Welzheim

Welzheim: Warum Porzellan und Puppen Höfer in der Schorndorfer Straße schließt

PorzellanHoefer
Noch steht die 80-jährige Hannelore Höfer im Laden in der Schorndorfer Straße 37, doch der Räumungsverkauf hat bereits begonnen. Im Frühjahr wird das Geschäft geschlossen. © Gaby Schneider

Wenn in einer Stadt ein alteingesessener Betrieb aufhört, sind die Gründe oft vielschichtig. Das Einkaufsverhalten ändert sich, Corona macht das Geschäftsleben auch nicht gerade einfacher, und immer mal wieder ist der Betreiber irgendwann zu alt und hat keinen geeigneten Nachfolger für sein Geschäft gefunden.

Auf einem Bauernhof in Buchengehren aufgewachsen

Hannelore Höfer (geb. Schneider) ist mittlerweile 80 Jahre alt und immer noch fit. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Buchengehren (Gemeinde Alfdorf), hat die Geschäftsfrau 61 Jahre lang in der Mosterei oder im Laden gestanden. Denn dort, wo jetzt Porzellan und Puppen Höfer ist, war früher eine Mosterei des Ehemannes Bernd Höfer, der leider schon 1994 mit nur 55 Jahren verstarb.

Nach der Eröffnung der Mosterei wurde 1983 mit dem Verkauf von Porzellan und Puppen ein zweites geschäftliches Standbein geschaffen. Die Mosterei wurde immer weniger nachgefragt, es blieb in all den Jahren der Handel mit Porzellan, überwiegend aus deutscher Produktion.

Die alteingesessenen Welzheimer Bürgerinnen und Bürger traf die Nachricht wie ein harter Schlag. „Wie können Sie zumachen?“ Diesen Satz hört Hannelore Höfer in diesen Tagen oft. Der Laden wird fehlen, denn Porzellan gab es dort früher nach Gewicht. Höfers kauften bei den Porzellanfabriken Restbestände nach Gewicht, und so gaben sie es dann ihren Kunden auch weiter.

Die rund 200 Quadratmeter große Verkaufsfläche hat die Atmosphäre eines Werksverkaufs mit vielen schönen Ecken. Wer stöbern will, findet auch nach Stunden immer noch was Neues. Willkommen waren und sind die Menschen und nicht nur der Kunde. Viele kamen zum Schwätzlehalten in den Laden, ohne was zu kaufen.

Im Fichtelgebirge gab es früher viele Porzellanfabriken

Bezogen wurde früher die Ware in der sogenannten Porzellanstraße im Fichtelgebirge. Doch die Herrlichkeit ist dank der billigen Konkurrenz aus dem Ausland und dem Verhalten mancher Kunden, die nur das Billigste kaufen, dahin. Es gibt nur noch wenige deutsche Porzellanfabriken.

Geblieben ist eine historische Porzellanstraße. Sie führt entlang einstiger und bestehender Porzellan-Produktionsstätten. Nach dem Start im Fichtelgebirge verläuft die Trasse durch den Steinwald, das Stiftland und den Oberpfälzer Wald, die Fränkische Schweiz und den Steigerwald über das Obere Maintal - Coburger Land in den Frankenwald und das Bayerische Vogtland bis in den Kaiserwald im benachbarten Tschechien nach Horní Slavkov. Einst wurde hier die erste Porzellanfabrik Böhmens gegründet.

„Wir haben früher alle Fabriken abgeklappert, dadurch viel erfahren und konnten deshalb günstig einkaufen“, erinnert sich Hannelore Höfer. Die Höfers gingen regelmäßig auf Messen in Frankfurt und München, um die neuesten Farben und Formen zu kennen. Das hat sich alsbald herumgesprochen. Die Höfers brauchten nicht viel Werbung zu machen. Die Kunden stammen nicht nur aus dem Welzheimer Wald, sie kommen auch aus Schwäbisch Hall, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd, Göppingen, Esslingen und Stuttgart. „Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat uns bekannt gemacht.“ Höfers haben ihren Beruf mit Herzblut gemacht.

Tochter und Verwandtschaft unterstützten in den letzten Jahren

Die 56-jährige Tochter Elli Hurlebaus aus Urbach hat in den letzten Jahren zusammen mit den anderen Verwandten die Mutter bei ihrer Arbeit unterstützt. Doch durch Corona ist der Umsatz zurückgegangen. Hinzu kommt das hohe Alter von Hannelore Höfer. „Die Familie hat gut zusammengehalten, aber irgendwann ist man zu alt und muss loslassen.“ Das fällt Hannelore Höfer nach all den erlebnisreichen Jahren schwer, es wird schon eine große Umstellung sein. Doch zum Glück gibt es genügend Enkel und Urenkel, die einen jung halten.

Mit Festwagen beim Welzheimer Heimattag

Noch gerne denkt Hannelore Höfer an den Heimattag im Jahr 2000 zurück. Mit einer übergroßen Kaffeekanne auf dem Festwagen war das Porzellangeschäft vertreten, dazu gab es einen Kaffeeausschank. An die Festgäste wurden Tassen verteilt. Fünf Jahre davor, also 1995, wurde beim Festzug das Thema „Elefant im Porzellanladen“ thematisch umgesetzt.

Noch bis April/Mai 2022 läuft der Räumungsverkauf in der Schorndorfer Straße 37. Wer sich also umschauen oder sich mit Wehmut verabschieden will, ist herzlich willkommen.

Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr; Samstag von 9 bis 12 Uhr.

Wenn in einer Stadt ein alteingesessener Betrieb aufhört, sind die Gründe oft vielschichtig. Das Einkaufsverhalten ändert sich, Corona macht das Geschäftsleben auch nicht gerade einfacher, und immer mal wieder ist der Betreiber irgendwann zu alt und hat keinen geeigneten Nachfolger für sein Geschäft gefunden.

Auf einem Bauernhof in Buchengehren aufgewachsen

Hannelore Höfer (geb. Schneider) ist mittlerweile 80 Jahre alt und immer noch fit. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in

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