Welzheim

Was den Welzheimern wichtig ist: Ergebnisse der großen Bürgerumfrage

Welzheim
Eine Mehrheit der Welzheimer ist gegen die Ausweisung weiterer Tempo-20-Zonen in der Stadt. © Mathias Ellwanger

Große Zufriedenheit mit den öffentlichen Einrichtungen und eine tiefe Spaltung beim Thema Verkehr – das sind zwei von vielen Ergebnissen einer Online-Bürgerumfrage, die von der Piraten-Fraktion im Stadtrat in diesem Herbst durchgeführt wurde. 403 Welzheimer haben mitgemacht. „Dafür, dass wir es das erste Mal gemacht haben, sind wir mit der Teilnahme ganz zufrieden“, sagt Philip Köngeter.

Abgefragt haben die Piraten mehr als 60 Punkte – von der Lage auf dem Arbeitsmarkt bis zur Zufriedenheit mit der Netzabdeckung. Die Ergebnisse, ausgewertet von Piraten-Kollegen aus Stuttgart, will die Fraktion in ihre kommunalpolitische Arbeit einfließen lassen. Sie aber nicht für sich beanspruchen, sondern dazu anregen, eine solche Umfrage künftig regelmäßig durchzuführen, etwa von der Stadt selbst. Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Mehr Angebote für Jugendliche gewünscht

Wenig überraschend fiel das Ergebnis bei den Einkaufsmöglichkeiten aus: Hier sind die Bürger relativ zufrieden, es gab aber vielfach den Wunsch nach einer Drogerie (die ja im Wohn- und Geschäftshaus am Feuersee in absehbarer Zeit kommt) oder einem Elektronik-Fachgeschäft. „Dafür ist Welzheim aber zu klein“, findet Köngeter.

Bei den Freizeitangeboten recht gut bewertet wurden die Wanderwege (an denen es allerdings Kritik am zum Teil recht starken Bewuchs gab), der Stausee oder das Museum. Die Welzheimer sind unterm Strich zufrieden. Defizite scheint es hingegen bei Angeboten für Jugendliche zu geben. Fehlende Plätze zum Treffen wurden ebenso bemängelt wie Kneipen, die auch für unter 18-Jährige zugänglich sind. Momentan gibt es in der Stadt nur Raucherlokale. „Wer nicht 18 ist, kann in Welzheim nicht Billard spielen oder kegeln“, sagt Kai Dorra. Den Wunsch nach einem Hallenbad für die Stadt können die beiden Piraten zwar nachvollziehen, „das wird es in Welzheim in nächster Zeit aber nicht geben“, sagt Köngeter, „denn das wäre zu teuer.“

Bei den Spielplätzen gebe es zu wenig Abwechslung, außerdem seien sie zu häufig verunreinigt, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Köngeter sitzt in der Spielplatzkommission und weist darauf hin, dass ja gerade am Kirchplatz der Spielplatz modernisiert wurde. Er regt zudem an, die Intervalle bei der Reinigung zu erhöhen.

Der häufig geäußerte Wunsch nach mehr klassischer Gastronomie löst bei Philip Köngeter indes Fragezeichen aus. „Ich finde, Welzheim hat eine sehr gute und abwechslungsreiche Gastronomie.“

Eher mäßig zufrieden sind die Welzheimer mit der Lage auf dem Arbeitsmarkt . Auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) gaben die Teilnehmer der Umfrage im Schnitt eine 3,0 ab. „Wir können nur neue Gewerbegebiete schaffen“, sagte Köngeter dazu, „da ist ja Welzheim in Breitenfürst dabei.“ Auch sei das Gebiet Reizenwiesen aus seiner Sicht gut durchmischt, „das hilft in Zeiten von Corona“.

Beim Thema Verkehr sind die Welzheimer gespalten

Überraschend positiv fällt das Urteil der Welzheimer über ihre öffentlichen Einrichtungen aus. Schulen und Kindergärten, das Rathaus, die Mediathek und die Sporthallen erhalten im Schnitt eine 2 oder besser. „Das hat mich gefreut. Man kann dem Bürgerbüro und dem Rathaus auf die Schulter klopfen“, meint Köngeter, der sich indes etwas wunderte über die positive Bewertung der Sporthallen. „Es ist halt die Frage: Wer bewertet das? Diejenigen, die zwei- bis dreimal in der Woche drin sind, oder diejenigen, die sie zweimal im Jahr besuchen?“

Tief gespalten zeigen sich die Welzheimer vor allem beim Thema Verkehr . Hier stehen sich bei vielen Fragen zwei gleich große Gruppen gegenüber. Jeweils die Hälfte findet etwa, dass es in der Stadt genügend oder zu wenige Parkplätze gibt. Einigkeit herrscht nur bei der Frage, ob es kostenlose Parkplätze in der Innenstadt geben soll, 95 Prozent sprechen sich dafür aus.

Mehr Radwege und besserer öffentlicher Nahverkehr gefordert

Recht gut wurde von den Teilnehmern der Umfrage der Zustand der Hauptstraßen (2,4) bewertet, eher schlecht hingegen der Zustand der Nebenstraßen mit 3,5. Hier wurde im Stadtrat bereits gehandelt. Auf Antrag der Piraten findet eine Straßenzustandsermittlung statt. Als Problemstraßen von Bürgern genannt wurden unter anderem die Gschwender Straße, die Schillerstraße sowie die Bahnhofstraße, „da kommen auch Bürger sehr oft auf uns zu“. Kritisiert wurden dabei der Zustand, die Parksituation oder die Geschwindigkeitsregeln.

Gibt es genügend Radwege in Welzheim? 42 Prozent verneinen diese Frage. Besonders nach Schorndorf und Rudersberg scheinen diese zu fehlen. Die Piraten könnten sich daher ein Radwegekonzept für ganz Welzheim vorstellen. Auch eine Verbindung zwischen Kaisersbach, Alfdorf, Welzheim und Schorndorf „wäre eine supergute Sache, auch für Touristen“, findet Köngeter. Die vorhandenen Wege seien zum Teil geschottert, „vor allem bergab als Radweg ist das eine Katastrophe, das geht gar nicht“, meint Dorra.

Keine guten Noten für die Busverbindungen

Der öffentliche Nahverkehr bekommt mit 3,3 keine allzu gute Bewertung, ist aber aus Sicht der Piraten „besser bewertet als erwartet“. Hier fände Köngeter einen Ausbau „wirklich wichtig und dringend. Gerade in Corona-Zeiten muss man aber schauen, was möglich ist, vieles ist dadurch in die Ferne gerückt“. Als Problem wurden vor allem die mangelnden Verbindungen am Wochenende und außerhalb der Hauptverkehrszeiten genannt.

Tempo 30 in Breitenfürst ? Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer können sich das nicht vorstellen. Bei einer Umgehungsstraße für den Teilort zeigen sich die Welzheimer jedoch wieder gespalten. Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent spricht sich dafür aus. Allerdings wurde in der Umfrage auch kein Konzept präsentiert. Gut möglich also, dass mehr Bürger sich bei konkreten Vorschlägen dafür aussprechen würden. „Wir verstehen das als Auftrag, uns für die Umgehungsstraße einzusetzen. Das stand schon im Wahlprogramm, da werden wir nicht lockerlassen.“

Bürger wünschen sich keine weiteren Tempo-20-Zonen

Sollten in Welzheim die Tempo-20-Zonen erweitert werden? 59 Prozent sprechen sich dagegen aus. Viele scheinen Tempo 30 gegenüber deutlich aufgeschlossener zu sein, das wollen die Piraten aus der Umfrage mitnehmen. Bei der Frage nach verstärkten Kontrollen von Falschparkern und Rasern zeigt sich die Stadt dann aber wieder gespalten. Jeweils rund 50 Prozent sind dafür oder dagegen. „Es gibt bei Bürgern den Eindruck, dass sehr viel kontrolliert wird. Wir würden dazu gerne die Zahlen vom Kreis sehen und vergleichen“, sagt Köngeter. Mehr Personal fürs Ordnungsamt wünschen sich übrigens 54 Prozent der Umfrage-Teilnehmer – „aus unserer Sicht könnte das eine Teilzeitstelle sein“.

Viele weitere Verbesserungen in der Stadt wurden darüber hinaus in der Umfrage als wünschenswert genannt: etwa der Rückschnitt von Grünwuchs auf den Gehwegen, die stärkere Bekämpfung der Vermüllung oder die Absenkung von Bordsteinen an Kreuzungen, weniger Befreiungen vom Bebauungsplan oder ein Rauchverbot auf Spielplätzen. „Eigentlich ist das für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Dorra zu Letzterem. „Da fehlen einfach noch die Schilder in Welzheim.“

Es fehlt in der Stadt an bezahlbarem Wohnraum

Gibt es in Welzheim genug Wohnraum ? 85 Prozent der Welzheimer verneinen das. Auch halten 70 Prozent die Mietpreise für zu hoch. Knapp die Hälfte (44 Prozent) hat Probleme mit dem Angebot auf dem Wohnungsmarkt. 71 Prozent sprechen sich dafür aus, bevorzugt Mehrfamilienhäuser zu bauen. Beklagt werden in der Umfrage außerdem die Leerstände in der Stadt. Die Piraten könnten sich dafür einen Leerstandsmanager wie in Schorndorf vorstellen.

Bei den Piraten nicht fehlen darf die Frage nach der Zufriedenheit mit der Internetverbindung . Knapp die Hälfte (48 Prozent) ist das nicht. Und zwei Drittel würden, sofern möglich, sofort schnelleres Internet buchen. „Es kam auch hier öfter zu dem Problem, dass die Vectoring-Technik nicht mehr nachgerüstet wird“, sagt Köngeter, „da werden wir nachfragen.“

Noch schlechter ist die Zufriedenheit mit der Mobilfunkabdeckung . 53 Prozent wünschen sich in der Umfrage Verbesserungen. „Mit dem neuen Mobilfunkmast in Breitenfürst wird die Lage deutlich besser“, sagt Köngeter. Momentan scheint es Probleme mit dem Empfang in Richtung Schützenhaus/Talsenke zu geben, „vielleicht müssen wir da als Piraten mal messen“.

Und wie steht es um das öffentliche WLAN ? 70 Prozent sprechen sich dafür aus, dieses auszubauen. Drei Viertel nutzen es im Moment nicht, auch weil es nicht an den Orten zur Verfügung stehe, wo man es gerne nutzen würde, etwa in öffentlichen Gebäuden.

Bürger wollen mehr an Entscheidungen beteiligt werden

In der Bürgerumfrage konnten die Teilnehmer auch Wünsche an den Stadtrat richten. Bei Entscheidungen mehr einbezogen zu werden stand dabei an oberster Stelle. Hier sehen die Piraten die Stadt Welzheim aber auf einem guten Weg und nennen als Beispiel die umfangreiche Bürgerbeteiligung bei der Grünachse. Als Wünsche genannt wurden außerdem mehr Angebote für Jugendliche, ein größerer Einsatz für Naturschutz sowie mehr Transparenz und weniger Vetterleswirtschaft.

„Das Gefühl, dass es Vetterleswirtschaft gibt, habe ich nicht, aber da müssen wir mit Transparenz dagegensteuern, zum Beispiel mit Livestreams“, sagt Köngeter. 76 Prozent sprechen sich dafür aus, „das freut uns. Wir hatten uns erhofft, dass durch die Pandemie der Livestream gefördert wird und dass wir den Welzheimer Rat davon überzeugen können, um mehr Transparenz und Barrierefreiheit zu schaffen. Da müssen wir dranbleiben“.

Sind die Teilorte im Gremium gut vertreten? Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent sieht das nicht so. Auch hier wollen die Piraten versuchen, diese künftig stärker einzubinden.

Ein Leitfaden für die politische Arbeit

Generell soll die Umfrage den Piraten jetzt als Handlungsleitfaden für die kommunalpolitische Arbeit dienen, die auch von anderen Fraktionen genutzt werden kann. „So eine Bürgerumfrage muss auch nicht von uns gemacht werden“, findet Philip Köngeter. „Wir haben aber einen guten Anschub geleistet und viele gute Rückmeldungen von Bürgern erhalten, die sich freuten, dass wir unabhängig von Wahlen nach den Wünschen der Bürger fragen.“

Das Ergebnis der Umfrage sei dementsprechend auch ein anderes als während des Wahlkampfs. „Da sind dann nur Themen dabei, die aktuell sind.“

Für Kai Dorra war es neben den Anregungen auch wichtig, zu erfahren, womit die Bürger zufrieden sind. „Das ist eine echte wertvolle Information. Dafür, finde ich, war es die Sache schon wert.“

Große Zufriedenheit mit den öffentlichen Einrichtungen und eine tiefe Spaltung beim Thema Verkehr – das sind zwei von vielen Ergebnissen einer Online-Bürgerumfrage, die von der Piraten-Fraktion im Stadtrat in diesem Herbst durchgeführt wurde. 403 Welzheimer haben mitgemacht. „Dafür, dass wir es das erste Mal gemacht haben, sind wir mit der Teilnahme ganz zufrieden“, sagt Philip Köngeter.

Abgefragt haben die Piraten mehr als 60 Punkte – von der Lage auf dem Arbeitsmarkt bis zur

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