Welzheim

Was bleibt von Papst Benedikt? Gespräch mit Welzheimer Pfarrer Markus Rometsch

Papst Benedikt
Der nun verstorbene Papst Benedikt XVI. © Pixabay

Eine Woche ist es nun her, dass Joseph Ratzinger das Zeitliche gesegnet hat. Der große deutsche Theologe, der für acht Jahre auch das Papstamt als Benedikt XVI. innehatte, war der erste Papst seit Jahrhunderten, der sein Amt zu Lebzeiten abgegeben hat. Wie bewerten ihn die Katholiken im Rückblick – und wie trauern die Gläubigen um ihn? Wir haben bei Pfarrer Markus Rometsch von der katholischen Kirchengemeinde Welzheim/Rudersberg nachgefragt.

Die zweite Frage hat der 60-Jährige schnell beantwortet: Wie für jeden gläubigen Katholiken, der gestorben ist, wurde auch für Papst Benedikt eine Totenmesse abgehalten, bereits am Dienstagabend und damit nur wenige Tage nach dessen Ableben am Silvestermorgen. „Die Gemeindemitglieder waren betroffen und in den Herzen ist noch Trauer“, sagt Rometsch. Der deutsche Papst sei bei vielen durchaus beliebt gewesen. Die Kirchengemeinde werde des emeritierten Papstes nach seinem Ableben indes nicht weiter gedenken. Gebetet werde in der heiligen Messe zwar stets „vereint mit dem Papst“, doch nur dem amtierenden.

„Mutig und beeindruckend: Benedikts Rücktritt vom Amt

Etwas länger ausholen muss der Pfarrer hingegen für die theologische Bewertung von Papst Benedikt, dessen achtjährige Amtszeit natürlich von ihrem frühzeitigen Ende geprägt sei. „Ich war damals völlig erstaunt von der Entscheidung“, sagt Rometsch. „Ich fand die Gründe dafür aber sehr menschlich.“ Dass seine Kräfte das Amt nicht mehr tragen könnten, hatte Benedikt damals gesagt. „Das fand ich sehr mutig und beeindruckend. Wahrscheinlich hat er damit seine Kirche in den Fortschritt geführt, obwohl er das vielleicht gar nicht so wollte."

„Er hat versucht zu zeigen, dass eine Welt ohne Gott keine gute ist“

Der nun verstorbene Papst galt schließlich als Bewahrer der Traditionen, sein Nachfolger Papst Franziskus hingegen pflegt einen liberaleren Stil. Benedikt sei sehr stark von seinen bayerischen katholischen Wurzeln geprägt gewesen, so Rometsch. „Ihm ging es darum, den Glauben zu bewahren. Er hat versucht, die Menschen zum Glauben zu führen und zu zeigen, dass eine Welt ohne Gott keine gute ist.“ Vielleicht habe Benedikt sich jedoch ein wenig zu sehr auf die Traditionen gestützt, die mit den Jahrhunderten zum Glaubenskern dazukamen. Deshalb sei es ihm bisweilen auch schwergefallen, sich für andere Sichtweisen zu öffnen.

Vom Amt lassen zu können, war ein Dienst an der Kirche

Den Glaubenskern zu bewahren (laut Benedikt waren das die Sakramente, die heilige Messe, der Glaube an Jesus Christus und die Hilfe für die Armen), darum gehe es natürlich allen in der Kirche, präzisiert Rometsch. „Die Grundbotschaft will auch ich nicht aufgeben, aber wir müssen die Fragen unserer Zeit angehen“, davon ist der Pfarrer überzeugt. Hierauf Antworten zu finden, sei eine der zentralen Herausforderungen für die Kirche. Deshalb sei es auch so wichtig gewesen, dass mit Papst Franziskus jemand Benedikt nachfolgte, der andere Themen in den Mittelpunkt rücke, ein schlichtes Auftreten bevorzuge – und als Südamerikaner einen anderen Blick auf die Armut in der Welt habe.

Es sei Benedikt durchaus zugutezuhalten, dass er nach seiner Emeritierung diesen Weg zugelassen habe. Insgesamt seien die knapp zehn Jahre, in denen es einen amtierenden und einen zurückgetretenen Papst gab, daher positiv von den Gemeindemitgliedern aufgenommen worden, auch wenn natürlich manche dem deutschen Papst hinterhergetrauert hätten.

Der Papst konnte durchaus ein Menschenfischer sein

Pfarrer Markus Rometsch hat Papst Benedikt und sein Charisma übrigens zweimal persönlich erlebt: beim Weltjugendtag 2005 in Köln, „da wurde er jubelnd empfangen“, und bei einem Priestertreffen in Rom anno 2010. Damals habe Benedikt von sich aus das schwierige Thema Missbrauch in der Kirche angesprochen, erinnert sich Rometsch. Und damit lange bevor das Ausmaß der Missstände öffentlich wurde.

Dennoch: Rometsch fragt sich, weshalb die Bischöfe (zu denen auch Ratzinger in seiner Münchener Zeit gehörte) diese Missstände nicht viel früher aufgeklärt haben. Und nun, da die Tatsachen bekannt sind: „War es genug und wurde es konsequent umgesetzt?“ Wobei es dem 60-Jährigen genauso wichtig ist, zu betonen, dass die überwiegende Mehrheit der Pfarrer sich nicht schuldig gemacht habe.

Eine ambivalente Figur, ein guter Papst

Was also bleibt von Benedikt? Durchaus eine gewisse Ambivalenz. Rometsch erinnert an die vier Bischöfe der erzkonservativen Piusbruderschaft, die der Papst in die Kirche zurückgeholt hat, oder an seine Vorlesung in Regensburg, in der er ungeschickt Kritik am Islam übte, indem er den mittelalterlichen Kaiser Manuel II. Palaiologos zitierte, der in dieser Religion nur „Schlechtes und Inhumanes“ sah.

Oder jene Karfreitagsbitte, in der er den Juden die Bekehrung zu Jesus wünschte. „Allerdings ist es Benedikt auch wieder gelungen, die Differenzen mit der islamischen Welt und dem Judentum beizulegen, indem er den Dialog suchte.“ Deshalb könne er unterm Strich auch als ein guter Papst betrachtet werden.

Eine Woche ist es nun her, dass Joseph Ratzinger das Zeitliche gesegnet hat. Der große deutsche Theologe, der für acht Jahre auch das Papstamt als Benedikt XVI. innehatte, war der erste Papst seit Jahrhunderten, der sein Amt zu Lebzeiten abgegeben hat. Wie bewerten ihn die Katholiken im Rückblick – und wie trauern die Gläubigen um ihn? Wir haben bei Pfarrer Markus Rometsch von der katholischen Kirchengemeinde Welzheim/Rudersberg nachgefragt.

Die zweite Frage hat der 60-Jährige schnell

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