Welzheim

Welzheimer Pfarrer Markus Frasch zum Abschied: Vielfalt ermöglichen und trotzdem zusammenhalten

Markus Frasch
Markus Frasch in der St.-Gallus-Kirche, in der er viele Jahre lang gewirkt hat. © Benjamin Büttner

Die Umzugskartons packt er zwar noch nicht, aber: „ich bin am Aussortieren“, erzählt Pfarrer Markus Frasch. Viel Papier sichtet der 55-Jährige derzeit. Am Donnerstag stand die letzte Dienstbesprechung an. Pfarrerin Ingeborg Brehmer wird interimsweise in der Geschäftsführung vertreten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Wann das der Fall sein wird, kann der bisherige Geschäftsführende Pfarrer nicht sagen. Die Stelle sei zügig ausgeschrieben worden. Es gab aber bisher leider keine Bewerbung.

Vorgesetzter für 34 Pfarrerinnen und Pfarrer: „Das ist eine völlig neue Rolle“

Für Markus Frasch steht nun ein Neuanfang an: Er wird Dekan von Böblingen. Ist er aufgeregt angesichts der Herausforderung? „Da bin ich wirklich aufgeregt“, gibt Frasch zu, „in einer Mischung aus Vorfreude, Spannung im positiven Sinn, wie das wohl alles klappen wird. Es ist schon eine andere Aufgabe.“

Wirklich neu und wesentlich anders ist die Rolle des Vorgesetzten, die er als Dekan innehaben wird. Vorgesetzter war er zwar auch in Welzheim für die Mitarbeiter der Kirchengemeinde. In Böblingen wird er es aber für 34 Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenbezirk sein. „Das ist eine völlig neue Rolle. Die muss ich ausfüllen lernen.“ Positiv nutzen will er sie, nicht kontrollierend. „Ich will dazu beitragen, dass Menschen motiviert und gern ihre Arbeit machen.“

Prägende Aufenthalte in den USA verbracht

Die Stadtkirche in Böblingen steht auf einem Berg. Ihre Position sei ein „Symbol der öffentlichen Wahrnehmung“, meint Markus Frasch. In Welzheim war er eine Person des öffentlichen Lebens, in Böblingen gibt es 50 000 Menschen evangelischen Glaubens. Als Dekan wird er weiter einen kleinen Dienstauftrag in der Gemeinde haben und 200 Gemeindeglieder betreuen.

Für Aufgaben wie diese hat der Geistliche nicht nur in Welzheim viel Erfahrung gesammelt. In Ludwigsburg aufgewachsen, studierte Frasch in Tübingen und Hamburg, verbrachte prägende Aufenthalte in den USA, absolvierte sein Vikariat in Degerloch und trat die erste Pfarrstelle in Hochwang bei Kirchheim/Teck an. Anschließend arbeitete er sieben Jahre in Remseck-Aldingen.

Es bestand Nachholbedarf in der Gemeinde 

2011 nahm Markus Frasch sein Amt in der evangelischen Kirchengemeinde Welzheim und Rienharz auf und kam mit seiner Frau und den zwei Kindern, einer Siebtklässlerin und einem Viertklässler, hierher. Sein Vorgänger, Pfarrer Eberhard Braun war 2007 nach 30 Jahren in den Ruhestand gegangen. Ein Nachfolger hatte sich eine andere Stelle gesucht. Es bestand Nachholbedarf in der Gemeinde, erinnert sich Frasch.

Was ein Geschäftsführender Pfarrer macht, davon indes „ist nach außen viel gar nicht sichtbar“. Digitalisierung war ein Thema, die Computer mussten zeitgemäß funktionieren, die Homepage galt es zu modernisieren, viel Verwaltungsarbeit zu leisten sowie eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern zu bewältigen. Bis 2019 gehörten auch die Kindergärten in voller Verantwortung zur Kirchengemeinde als ihr Träger.

"Was die Videotechnik anbelangt, sind wir eine der innovativsten Kirchengemeinden"

Viel Arbeitskraft und Engagement galt der Modernisierung der Infrastruktur. Einen großen Schub erfuhr das Thema nochmals in der Corona-Zeit. „Was die Videotechnik anbelangt, sind wir eine der innovativsten Kirchengemeinden“, gibt der Pfarrer ein Beispiel. Sonntags wird der Gottesdienst auf Youtube gestreamt.

Auf den Gottesdienst legt Frasch großen Wert. „Als Pfarrer ist der Gottesdienst einfach das Herzstück.“ Ihm lag daran, den Gottesdienst ein Stück weit weiterzuentwickeln, „vielfältig einladend zu sein“. Bei der Musik etwa. Solche gab es von Bands anfangs kaum. Frasch entwickelte mit dem CVJM das Format „Church Mob“: Gottesdienste, die viermal im Jahr gefeiert und vom CVJM mitgestaltet und von vielen jungen Leuten besucht werden.

Der Pfarrer, der selbst Gitarre spielt, hat sich bemüht, die Bandbreite der Musik zu erweitern.

Vielfalt ermöglichen und trotzdem zusammenhalten

Überhaupt, die Vielfalt. Wir leben in einer Zeit, so Frasch, in der Menschen und Interessen immer unterschiedlicher werden. „Wenn ich möchte, dass wir keine kleine Splittergruppe werden, dann muss ich Vielfalt ermöglichen.“ Und es gilt, trotzdem zusammenzuhalten. Das sei fast der schwerere Teil. „Das würde ich gern ins Stammbuch schreiben: Leute, guckt, dass ihr zusammenhaltet als eine Gemeinde.“ Jeder hat sein Recht und einen eigenen Stil, führt Frasch aus. „Was hält uns als eine Kirchengemeinde zusammen, und was bringt uns als eine Kirchengemeinde zusammen?“, sinniert er. „Was macht uns zu einer Gemeinde?“: Das Thema habe sich für ihn „die ganze Zeit durchgezogen“. Die Vielfalt wegzulassen, sei nicht die Lösung. „Das Gemeinsame suchen, das, glaube ich, bleibt für Welzheim eine wichtige Frage.“

Rienharz konnte eine eigene Kirchengemeinde bleiben

In Fraschs Amtszeit fiel darüber hinaus die Umgestaltung der Gesamtkirchengemeinde zu einer Verbundkirchengemeinde, um einerseits das Zusammenwirken von Welzheim und Rienharz zu vereinfachen und andererseits Rienharz zu ermöglichen, eine eigene Kirchengemeinde zu bleiben.

Bauliche Themen gehörten ebenfalls zu den Aufgaben des Pfarrers, sei es, indem der Tiefhof vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus verschwand oder Instandhaltungen für die Gebäude anstanden. Aufgaben, die sicher auch den Nachfolger von Markus Frasch begleiten werden. Ihm selbst fällt der Wechsel nun, da die Kinder in Studium und Ausbildung sind, ein Stück weit leichter. Und er freut sich, „dass ich Dekan werden und im Raum Stuttgart bleiben darf“.

Die Umzugskartons packt er zwar noch nicht, aber: „ich bin am Aussortieren“, erzählt Pfarrer Markus Frasch. Viel Papier sichtet der 55-Jährige derzeit. Am Donnerstag stand die letzte Dienstbesprechung an. Pfarrerin Ingeborg Brehmer wird interimsweise in der Geschäftsführung vertreten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Wann das der Fall sein wird, kann der bisherige Geschäftsführende Pfarrer nicht sagen. Die Stelle sei zügig ausgeschrieben worden. Es gab aber bisher leider keine

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