Welzheim

Welzheimer Bürger und Einzelhändler hoffen, dass bei den nächsten Corona-Maßnahmen nicht noch mehr Betriebe schließen müssen

Coronaerwartungen
Die Einzelhändler in Welzheim hoffen, dass kein neuer kompletter Lockdown beschlossen wird in den kommenden Tagen. © Gaby Schneider

Das Infektionsschutzgesetz ist durch, und vor kurzem sind Impfgegner und Querdenker vermummt durch die Limesstadt marschiert – Corona beeinflusst viele Leben, und das nachhaltig. Fürchten sich die Leute in Welzheim vor einem verschärften oder verlängerten Lockdown in den nächsten Tagen, und wie gehen sie mit den Einschränkungen um?

Es hätte noch viel schlimmer kommen können, meint Werner Bredl, der Inhaber der Limesbuchhandlung. Als der erste Lockdown Anfang des Jahres kam, hat er mit 70 Prozent Umsatzeinbußen gerechnet. „Aber dann“, meint er, „haben die Leute begriffen, dass wir die Bücher auch nach Bestellung herausgeben oder liefern. Und plötzlich hat unser Internet-Shop angefangen, sich richtig zu rentieren.“ Außerdem ist die Situation in Welzheim eine andere als beispielsweise in Schorndorf oder anderen und größeren Städten. Dort wollen die Leute das komplette Einkaufserlebnis, inklusive Bummeln und Essengehen. Wenn das nicht funktioniert, bleiben sie oft lieber zu Hause. In Welzheim, meint Bredl, werden die Läden weiter frequentiert. „Ich bin echt froh, dass ich hier lebe“, meint er und lacht hinter der Maske.

Renate Wenzel lädt gerade ihre Einkäufe in den Wagen, als sie nach ihren Gedanken über den Lockdown gefragt wird. „Wir sind gut dran“, erklärt sie. „Wir sind selbstständig, und wir werden gebraucht.“ Sie betreibt eine Holzofenbäckerei in Kaisersbach, und ihr Mann geht außerdem auf die Wochenmärkte. „Ich mach mir nicht wirklich Sorgen“, erklärt sie. „Brot essen die Leute schließlich trotz Corona.“

Marie sucht im Supermarkt nach Aufschnitt. Sie arbeitet als Mechatronikerin und ist – wie 3,3 Millionen andere Arbeitnehmer im Oktober/November – in Kurzarbeit. Zurecht kommt sie trotzdem; sie lebt mit ihrem Freund zusammen, „und wir helfen uns gegenseitig“. Vor einem neuen harten Lockdown fürchtet sie sich nicht wirklich, und die Leute, die keine Maske tragen wollen, kann sie irgendwie verstehen. Die eigene Maske trägt sie trotzdem. Um andere zu schützen, oder bloß, weil sie muss? „Ein bisschen von beidem“, meint sie und zuckt die Achseln dabei. Als die Querdenker mit Parolen vom Band durch die Welzheimer Innenstadt ziehen, lernen wir vor der Kurapotheke eine alte Dame kennen, die zu Corona und einem eventuellen Lockdown eine klare Meinung hat. „Ich komm immer wieder mal runter in die Stadt“, erklärt sie energisch, „dann hab ich Gesellschaft. Mir tun bloß die Leute leid, die bei einem Lockdown im Heim sitzen und keinen Besuch mehr bekommen. Die sind echt arm dran.“

Ihren Namen will sie nicht sagen, aber mit ihrem Alter rückt sie heraus – sie ist 91. Für die vermummten Gestalten auf der Straße hat sie überhaupt kein Verständnis, und die Parolen hält sie für Blödsinn. „Es hilft doch nichts“, meint sie. „Die Krankheit ist nun mal da, und da müssen wir jetzt gemeinsam durch.“ Insgesamt bleiben die meisten Welzheimer Bürger zuversichtlich, dass man mit Corona und trotz vielleicht noch schärferer Maßnahmen im Dezember leben könne. Alle hoffen nur, dass die neuen Maßnahmen der Corona-Verordnung nicht bedeuten, dass Einzelhändler wieder in einen kompletten Lockdown müssen. Und die Gastronomen würden sich wünschen, dass sie öffnen dürfen. Mitte dieser Woche fallen die Entscheidungen auf Bundesebene.

Wie geht es bis Weihnachten und im neuen Jahr für die Betriebe weiter?

„Ich rechne damit, dass die bisherigen Maßnahmen der Corona-Verordnung verlängert werden bis Anfang Weihnachten. Ich würde mir natürlich wünschen, dass unsere Gastronomie-Betriebe wieder öffnen dürfen, aber es ist nur schwer vorstellbar. Der Einzelhandel wird aus meiner Sicht nicht mehr geschlossen, hier besteht ja kein Gefahrenpotenzial von Hotspots, da jeder eine Maske trägt und die Abstände eingehalten werden“, äußert sich Uwe Lehar, Pressesprecher der Stadt Welzheim.

Martin Kohnle, Vorsitzender des HGV Welzheim, kann nur als Privatperson und Firmenchef antworten, da es derzeit keine Sitzungen des Handels- und Gewerbevereins gibt, um als HGV gemeinsam antworten zu können: „Es gibt sicher Betriebe, die in der Corona-Krise gute Zahlen schreiben, aber auch Betriebe, wie bei mir im Veranstaltungsbereich oder in der Gastronomie, wo nichts mehr oder nur noch sehr wenig gemacht werden kann. Ich hoffe, dass bei den neuen Maßnahmen auch bedacht wird, wie es nach Weihnachten und im neuen Jahr weitergehen soll, für alle Betriebe.“

Das Infektionsschutzgesetz ist durch, und vor kurzem sind Impfgegner und Querdenker vermummt durch die Limesstadt marschiert – Corona beeinflusst viele Leben, und das nachhaltig. Fürchten sich die Leute in Welzheim vor einem verschärften oder verlängerten Lockdown in den nächsten Tagen, und wie gehen sie mit den Einschränkungen um?

Es hätte noch viel schlimmer kommen können, meint Werner Bredl, der Inhaber der Limesbuchhandlung. Als der erste Lockdown Anfang des Jahres kam, hat er mit

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