Welzheim

Welzheimer Ehrenamtliche wollen zweites öffentliches Bücherregal: Was wo geplant ist

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Coronabedingt halten sie Abstand, bei ihrem Ziel, Menschen Leseangebote zu ermöglichen und Bücher wertzuschätzen, sind sie jedoch im Geiste dicht beieinander: Unser Bild zeigt von links nach rechts Philip Köngeter, Jennifer Haußmann, Volker Knödler, Sibylle Plötze und Bürgermeister Thomas Bernlöhr, der das Team zum Jubiläum besucht und ein Buch mitgebracht hat. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wenn Geburtstag, dann auch Geschenke: Was sich Volker Knödler zum dreijährigen Bestehen des öffentlichen Bücherregals in der Gemeindehausstraße wünschen würde? Da muss das Mitglied des Freundeskreises desselben nicht lang überlegen: Geld. Nicht für sich, sondern für die gute Sache. Denn die vier rührigen Mitglieder des ehrenamtlichen Teams, das sich um das Bücherregal kümmert, planen einen weiteren Standort mit dem kostenlosen Leseangebot. Gegenüber der Volksbank soll ein zweites Bücherregal auf einer kleinen Grünfläche bei der Polizei aufgestellt werden.

Den überwiegenden Teil der Kosten sollen Spenden erbringen

Dafür haben Jennifer Haußmann, Philip Köngeter, Sibylle Plötze und Volker Knödler, das „literarische Quartett“, wenn man so will, das sich für das Bücherregal engagiert, bereits ein Schrankmodell ins Auge gefasst. Geplant ist eine Vitrine mit Türen, da der Bücherschrank dort ziemlich frei stehen wird, erklärt Volker Knödler, es also kein Bauwerk oder Ähnliches gibt, das schützend wirken kann. Mit Rundumfächern und Glastüren versehen, erweist sich das Modell als wettersicher, hat aber mit rund 9000 Euro auch seinen Preis. Eine Anschubfinanzierung ist eine Sache, doch den weit überwiegenden Teil der Summe will der Freundeskreis über Spenden zusammentragen. Eine Crowdfunding-Aktion im Internet soll dabei helfen, weiterhin möchten die Aktiven auch Firmen und mögliche Unterstützer ansprechen, so gut das eben während der Pandemie möglich ist.

Jeden Freitag spezielle Leseangebote im Bücherregal

Die gute Idee, die nun ihre Fortsetzung finden soll, nahm in der Gemeindehausstraße ihren Anfang. Dort steht ein öffentliches Bücherregal, das der Freundeskreis betreut. Seit drei Jahren und mit einiger Kreativität. „Wir machen jeden Freitag ein Special ins Bücherregal hinein“, sagt Jennifer Haußmann über thematische Schwerpunkte wie etwa Krimis oder Kinderbücher. Das wird in den sozialen Netzwerken mitgeteilt, denn das Bücherregal hat einen eigenen Facebook- und Instagram-Account, erzählt Jennifer Haußmann, die diese betreut. Sie sortiert darüber hinaus auch Bücher fürs Regal vor und katalogisiert sie.

Welzheimer Mediathek stellt aussortierte Bücher zur Verfügung

Zum „Geburtstag“, also zum dreijährigen Bestehen des Regals, wurden nun Bücher sogar als Geschenke verpackt, als Präsent und als „Blind Date“, erklärt Jennifer Haußmann die Idee.

Als das Bücherregal vor drei Jahren, übrigens beim Welzheimer Frühling, seiner Bestimmung übergeben wurde, fanden seine Macher, es sei doch recht groß für die wenigen Bücher, die sich damals dort versammelt hatten. Inzwischen stehen rund 30 Kisten mit Büchern in einem Lager bereit. Außerdem gibt es eine Kooperation mit der Welzheimer Mediathek, die aussortierte Bücher aus ihrem Bestand für das Bücherregal zur Verfügung stellt. Und nicht zuletzt bringt eine örtliche Entrümpelungsfirma den Ehrenamtlichen Bücher für das Regal in der Gemeindehausstraße.

Volker Knödler: „Ich war schon immer ein Bücherwurm“

Das steht direkt neben dem Wohnhaus von Volker Knödler. „Ich war schon immer ein Bücherwurm“, sagt er. Knödler schaut nach dem Rechten zwischen den Regalböden, räumt bei Bedarf auf und hat, wie seine drei Mitstreiter, seinen Anteil an der Geschichte des sympathischen Angebots. Er schätzt das Lesen und hegte vor einigen Jahren schon länger den Gedanken, dass ein öffentliches Bücherregal in Welzheim fehlte.

Sibylle Plötze hatte einst Bücher zum Mitnehmen in Kisten vors Haus gestellt. Die wurden geklaut, worüber die Zeitung berichtet hatte. Jennifer Haußmann las davon, auch sie hatte schon länger mit der Idee eines öffentlichen Bücherregals geliebäugelt. Warum nicht mal anrufen, ob man sich zusammentun kann? Gesagt, getan. Philip Köngeter wurde mit ins Boot geholt, und Volker Knödler vervollständigte das Team.

Die Idee nahm Gestalt an. Erst war an eine Säule gedacht, die sich aber als teuer und klein erwies. Dann baute ein Stahlbauer aus Sulzbach/Murr das nun aufgestellte Regal. Es kostete knapp 2000 Euro. Ein Drittel wurde damals von privater Seite finanziert, Spenden halfen, zwei Drittel hatte die Stadt übernommen.

Der gewählte Standort an der Gemeindehausstraße in Richtung Innenstadt erwies sich als richtig. Hier sind Leute unterwegs, er liegt am Schulweg und weist eine gewisse soziale Kontrolle auf, weiß Volker Knödler.

„Die Qualität ist insgesamt relativ gut“, sagt Knödler über die Bücher, die im Regal kommen und gehen. Klassische Krimis, Unterhaltendes sowie Humorvolles werden gern mitgenommen, Koch- und Kinderbücher ebenfalls. Lexika, technische Anleitungen, Computerbücher gehen dagegen gar nicht weg, Reiseführer veralten sehr schnell. Bei Bildbänden, Biografien und klassischen Reportagen kann es durchaus mal vorkommen, dass sich selbst die erfahrenen Ehrenamtlichen täuschen und der jeweilige Titel flotter vergriffen war als gedacht. „Krimis sind immer gut“, fasst Jennifer Haußmann zusammen. „Kaum gepostet, ist die Hälfte weg.“

Eine komplette Goethe-Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert

Manchmal finden sich sogar Raritäten im Regal. Das älteste Buch, das Volker Knödler hier entdeckt hat, stammte etwa aus dem Jahr 1760, auch eine komplette Goethe-Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert fand ihren Weg auf den Regalboden.

Nicht vorgesehen ist das Regal indes für aussortierte Blumenvasen, Drahtkörbe oder Weihnachtsdekoration. „Das ist zwar nett gemeint, aber so ist es nicht gedacht“, sagt Sibylle Plötze. Babyflaschen, alte VHS-Kassetten oder Lebensmittel, auch wenn sie noch originalverpackt sind, sind ebenfalls nicht im Sinne des Erfinders. Da steht das Buch im Mittelpunkt. „Es ist einfach auch ein Kulturgut. Man sollte es nicht wegschmeißen“, sagt Volker Knödler.

Wenn Geburtstag, dann auch Geschenke: Was sich Volker Knödler zum dreijährigen Bestehen des öffentlichen Bücherregals in der Gemeindehausstraße wünschen würde? Da muss das Mitglied des Freundeskreises desselben nicht lang überlegen: Geld. Nicht für sich, sondern für die gute Sache. Denn die vier rührigen Mitglieder des ehrenamtlichen Teams, das sich um das Bücherregal kümmert, planen einen weiteren Standort mit dem kostenlosen Leseangebot. Gegenüber der Volksbank soll ein zweites Bücherregal

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