Welzheim

Warum Existenzsorgen in Peru auch die Welzheimer Rösterei Laufenmühle berühren

Röserei
Ein wunderbarer Duft erfüllt den Raum: Die frisch gerösteten, heißen Bohnen fallen aufs Kühlsieb. Mitarbeiterin Thea bedient das Gerät. © Gabriel Habermann

Ein leises Knacken aus dem Inneren verrät Thea: Es ist so weit. Ein Mitarbeiter wirft noch einen prüfenden Blick auf eine Probe der Kaffeebohnen, die im Trommelröster verarbeitet werden. Passt. Fertig. Thea öffnet eine Klappe. Mit einem satten Rasseln stürzen die heißen dunklen Bohnen auf ein Kühlsieb. Das dreht sich und hält die dampfenden Bohnen in Bewegung. Ein wunderbarer Duft erfüllt den Raum. Jetzt keinen Kaffeedurst haben? Ein Unding.

Fürs Stammsortiment werden Rohbohnen aus sechs Ländern geröstet und verarbeitet

Rund 50 Tonnen Rohkaffee verarbeitet die Rösterei Laufenmühle der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit den Standorten an der Laufenmühle und in der Pfarrstraße in Welzheim im Jahr.

50 Tonnen: Die Menge füllt zwei Seecontainer. „Das ist sehr viel, ist doch jede Bohne durch mehrere Hände gegangen“, sagt Daniela Doberschütz, Pressesprecherin und Leiterin der Kaffeeröstereien. Fürs Stammsortiment werden Rohbohnen aus sechs Ländern geröstet und jeweils zu Kaffee oder Espresso verarbeitet. Die Röstereien werden als Werkstatt für behinderte Menschen betrieben und bieten ihnen einen Arbeitsplatz.

Größere Einbrüche bei Bestellungen von Großkunden und Gastronomie

Die Erzeugnisse kaufen zu etwa 45 Prozent Online-Kunden. Der andere Teil der Produktion geht an Kunden aus der Gastronomie, an Firmen, Büros, Unverpackt-Läden und Wiederverkäufer. Letztere waren im Lebensmittelbereich von der Corona-Entwicklung nicht so tangiert, erzählt Daniela Doberschütz. Größere Einbrüche waren bei Bestellungen von Großkunden, etwa aus der Geschäftswelt und der Gastronomie, zu verzeichnen. Die Kaffeerösterei registrierte sehr wohl, dass sich das Arbeiten aus den Büros weg verlagerte und die Restaurants und Cafés im vergangenen Jahr lange Zeit geschlossen waren.

Arbeit im Kaffeeanbau in Peru zum fairen Preis

Erfreulich hingegen: Das Geschäft mit den Privatkunden ist gewachsen. Alles in allem zeigte sich die Nachfrage am Jahresende 2020 ausgeglichen, blieben Einbußen zum Glück aus.

„Wir waren wirklich, wirklich zufrieden“, sagt Daniela Doberschütz.

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Wirtschaft im Welzheimer Wald und in der Welt aus. Existenzsorgen plagen die Menschen zum Beispiel auch in Peru, nennt Daniela Doberschütz ein Beispiel für globale Zusammenhänge beim Kaffee. In dem südamerikanischen Land, aus dem die Rösterei Laufenmühle Kaffee bezieht, sind viele Menschen vom Land in die Städte geflüchtet, um Arbeit zu finden, führt Daniela Doberschütz aus. Coronabedingt kehren sie zurück, da es an Jobs in den Städten fehlt und man sich leichter infizieren kann. In den ländlichen Gebieten gibt es für Jüngere Arbeit im Kaffeeanbau. Das klappt aber auf Dauer nur, wenn faire Preise gezahlt werden. In diesem Zusammenhang hat auch die Kaffeerösterei gehandelt und einen ihrer Kaffees als fair gehandelt zertifizieren lassen. Die Rösterei Laufenmühle hat schon immer Bio-Kaffee produziert, hat Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz geboten und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

Zunehmend gewann auch die Zertifizierung als fair gehandelter Kaffee an Bedeutung.

Faire Preise für Erzeuger: "Wir haben immer schon darauf geachtet"

Für die Rösterei Laufenmühle ist es freilich nichts Neues, Erzeugern faire Preise zu zahlen. „Wir haben immer schon darauf geachtet“, sagt Daniela Doberschütz zum Thema Fair Trade. „Viele unserer Rohbohnen waren es immer schon.“ Für einen Kaffee aus Papua Neuguinea wurde die Fair-Trade-Zertifizierung in die Wege geleitet, er hat sie erhalten und ist seit Februar entsprechend auf dem Markt. Viel Bürokratie war nötig: Produktion, Rezeptur, Lieferkette, Akteure und vieles mehr wurden geprüft. „Es macht den Kaffee auch teurer“, räumt die Leiterin der Rösterei ein. Dafür ist das fair gehandelte Produkt nun deutlich als solches erkennbar.

Neue, sommerlich leichte Mischung entsteht derzeit

Die Kaffeerösterei wartet noch mit einer weiteren Premiere auf: Erstmals wurde eine Mischung als saisonale Röstung kreiert: „Winterwärme“ hieß sie, bot warme, würzige Aromen und wurde in fast jeder Bestellung geordert, freut sich Daniela Doberschütz. Inzwischen ist sie ausgetrunken. Doch entsteht derzeit bereits eine neue, sommerliche, leichte Komposition.

Veränderungen durch das Virus haben auch soziale Konsequenzen

So halten sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Rösterei zum Glück in Grenzen. Viele Veränderungen hat das Virus dennoch erzwungen. So arbeitet in den beiden Röstereistandorten derzeit nicht das angestammte Team. Mit dem bisherigen Mitarbeiterstamm hätten sich Bewohner verschiedener Wohnformen gemischt, was wegen der Gefahr möglicher Ansteckungen unterbleiben muss. Neue Mitarbeiter galt es gut ankommen zu lassen und entsprechende Aufgaben zu finden. Freundschaften wurden auseinandergerissen, „es hat auch soziale Konsequenzen“, weiß Daniela Doberschütz. Viele gewohnte Abläufe und Tagesrituale fallen derzeit ebenfalls weg.

Doch was die Menschen, mit und ohne Behinderung, hier produzieren, auch unter veränderten Bedingungen, findet viel Anklang bei den Kunden, bestätigt Sabine Einhäuser, die den Online-Shop der Rösterei betreut. Die Kaffeespezialitäten aus Welzheim werden an Kunden in ganz Deutschland verschickt, ja, eine Kundin aus der Schweiz bestellt sie sogar extra über eine Freundin am Bodensee.

Ein leises Knacken aus dem Inneren verrät Thea: Es ist so weit. Ein Mitarbeiter wirft noch einen prüfenden Blick auf eine Probe der Kaffeebohnen, die im Trommelröster verarbeitet werden. Passt. Fertig. Thea öffnet eine Klappe. Mit einem satten Rasseln stürzen die heißen dunklen Bohnen auf ein Kühlsieb. Das dreht sich und hält die dampfenden Bohnen in Bewegung. Ein wunderbarer Duft erfüllt den Raum. Jetzt keinen Kaffeedurst haben? Ein Unding.

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