Welzheim

Welzheim und Rudersberg: "Great Reset"-Flyer im Briefkasten - was steckt dahinter?

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Einige Haushalte in Rudersberg und Welzheim dürften sich diese Woche beim Blick in den Briefkasten gewundert haben. Denn darin lagen Flugblätter mit einer schrecklichen Botschaft. Vom „Great Reset“ war dort die Rede. „Dir wird nichts gehören und du wirst glücklich sein!“, heißt es auf der ersten Seite dräuend. Mitwirkende an diesem großen Umbruch sollen unter anderem sein: Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der Milliardär Bill Gates und der Investor George Soros. Im Mittelpunkt dieser großen Verschwörung soll stehen: Klaus Schwab, geschäftsführender Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums.

Was folgt, ist eine Ansammlung von verschwörerischen Thesen, die erschaudern lassen. Denn von der geplanten Einführung eines Sozialkreditsystems nach chinesischem Vorbild ist dort die Rede, von mehr Überwachung, einer Impfpflicht und einer weltweiten Ökodiktatur.

Was in dem Buch drinsteht

Nachzulesen sein soll dieser Plan im Buch „The great reset“, 2020 veröffentlicht von Klaus Schwab und Thierry Maleret, zwei Wirtschaftswissenschaftlern. Doch stimmt das wirklich?

Wir haben mal nachgelesen. Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf Politik und vor allem Wirtschaft haben wird, darum geht es tatsächlich in dem Buch, das bereits kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie erschienen ist.

Eine nachhaltigere Form des Wirtschaftens?

Für den Gründer des Weltwirtschaftsforums wirkte die Krise damals als Verstärker von ohnehin bereits stattfindenden Prozessen wie der Digitalisierung oder der E-Mobilität. Sie stelle aber auch die Art des Wirtschaftens in der westlichen Welt ganz grundsätzlich infrage – und könnte somit genutzt werden, um eine nachhaltigere Form des Wirtschaftens zu etablieren.

Resilienz statt Gewinnmaximierung

„Jedes Unternehmen, dessen Rentabilität vom Prinzip der globalen Just-in-time-Lieferkette abhängt, wird seine Arbeitsweise überdenken müssen und wahrscheinlich die Idee der Effizienz- und Gewinnmaximierung zugunsten der Versorgungssicherheit und Resilienz aufgeben müssen.“

Widerstandsfähige Lieferketten würden künftig eine größere Rolle spielen, der Staat im Wirtschaftsbereich eine stärkere Rolle einnehmen, heißt es darin.

Welche Branchen florieren ...

Drei Branchen werden nach der Pandemie florieren, prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler: Big Tech (also Google, Amazon und Co), Gesundheit und Wellness.

... und welche kämpfen müssen

Vier Branchen werden vor großen Herausforderungen stehen: Banken (Stichwort Digitalisierung), Versicherungen (wegen der coronabedingten Ansprüche), Automobilindustrie (wegen der E-Mobilität und des Problems der globalen Lieferketten) sowie der Energiesektor (wegen der Energiewende).

Langfristig besonders hart treffen werde die Krise die Bereiche Reise und Tourismus, Hotel und Gastronomie, Unterhaltung und Kultur, den Einzelhandel sowie die Luftfahrt (vor der Corona-Pandemie machten Geschäftsreisen 30 Prozent des Flugverkehrvolumens, aber 50 Prozent der Einnahmen aus).

Und was ist mit dem Neoliberalismus?

Nach der Krise werde, prognostiziert Schwab, die Wirtschaftsweise des Neoliberalismus (vereinfacht gesagt das Prinzip: weniger Staat, mehr privat) stärker infrage gestellt. „In der Welt nach der Corona-Pandemie werden Fragen der Gerechtigkeit und Fairness in den Vordergrund rücken (...) In ähnlicher Weise werden die tiefe Besorgnis über die Umwelt und Fragen, wie Technologie zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt und geregelt werden kann, ihren Weg auf die politische Tagesordnung finden.“

Unabdingbare Voraussetzung für ein Gelingen des Umbruchs sei aber eine stärkere Kooperation zwischen den Ländern.

Einige Haushalte in Rudersberg und Welzheim dürften sich diese Woche beim Blick in den Briefkasten gewundert haben. Denn darin lagen Flugblätter mit einer schrecklichen Botschaft. Vom „Great Reset“ war dort die Rede. „Dir wird nichts gehören und du wirst glücklich sein!“, heißt es auf der ersten Seite dräuend. Mitwirkende an diesem großen Umbruch sollen unter anderem sein: Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der Milliardär Bill Gates und

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