Welzheim

Welzheimer Wald soll familienfreundlicher werden

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Reinhold Kasian, Welzheim, Alfdorfs Bürgermeister Michael Segan, Ingrid Gulden von den Tagesmüttern, Karl-Thomas Starke, Wirtschaftsforum, Mutter Anke Werner, Patrick Jantsch, SOS-Kinderdörfer, und Isabel Schmitz, ebenfalls vom Tagesmütterverein. © Siekmann / ZVW
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Wirtschaftsforum
Vor rund eineinhalb Jahren sprach Ingrid Gulden für den Tagesmütterverein beim Wirtschaftsforum Welzheimer Wald/Wieslauftal über das Thema „Mehrwert von und für Menschen im Unternehmen“. Nun arbeiten Tageselternverein, Unternehmen, Kommunen und Vereine zusammen. © Büttner / ZVW

Welzheimer Wald/Wieslauftal. Wer an Infrastruktur denkt, hat in erster Linie Straßen, Brücken und Internet vor Augen. Doch nicht nur für Kommunen und Firmen im Welzheimer Wald und im Wieslauftal wird der Faktor Familienfreundlichkeit immer wichtiger, wenn es darum geht, Arbeitnehmer – ihre Familien – in die Region zu locken. Wer in diesem Wettbewerb mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf punkten kann, hat Vorteile. Das ist ein Grund dafür, warum ein lokales Bündnis für Familien gegründet werden soll.

Nicht nur Anke Werner kennt das. Sie ist Mutter. Wenn beide Eltern berufstätig sind, ist es mitunter schwierig, in den Ferien die Kinderbetreuung sicherzustellen. Wie gut, dass es in den Gemeinden die Ferienbetreuung gibt. Doch nicht alle Tage sind abgedeckt. Teils gibt es Überschneidungen. Da finden in der ersten Ferienwoche elf Angebote in Alfdorf, Kaisersbach und Welzheim statt und in der letzten Woche bloß noch drei. Wäre es da nicht gut, wenn jemand die Ferienbetreuung koordinieren könnte, wenn jemand dieses Angebot erst einmal zusammenfasst und in einem zweiten Schritt überlegt, was verbessert werden könnte? Wie praktisch wäre es, wenn bei diesen Planungen Eltern, Verwaltung und Vereine mitsprechen könnten, wenn sie abwägen, was wünschenswert und machbar ist?

Heimat familienfreundlicher machen

Die Zusammenfassung und Koordinierung der Ferienbetreuung ist ein Grund dafür, warum sich am 8. November in Alfdorf das „Lokale Bündnis für Familie Welzheimer Wald/Wieslauftal“ offiziell gründen wird. Eltern, Verwaltung, Firmen und Vertreter der Zivilgesellschaft wollen ihre Heimat familienfreundlicher machen.

Ein Wettkampf der Regionen um genügend Fachkräfte

„Wir wollen gewährleisten, dass Kinder – insbesondere von berufstätigen Eltern – in den Ferien ein verlässliches, vielfältiges und ausreichendes Betreuungsangebot vorfinden und nutzen können“, heißt es. Karl-Thomas Starke vom Wirtschaftsforum Welzheimer Wald/Wieslauftal klinkt sich ein. Für die Firmen gehe es darum, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Da spielten nicht nur günstige Baupreise eine Rolle. Es gebe einen Wettkampf der Regionen und zwischen den Firmen. Und hier hätten „familienbewusste Unternehmen“ bessere Karten. Vor Ort müsse man den Menschen „die Möglichkeit geben, einem Beruf nachgehen zu können, mit dem Wissen, dass die Kinderbetreuung organisiert ist“.

Michael Segan, Bürgermeister von Alfdorf, betont, man wolle möglichst viele Kräfte bündeln, um die Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern.

"Familienbüro" in der Brunnenstraße 18

Eine Mutter, ein Bankvorstand, ein Bürgermeister: Hier sitzen verschiedene Experten an einem Tisch. Man wolle „ein starkes Netzwerk knüpfen, Kompetenzen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammenbringen“, teilen die Partner mit. Das lokale Bündnis soll auch Anlaufstelle sein. Diese soll erst mal beim Tagesmütterverein angedockt werden. Die Rede ist von einem „Familienbüro“ in den Räumen der Geschäftsstelle in der Brunnenstraße 18.

Zweijähriger Prozess

Ingrid Gulden vom Tagesmütterverein Welzheimer Wald blickt zurück: Mitglieder ihres Vereins und des Wirtschaftsforums hätten sich darüber ausgetauscht, wie sie sich gegenseitig unterstützen könnten. In einem fast zweijährigen Prozess hat die Steuerungsgruppe Gespräche geführt: Was wünschen sich Familien? Was versprechen sich Firmen? Wie sehen Verwaltungen die Sachlage? Schnell sei man auf die bundesweit zahlreichen lokalen Bündnisse für Familie gestoßen. Der Ball kam ins Rollen. Weitere Mitspieler wurden gefunden, das Spielfeld wurde erweitert.

Je mehr mitmachen, desto größer wird das Team

Am 8. November ist dann offizieller Anstoß. Die Spielzeit soll drei Jahre betragen. Dann wisse man, welche Wege sich einstudiert haben, ob das Team noch Verstärkung braucht, wie viele Fans ihr Bündnis gewinnen konnte. Je mehr mitmachen, desto größer wird das Team, und je lauter die Fangesänge sind, umso mehr fühlen sich vielleicht andere Partner animiert, mitzumachen. Etabliert sich das Bündnis, soll es eine Art eigenes Vereinsheim geben. Reinhold Kasian wünscht sich, und er klingt zuversichtlich, dass das Bündnis „unverzichtbar“ werden wird. Dann werde sich diese gute Idee bestenfalls verselbstständigen.

Kompetente Ansprechpartner vermitteln Kontakte

Wer Fragen hat, die sich um Betreuung, Zuschüsse, Bildung, und die Pflege von Familienangehörigen drehen, soll beim Bündnis kompetente Ansprechpartner finden. Somit müssten Hilfesuchende nicht erst überlegen, wen sie wo erreichen können. Das Familienbüro kann Anfragen beantworten und Kontakte vermitteln – auch in andere Kommunen. Die Gesamtkoordination übernimmt Isabel Schmitz. Einmal im Jahr soll es eine Veranstaltung für alle Bündnispartner geben. Was sie sonst noch alles anbieten könnten, darüber werden sie am 8. November und in den kommenden Monaten nachdenken.


Organisation, Ziele und Anregungen

Michael Segan nennt vier Ziele des lokalen Bündnisses: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, damit verbunden ist die Steigerung des Standorts Welzheimer Wald/Wieslauftal.

Über das Bündnis sollen dauerhafte Partnerschaften entstehen und wachsen. Weil im Laufe der Jahre auch von außen Probleme, Ideen und Anregungen an das Bündnis herangetragen werden, will das Netzwerk spezische Lösungen für diese Fragen entwickeln, Kompetenzen sollen sich ergänzen. Auch der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf will das Bündnis Rechnung tragen.

Weitere Handlungsfelder seien Digitalisierung, Fachkräftesicherung und das Thema väterfreundliche Kommune. Immer mehr Väter hätten den Wunsch, mehr in der Familie aktiv zu sein, sich zu informieren und fortzubilden. Auch für sie könne das Bündnis Anlaufstelle sein.

Den Fokus will das Bündnis auch auf jene Familien lenken, die kein familiäres Netz vor Ort haben. Hier gehe es ebenfalls darum, Informationen zu bündeln und zentral zur Verfügung zu stellen.

Reinhold Kasian von der Stadt Welzheim spricht das Thema interkommunale Zusammenarbeit an, nicht nur bei der Ferienbetreuung.

Wirtschaft und Kommunen unterstützen das Projekt finanziell.

Um diese ganzen Angelegenheiten will sich eine paritätisch besetzte Steuerungsgruppe aus Bürgermeistern, Verantwortlichen der Wirtschaft und Zivilgesellschaft kümmern. Diese Gruppe will auch die Erreichbarkeit im Netz und vor Ort, erst mal angesiedelt in der Geschäftsstelle des Tageselternvereins in Welzheim, koordinieren. Sie will sich auch um die dauerhafte Finanzierung des Angebots kümmern.

„Es geht nicht alles ehrenamtlich“, betont Ingrid Gulden. Wenn Firmen beispielsweise damit werben wollen, sie engagierten sich beim Bündnis für Familie, könnten sie einen Mitgliedsbeitrag zahlen und mit der Finanzierung eines Beratungsangebotes einen Mehrwert schaffen.

Familienwegweiser

Bei der Gründungsveranstaltung im Alfdorfer Rathaus am 8. November um 18 Uhr können Interessierte Fragen stellen, Wünsche und Anregungen einbringen. Danach sollen organisatorische Strukturen aufgebaut werden.

Angedacht ist eine eigene Internetseite mit einer Art „Familienwegweiser“. Vereine, Interessierte, Schulen, Kindergärten und weitere Firmen sollen als Bündnispartner gewonnen werden. Eine Kontaktadresse gibt es bereits: info@buendnis-www.de.