie stellten vier Bierzeltgarnituren im Schatten auf, wo sich Ältere oder Familien jeweils auf einer Bank und mit Abstand dazwischen niederlassen konnten.

Zehn Limes-Cicerones in Welzheim und Umgebung

Zu den Gästezahlen meint Frey mit Blick auf die Saison, dass man im Durchschnitt etwa auf das Vorjahresniveau komme, trotz der ausgefallenen Zeiten durch Corona.

Hartmut Frey kümmert sich aber nicht nur um Besucher im Ostkastell. Er ist mit Marcus Schaaf von den Numerus Brittonum für das Gelände zuständig, gemeinsam koordinieren sie die Kastell-Dienste. In Welzheim und Umgebung gibt es zehn Limes Cicerones. Das Grundwissen haben alle, dazu kommen eigene Schwerpunkte. So haben die Cicerones bereits Besucher von der Dekra überrascht mit dem, was die Römer technisch konnten, Banker über das römische Finanzwesen informiert oder jungen Pfarrern die römische Religion erklärt. So wird am Denkmal Historie lebendig. „Wir wollen ein bisschen sensibilisieren. Es ist nicht nur ein Haufen Steine, der da liegt. Das hat Geschichte“, sagt Frey. „Die Römer sind seit 260 nach Christus nicht mehr hier. Aber sie wirken allgegenwärtig.“

Kaum hat Hartmut Frey das Gewand eines Optios der römischen Armee angelegt, da wird er schon am Ostkastell von Schülern zum Selfie gebeten. Ein Optio kann etwa mit einem Unteroffizier verglichen werden. Und Hartmut Frey kann genau erklären, was ein solcher, etwa zu Beginn der Zeit der Römer in Welzheim, trug. Federn und Helmbusch haben etwa den Dienstgrad angezeigt. „Das waren die Schulterklappen der Antike.“ Bemerkenswert sind zum Beispiel auch der Schild mit Schildbuckel oder das

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