Welzheim

Welzheimer Redaktion verliert mit Rainer Stütz ihren ruhenden Pol

Redakteur Rainer Stütz am letzten Arbeitstag an seinem Arbeitsplatz in der Welzheimer Lokalredaktion
Rainer Stütz an einem seiner letzten Arbeitstage an seinem für Redakteursverhältnisse schon ziemlich aufgeräumt wirkenden Schreibtisch in der Welzheimer Redaktion. Und bis zuletzt hat er sich außer für die Waldbahn auch für die Wiesel-Verlängerung bis Welzheim eingesetzt. © Joshua Stütz

Zum Schluss ist er noch einmal so richtig aufgeblüht. Ein neuer Kollege (Jörg Hinderberger), der auch sein Nachfolger als Statthalter des Zeitungsverlags Waiblingen in der Welzheimer Redaktion ist, das Ende der Einsamkeit, die ihn als Redakteur seit dem Tod seines Kollegen Willy Baireuther über weite Strecken begleitet hat, und ein entspanntes, konstruktives und geradezu freundschaftliches Klima, wie es in der Redaktion in der Vergangenheit auch nicht immer an der Tagesordnung war – kein Wunder, dass Rainer Stütz der Abschied aus dem Redakteursleben und aus der Welzheimer Redaktion letztendlich vielleicht doch ein bisschen schwerer fällt, als er selber bis vor gar nicht allzu langer Zeit gedacht hat. „Ich gehe mit gemischten Gefühlen“, sagt Rainer Stütz, der offiziell zwar erst auf Ende Juli den Dienst quittiert, jetzt aber schon weg ist, weil er vorher noch Urlaub und freie Tage abbaut, die sich im Lauf der Zeit durch viele Sonntagsdienste angesammelt haben. Er sagt aber auch: „Ich gehe mit einem guten Gefühl.“ Und das darf einer haben, der 45 Jahre lang geschrieben, fotografiert, redigiert und Seiten gebaut hat. Und der Zeitungsgeschichte vom Bleisatz bis zum Beginn des neuen ZVW-Online-Portals mit all den technischen und redaktionellen Neuerungen, die dazwischenlagen, erlebt hat. Und die 45 Jahre sind – nur für den Fall, dass einer meint, der Kerle sei mit seinen 64 Jahren doch gar nicht so alt und hätte gut noch eine Zeit lang schaffen können – auch der Grund, warum Rainer Stütz die Redaktion etwa eineinhalb Jahre vor Erreichen des offiziellen Rentenalters verlässt.

Er selber charakterisiert sich als „fair, aber auch kritisch“

Rund 25 Jahre lang war der gebürtige Schwäbisch Gmünder der Ruhepol in der Welzheimer Redaktion – und in den Zeiten, in denen er „den Wald“ gemeinsam mit dem leider allzu früh verstorbenen Kollegen Baireuther journalistisch betreut hat, auch oft der Gegenpol. Vor allem, wenn es um Windkraft und die Waldbahn ging, aber „eigentlich meistens“, wie Rainer Stütz rückblickend sagt. „Aber das waren auch Auseinandersetzungen, aus denen man viel lernen konnte“, sagt er und blickt keineswegs im Zorn zurück, sondern in der gelassenen und gutmütigen Art, die ihn auszeichnet und die ihn zu dem angenehmen Kollegen und Mensch und zu dem verlässlichen und vertrauenswürdigen journalistischen Begleiter der vor allem auch kommunalpolitischen Geschehnisse in Welzheim, Alfdorf und Kaiersbach gemacht hat, als den ihn viele geschätzt haben. Er war, wie er selber sagt, keiner, der gleich draufgehauen hat, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie er’s für richtig gehalten hätte, aber wenn’s etwas zu sagen gab, dann hat er es getan. Als „fair, aber auch kritisch, wenn’s geboten ist“, charakterisiert er sich selber als Redakteur und streitet dabei „ein gewisses Harmoniebedürfnis“ gar nicht ab. Was nicht heißt, dass es nicht auch Leute gab, mit denen er nicht konnte und die mit ihm nicht konnten. Alles andere wäre aber auch nicht normal – zumal bei einem Journalisten, der es nie allen recht machen kann und schon gar nicht darf und will.

Seine Frau hat er bei Terminen im Rathaus kennengelernt

Schon während seiner Schulzeit hat sich Rainer Stütz journalistisch betätigt: als Schülerzeitungsredakteur und als freier Mitarbeiter bei den Gmünder Tageszeitungen. Studieren war seine Sache nicht, er wollte lieber „produktiv schaffen“ und hat sich deshalb nach dem Abi um ein Volontariat bei der Esslinger Zeitung bemüht – mit schnellem Erfolg, weil Volontäre damals allenthalben händeringend gesucht wurden. Nach fünf Jahren als Volontär und Alleinredakteur fürs Neckartal und die Fildern hat er 1980 Esslingen in Richtung Stuttgarter Nachrichten/Fellbacher Zeitung verlassen und hat wiederum etwa fünf Jahre später seine über den damaligen Presseclub geknüpften Kontakte genutzt, um zum Zeitungsverlag Waiblingen zu wechseln, der seine Lokalredaktionen zu dieser Zeit personell aufgestockt hat. Gelandet ist er dann in der damals von Hans-Peter Burchard geleiteten Schorndorfer Redaktion, was sich für ihn, der damals im Rudersberger Ortsteil Oberndorf gewohnt hat, auch insofern als Glücksfall herausgestellt hat, weil er bei seinen Terminen im Rathaus seine spätere Frau Gabi kennengelernt hat, die in den Gemeinderats- und Ausschusssitzungen Protokoll geführt hat. Aber auch sonst waren die rund zehn Jahre in der Schorndorfer Redaktion eine schöne Zeit. „Da hatte man auch noch Zeit für andere Dinge“, sagt er schmunzelnd – ohne näher ins Detail gehen zu wollen. 1995 dann – nach einem halbjährigen Redaktionstausch mit dem Kollegen Baireuther, bei dem er zumindest beruflich erstmals Welzheimer Wald-Luft geschnuppert hat – der Wechsel nach Welzheim, wohin er erst einmal die Gemeinde Rudersberg mitgenommen hat, die einige Jahre später dann wieder von der Schorndorfer Redaktion übernommen worden ist.

Zeitung vor Ort, die Redakteure Rainer Stütz und Bernd Klopfer auf dem Wochenmarkt
Nicht nur bei Pflichtterminen wie „Zeitung vor Ort“ war Rainer Stütz nah bei den Menschen und ihren Anliegen. © Pavlovic

In seiner zweiten Heimat Welzheim kannte ihn „jede Sau“

Ein bewegtes journalistisches Leben, aber nichts im Vergleich zu dem, was sich Rainer Stütz im Laufe der letzten Jahrzehnte an Wohnungswechseln zugemutet hat. Von Rudersberg ging’s nach Oberberken, von dort nach Großdeinbach, dann weiter nach Kaisersbach, anschließend nach Winterbach und zu guter Letzt nach Plüderhausen – vieles geschuldet den Bedürfnissen der vier Kinder, die allesamt verschiedene Waldorfschulen besucht haben und ihren Vater auch noch heute gut beschäftigen. Schließlich ist die jüngste Tochter gerade mal elf Jahre alt, während ihn die mit 29 Jahren älteste schon einmal zum Opa gemacht hat. Es gibt also auch im Ruhestand genügend Aufgaben und Verpflichtungen, zumal auch noch ein Hund Aufmerksamkeit braucht und der angehende Ruheständler in den letzten Jahren nach und nach Kochen zu seinem Hobby gemacht hat. Aber beruflich gleich von 100 auf null zurückfahren möchte Rainer Stütz sein Leben auch nicht. Hie und da noch einen Artikel zu schreiben und das zu tun, was ihm im Beruf das Liebste war, nämlich mit den Menschen in Kontakt zu sein, dagegen hätte er nichts einzuwenden. Zumal ihm Welzheim, obwohl er ausgerechnet dort nie gewohnt und ihn trotzdem „jede Sau“ gekannt hat, zur zweiten Heimat geworden ist. Was nicht heißt, dass er sich in seiner Wahlheimat Plüderhausen nicht wohlfühlt, ganz im Gegenteil: „Die Gemeinde hat durch die Gartenschau unheimlich gewonnen.“

Abschiedswünsche für die drei Wald-Kommunen

Für seine drei Gemeinden, die er nun verlässt und in denen er Bürgermeister kommen und gehen sehen hat – darunter so Urgesteine wie Hermann Holzner und Bodo Kern –, erlaubt er sich zum Abschied jeweils noch einen Wunsch. Vom Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr würde er sich mehr Engagement für die Waldbahn wünschen, den Kaisersbachern, wie er’s diplomatisch und ohne Namensnennung ausdrückt, „eine stärkere Führung“ und den Alfdorfern und damit auch dem neuen Bürgermeister Ronald Krötz, dass die in viele Teilorte zersplitterte Gemeinde mehr zusammenwächst.

Was andere über Rainer Stütz sagen

Ich habe sehr gerne mit Herrn Stütz zusammengearbeitet, sowohl im kommunalpolitischen Bereich als auch hauptberuflich als Pressesprecher der Polizei in Waiblingen und Aalen. Herr Stütz hatte eine ausgesprochen ruhige und sachliche Art, die ich an ihm besonders geschätzt habe. Im Gegensatz zu vielen anderen Journalisten, die manchmal sehr gehetzt aufgetreten sind, hatte er eine eher beruhigend wirkende Art. Er war berechenbar und hat sehr objektiv und nie reißerisch über Sachverhalte berichtet, ohne dass wichtige Inhalte verloren gegangen sind. Er hat sehr gut in die Waldredaktion gepasst und hat sich mit seinem leider viel zu früh verstorbenen Kollegen Willy Baireuther, der eher der unruhige Pol der beiden war, sehr gut ergänzt. Ich wünsche Herrn Stütz alles Gute im Ruhestand, vor allem, dass er nach dem vielen beruflichen Stress den Übergang in den nächsten Lebensabschnitt gut hinkriegt. (Klaus Hinderer, stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister in Alfdorf) Rainer Stütz war als Lokalreporter immer „nah dran“ an den Menschen und Themen „uff´m Wald“. Er hat lange Jahre in Kaisersbach gelebt und war in der Bevölkerung gut vernetzt. Er berichtete informativ und objektiv über das kommunalpolitische Geschehen. Zeigte aber auch durchaus eine spitze Feder, wenn er kommentierte. Gute Recherche war ihm wichtig. Die Zusammenarbeit war immer angenehm. Er war zum Beispiel bei der Blutspenderehrung auch immer gerne bereit, uns für das Mitteilungsblatt seine Fotos zur Verfügung zu stellen, wenn ich meine Kamera vergessen hatte. Ich wünsche ihm für seinen Ruhestand alles Gute.“ (Die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller)Rainer Stütz ist ein intimer Kenner der Welzheimer Stadtpolitik und der Menschen dieser Region; eine konstante Größe unserer Welzheimer Zeitung über den gesamten Welzheimer Wald; ein Mensch mit klarer Haltung und eigener Meinung; kein Redakteur der lauten Töne, sondern der fairen, sachlichen und differenzierten Berichterstattung; ein feiner Mensch, zu dem wir eine belastbare Vertrauensbasis haben. – Die Welzheimer Zeitung ist eine unverzichtbare Einrichtung für den Welzheimer Wald und er hat ihre Berichterstattung in hohem Maß geprägt. Wir danken für viele gute Ideen und seinen produktiven Einsatz über all die Jahre. Wir werden ihn in einem ordentlichen Rahmen verabschieden, soweit dies in den aktuellen Umständen möglich ist. Wir hoffen, er bleibt uns in schreibender Funktion noch etwas erhalten und er bleibt der Stadt und dem Wald gewogen. Für seinen Ruhe- oder Unruhestand alles erdenklich Gute. (Der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr)