Welzheim

Welzheimer Lions Club bekämpft die immer größer werdende Armut

Obdachlos
„Armut und Bedürftigkeit greifen immer mehr um sich, die Gesellschaft wird immer egoistischer und rücksichtsloser“, sagt Markus Seibold, Präsdient des Welzheimer Lions Club. © pixabay

„We serve“ – wir dienen. So lautet das Motto der 1917 von Melvin Jones gegründeten Organisation „Lions Club International“. Das Akronym „Lions“ steht dabei für Liberty, Intelligence, Our Nations’ Service. Von diesem Dienen, das gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen und Verboten alles andere als einfach ist, erzählte im Interview Markus Seibold, der Präsident des Lions Clubs Welzheim, der am 22. Juni im Hotel „Sonne“ in Rudersberg nach langer Unterbrechung mit einem Galadinner die erste Präsenzveranstaltung des Jahres abhielt. Über lange Monate hinweg wurde der Kontakt der Mitglieder untereinander vor allem über Telefon, elektronische und soziale Medien wie die Lions-App aufrechterhalten.

Der Welzheimer Club konstituierte sich am 3. Februar 1986, Gründungspate war der Schorndorfer Club, berichtete Präsident Seibold. Er entstand also in der Hochzeit der Expansion der Lions Clubs und der Idee, in einer Gruppe Gleichgesinnter karitativ tätig zu sein und Gemeinschaft zu pflegen. Der Club hat 30 Mitglieder, und es handelt sich bei ihm, wie bei der überwiegenden Mehrheit der ca. 1500 deutschen Clubs, um einen reinen Herrenclub, „auch wenn die Gesellschaft der Damen in unserer Gemeinschaft bei vielen Programmpunkten sehr geschätzt wird und wir deren Hilfe bei unseren Aktivitäten sehr gern annehmen“, betonte Seibold. Die international tätige Institution ist mit ihren über 1,4 Millionen Mitgliedern in fast 50.000 Clubs in mehr als 200 Staaten und Territorien präsent. Die ersten europäischen Lions Clubs wurden 1948 in Schweden und in der Schweiz gegründet, der erste deutsche 1951 in Düsseldorf.

Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik ungefähr 1600 Clubs mit über 50 000 Mitgliedern. Bei der überwiegenden Mehrheit davon handelt es sich um reine Herrenclubs, ungefähr hundert sind Damenclubs, ca. 550 nehmen Herren und Damen auf. Die Hauptaktivitäten der Clubs finden in nichtöffentlichen Vortragsveranstaltungen und Gesprächsrunden statt; ins Licht der Öffentlichkeit treten sie hauptsächlich im Zusammenhang mit Spendenaktionen und Fundraising-Events für karitative Zwecke.

Seibolds Präsidentschaft verlängert sich automatisch

Seibolds Präsidentschaft hätte sich eigentlich auf das Jahr 2020 beschränken sollen, aber nachdem aufgrund der Pandemie in dieser Zeit nicht viel gegangen sei - lediglich die Verwaltungsarbeit blieb in vollem Umfang bestehen -, habe man sie außer der Reihe um ein weiteres Jahr verlängert, erzählte er. Für 2021 erhofften sich die Clubmitglieder ein volles Programm. Als nach außen wirkende Veranstaltungen habe man einen Neujahrsempfang für Bedürftige im Schorndorfer ZIB anvisiert, der sich an der Veranstaltung orientiere, die der Entertainer Frank Zander schon seit vielen Jahren in Berlin für Obdachlose abhalte, oder an der der Stuttgarter Leonhardskirche. Dafür habe man mehrere Mitglieder gewinnen können, dazu den Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Heinz Lochmann. Zum Jahreswechsel verkaufe man wieder den schon traditionellen Lions-Club-Kalender, dessen Erlös der Welzheimer Tafel und dem Kinderschutzbund zugutekomme. Der Kalenderverkauf im vergangenen Jahr sei übrigens trotz Corona ein großer Erfolg geworden, so Seibold stolz. Die gesamte Auflage konnte online abgesetzt werden.

Gemeinsam mit den Lions Clubs Winterbach und Remstal, eventuell auch noch Ostalb, peile man eine Wiederholung der bisher ebenfalls schon sehr erfolgreichen Aktion „Kaufe zwei, spende eins“ an. Mitglieder des Lions Clubs würden sich dafür vor Supermärkten aufstellen und die Kunden bitten, bestimmte Artikel zweimal zu kaufen, um dann den zweiten Artikel den Lions für ihre Aktion zu überlassen, die ihn dann der jeweiligen Tafel zukommen lassen - Trockenwaren wie Reis und Nudeln, die sonst nur sehr schwer zu bekommen seien. Für den Spender handle es sich dabei lediglich um eine Packung Nudeln oder Reis zu einem überschaubaren Preis, insgesamt kämen aber „gigantische Mengen“ zusammen.

Weiter plane man gemeinsam mit dem Schwäbisch Gmünder Lions Club im Prediger ein Charity-Konzert mit dem Chocolate Gospel Choir zugunsten des „Bunten Kreises Schwäbisch Gmünd“ und dessen Engagements für chronisch kranke Kinder und deren Familien.

Überhaupt, so Seibold, habe er sich vorgenommen, in seiner Präsidentschaft einen Anstoß für die Zusammenarbeit der einzelnen Lions Clubs in der Region zu geben. „Wir bemühen uns alle letztendlich um die gleichen Großsponsoren für unsere Activitys, und alle stehen wir vor den gleichen Problemen. Die Mitglieder werden älter, die Nachwuchsgewinnung fällt immer schwerer. Die Clubs dünnen aus.“ Das Konkurrenzdenken früherer Zeiten der Clubs untereinander habe sich mittlerweile überlebt, stattdessen sei Zusammenarbeit angesagt, betonte Seibold. Langfristig würden Fusionen unvermeidlich sein, wer nicht anfange, regional zu denken, sterbe aus. „Dies ergibt sich zwangsläufig aus der Altersstruktur der einzelnen Clubs. Mit drei, vier Aktiven und dem Rest Karteileichen stellst du nichts auf die Beine, und je mehr Veranstaltungen man jetzt schon gemeinsam organisiert, desto mehr gewöhnt man sich daran, und umso leichter und schneller wächst man zusammen.“

Allein schon die Beantwortung der oftmals lebenswichtigen Frage, wohin Bedürftige gehen können, wenn alle Tafelläden im Lockdown geschlossen sind, zeige, so Seibolds Fazit, dass soziales Engagement gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je sei. „Armut und Bedürftigkeit greifen immer mehr um sich, die Gesellschaft wird immer egoistischer und rücksichtsloser. Gerade jüngere Leute sind immer stärker in ihrem Job eingebunden, in den Familien sind beide berufstätig. Die wenige freie Zeit, die dann noch neben der Familie und den Kindern übrig bleibt, benötigt man für die eigenen Bedürfnisse.“

Die Zeit, um sich dann auch noch in einer Gemeinschaft wie dem Lions Club für den Mitmenschen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzubringen, müsse man sich erst einmal freikämpfen.

„We serve“ – wir dienen. So lautet das Motto der 1917 von Melvin Jones gegründeten Organisation „Lions Club International“. Das Akronym „Lions“ steht dabei für Liberty, Intelligence, Our Nations’ Service. Von diesem Dienen, das gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen und Verboten alles andere als einfach ist, erzählte im Interview Markus Seibold, der Präsident des Lions Clubs Welzheim, der am 22. Juni im Hotel „Sonne“ in Rudersberg nach langer Unterbrechung mit

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