Welzheim

Welzheim bleibt ein Luftkurort

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Die Luft ist klar und erfüllt in Welzheim die Vorschriften für einen Luftkurort. © Laura Edenberger
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Redakteur Rainer Stütz kommentiert.

Welzheim. Welzheim bleibt Luftkurort: In dem jetzt vorliegenden amtlichen Gutachten des Deutschen Wetterdienstes, Abteilung Klima und Umweltberatung Freiburg, wird bestätigt, dass die Stadt Welzheim weiterhin die lufthygienischen Voraussetzungen für die Bezeichnung Luftkurort in vollem Umfang erfüllt.


Ende April haben wir darüber berichtet, ob Welzheim eine Kurtaxe bekommt. Hier geht es zum Artikel.


Auf ihrer Homepage schreibt die Stadt dazu: „Atmen Sie also tief durch und erfahren Sie am eigenen Leib, wie sich die viel gepriesene Champagnerluft wohltuend auf Leib und Seele auswirkt. Genießen Sie bei uns ein Stück intakte Natur inmitten des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, begeben Sie sich auf die Spuren römischer Zeitzeugen und entdecken Sie jede Menge Abwechslung in und um Welzheim. Seien Sie unser Gast, wir freuen uns auf Sie!“

Am Rathaus und im Stadtpark wurde gemessen

Bürgermeister Thomas Bernlöhr zeigt sich erfreut über die guten Nachrichten: „Damit ist ein weiteres Mal amtlich und hochwissenschaftlich bestätigt, dass es sich in Welzheim besonders gesund und damit gut leben lässt.“

Im Rahmen einer einjährigen Messreihe nach den Richtlinien des Deutschen Heilbäderverbandes beziehungsweise des Deutschen Tourismusverbandes ließ die Stadtverwaltung zur Bestätigung des Prädikates die Luft in Welzheim analysieren. Gemessen wurde an zwei Standorten: am Rathaus und im Stadtpark.

Luftproben wurden auf grobe Staubteilchen untersucht

Durch die Auswahl dieser Standorte gemeinsam mit den Gutachtern sollten die lufthygienischen Verhältnisse im gesamten Aufenthaltsbereich von Gästen und Erholungssuchenden erfasst werden. Die Luftproben wurden auf grobe Staubteilchen (gesamter Grobstaub ohne Blütenpollen) auf sogenannte opake (licht-undurchlässige) Grobstaubpartikel, auf Feinstaub und Ruß im Feinstaub, auf Blütenpollen sowie auf den Gehalt auf Stickstoffdioxid (NO2) untersucht.

Opaker Grobstaub entsteht vorwiegend beim Kraftfahrzeugverkehr, durch den Abrieb der Reifen und des Fahrbahnasphalts sowie beim Heizen mit Holz und Kohle. Feinstaub und Stickstoffdioxid gelangen hauptsächlich durch die Abgase des Verkehrs und im Winter auch durch die Heizungen in die Luft. Beide Luftbeimengungen können in höheren Konzentrationen den Atemwegen schaden.

Vorgeschriebene Werte wurden deutlich unterschritten

An der verkehrsbezogenen Mess-Stelle am Rathaus enthielt ein Kubikmeter Luft im Durchschnitt 10,9 Mikrogramm Grobstaub (µg, ein 1000stel mg). Erlaubt ist an diesem verkehrsreichen Standort eine mittlere Staubkonzentration von maximal 28 µg. Am Standort Stadtpark wurde eine Staubkonzentration von 5,9 µg festgestellt, wobei der dort zulässige Höchstwert um 54 Prozent höher liegt.

Ein weiteres Ergebnis: Die in Welzheim gemessenen groben Staubteilchen bestanden zum größten Teil aus mineralischen Bodenpartikeln, die vom Wind und durch den Kraftfahrzeugverkehr vom Erdboden und von den Straßenoberflächen aufgewirbelt wurden. Im Frühjahr wurden in den Messgeräten auch viele Blütenpollen gefunden, was keine Überraschung ist.

Nächste Überprüfung erfolgt in fünf Jahren

Die Konzentration der opaken Grobstaubteilchen war in der Messstelle Rathaus mit einem Messwert von 2,67 µg höher als am Standort im Stadtpark ohne unmittelbaren Verkehrseinfluss. Der maximal zulässige Belastungswert wurde aber auch am verkehrsbezogenen Standort Rathaus nur zu 49 Prozent erreicht. Die Konzentration des Feinstaubs an der Messstelle Rathaus weist mit 1,2 µg (Richtwertausschöpfung 56 Prozent) eine kurort-übliche Belastung auf. Beim Ruß im Feinstaub wurde mit 0,76 µg (Richtwertausschöpfung 44 Prozent) ein normaler Wert gemessen. Die Belastung durch Stickstoffdioxid wird ebenfalls in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft angegeben. Die geltenden Richtwerte an beiden Standorten wurden ebenfalls deutlich eingehalten.

Die nächste Überprüfung erfolgt entsprechend den gesetzlichen Regelungen in fünf Jahren im Jahr 2022.


Kommentar: Daraus was machen!

Die Stadt Welzheim darf sich weiterhin Luftkurort nennen. Das ist zuerst einmal eine gute Nachricht. Das spricht für die Lebensqualität. Gleichwohl: Lässt sich aus dem Prädikat nicht mehr machen? Welzheim, die Limesstadt, Welzheim als Endhaltestelle der Schwäbischen Waldbahn, Welzheim mit einem Erfahrungsfeld der Sinne, Welzheim, ein Luftkurort.

Der Begriff Luftkurort erinnert in der Tat ein wenig an Schwarzwald und Allgäu. Da geht man hin, wenn es einem nicht so gut geht und man die Sommerfrische und die gute Luft braucht, um wieder zu Kräften zu kommen.

Aber hinter dem Begriff steckt noch mehr, der vor allem im Großraum Stuttgart aktuell ist. Hier gibt es keine dicke Luft wie in Stuttgart, hier ist die Luft zum Atmen gesund. Das sind Pfunde, mit denen die Stadt wuchern muss und es bisher nicht getan hat. Eine Aufgabe für den mit großer Mehrheit wiedergewählten Bürgermeister.

Luftkurort und Fremdenverkehr

Die würzige Welzheimer Luft hat eine ganz besondere Qualität. In Worte gefasst hat dies bereits der schwäbische Dichter und Arzt Justinus Kerner, der ab 1812 Unteramtsarzt in Welzheim war.

Die Epoche der Romantik löste eine Welle der Naturverbundenheit aus und sinnierte nicht nur über die Vorzüge „auf dem Wald“, sondern auch über die schwärmerisch verklärte Landlust der Stuttgarter Städter im Sommer.

Man reiste in den Welzheimer Wald, um sich zu erholen, das Wort „Fremdenverkehr“ wurde auf diese Weise bereits um 1850 in Welzheim zum Begriff.

Als im Jahr 1911 die Eisenbahn nach Welzheim kam, entwickelte sich ein beträchtlicher Tourismus, der in den 20er und 30er Jahren seine Blüte erlebte. Die Bahnverbindung von Stuttgart über Schorndorf und weiter durch das Wieslauftal bis nach Welzheim brachte Ausflügler und Sommerfrischler auf direktem Weg aus der Stadt heraus hoch in den Luftkurort.

Bereits im Jahre 1943 hat der damalige Reichsfremdenverkehrsverband Welzheim das Recht zur Führung der Bezeichnung „Luftkurort“ verliehen. In den 80er Jahren musste sich das Limesstädtchen nach umfangreichen Gutachten und Untersuchungen den Nachweis neu verdienen.

Seit 1991 trägt Welzheim wieder die offizielle Bezeichnung als Luftkurort. Seitdem werden in regelmäßigen Abständen die bioklimatischen Voraussetzungen zur Erhaltung dieser Auszeichnung nachgewiesen.

Die gute Luft schätzten vermutlich aber bereits die Römer, denn mit ihnen hat alles angefangen. Mitten durchs heutige Welzheim verlief ihre ehemalige Reichsgrenze, der Limes, und in zwei Kastellen waren mindestens 700 Mann Besatzung vor Ort. Und als die Römer 200 n. Chr. von dannen zogen, haben sie einige Spuren hinterlassen. Spannende historische Spuren und Schätze aus der damaligen Zeit prägen die Stadt daher bis heute. (Quelle: Homepage der Stadt Welzheim).