Welzheim

Welzheimer Wald: Was die hohen Benzinpreise für den sozialen Bereich bedeuten

DiakonieSpritpreis
Ohne Auto geht es nicht: Susanne Faas fährt für die Diakoniestation Wieslauftal Welzheimer Wald das „Essen auf Rädern“ aus. © Gaby Schneider

Ein Blick auf die Tankstellensäule mit den Preisen, und einer auf die Uhr: Man könnte ja auch auf dem Heimweg tanken. Auf dem Rückweg stellt man fest: Der Spritpreis ist selbst in der kurzen Zeit gestiegen. Die derzeit hohen Benzinkosten treffen Privatleute, Firmen, aber auch den sozialen Bereich.

Zum Beispiel die Diakoniestation Wieslauftal Welzheimer Wald. Der ambulante Pflegedienst bekommt eine Pauschale für die Anfahrt zu einem Patienten. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittswert, unabhängig davon, ob die Mitarbeiter zu einer Adresse in Kaisersbach eine Viertelstunde oder in der Nachbarschaft unterwegs sind, so Holger Engelbart, Pflegedienstleitung der Diakoniestation. Der Betrag enthält Kosten für die Arbeitszeit sowie anteilig für Benzin. Dazu gibt es Investitionskosten als fester Betrag, der pro Hausbesuch in Rechnung gestellt wird. „Die Anfahrtspauschale ist eine Preisvereinbarung zwischen den Wohlfahrtsverbänden und den Pflegekassen“, erklärt Engelbart. Und damit eher eine langfristige Angelegenheit. „Es wird sicherlich relevant für die Verhandlungen.“ Aber: „Wenn die Spritpreise so explodieren, wie es aktuell der Fall ist, können sie so nicht abgefangen werden“, sagt der Pflegedienstleiter. „Wir haben zusätzliche Kosten.“

„Es wird bei uns liegen, diese Kosten zu tragen“

Kurzfristig wären die Investitionskosten eine Drehschraube, doch zunächst ist keine Erhöhung geplant. So schlagen die Benzinkosten ins Kontor: „Es wird bei uns liegen, diese Kosten zu tragen.“

Für das „Essen auf Rädern“ werden relativ lange Wege zurückgelegt

Die Diakoniestation Welzheimer Wald Wieslauftal hat 27 Fahrzeuge. Drei von ihnen fahren mit E-Mobilität und Naturstrom. „Komplett umstellen wird nicht gehen von der Infrastruktur her.“ Der Strompreis ist ebenfalls gestiegen, aber nicht so heftig wie der Benzinpreis.

Das „Essen auf Rädern“ als Angebot der Diakoniestation fällt streckenmäßig sehr ins Gewicht, weil dafür relativ lange Wege zurückgelegt werden. Im Preis, den die Diakoniestation dafür enthält, gibt es einen Anteil für die Mahlzeit und einen für die Anfahrt. Das „Essen auf Rädern“ übernimmt die Pflegekasse nur zum Teil mit einer Pauschale für die Anfahrt. Darüber hinaus gibt es Kunden, die ihr Menü privat zahlen. Das „Essen auf Rädern“ ist wichtig, doch reich wird die Diakoniestation dadurch nicht. „Es trägt sich auch gerade so.“

Nun heißt es abwarten, „ob sich das Benzinhoch auf die Dauer fortsetzt“, meint Holger Engelbart. „Wir wollen das nicht gleich eins zu eins umsetzen.“ Es sei natürlich nicht schön, wenn die Preise nach oben gehen, meint er. Langfristig aber gibt er zu bedenken: „Wenn es so bleibt, bleibt uns wohl nichts anderes übrig.“

DRK: „Helfer vor Ort“ bekommen Benzin für Anfahrt nicht ersetzt

Die DRK-Ortsvereine spüren die gestiegenen Benzinpreise ebenfalls, weiß Michael Linde, stellvertretender Bereitschaftsleiter für den DRK-Ortsverein Alfdorf und den Ortsverein Welzheim. Zum einen betrifft es die ehrenamtlichen DRK-Aktiven. Werden etwa die „Helfer vor Ort“ gerufen, sie werden parallel zum Rettungsdienst alarmiert, um sofort mit den nötigen Maßnahmen zu beginnen, engagieren sie sich „zu 100 Prozent ehrenamtlich“. Sie bekommen das Benzin für eine Anfahrt nicht ersetzt. Würden sie ein DRK-Einsatzfahrzeug nutzen, wären sie mit dessen Sprit unterwegs. Im Ernstfall aber läuft die Zeit, eilen die Helfer vom Arbeitsplatz oder von daheim ins Privatauto und machen sich auf den Weg.

Aufwendungen wie die Anfahrt muss der Ortsverein tragen

Die hohen Benzinpreise treffen zudem die DRK-Ortsvereine selbst. „Wenn wir zu Einsätzen dazukommen, dann gehen alle Kosten zulasten des jeweiligen Ortsvereins“, erklärt Linde. Kümmert sich dieser zum Beispiel bei einem längeren Feuerwehreinsatz um die Betreuung und Versorgung der Brandretter, so ersetzt die Stadtverwaltung die Ausgaben für Essen und Getränke. Aber: „Alle zusätzlichen Aufwendungen wie die Anfahrt oder das medizinische Material muss der Ortsverein selbst tragen.“ Haben etwa die „Helfer vor Ort“ bei einem Einsatz medizinisches Material verbraucht, wird das aus der DRK-Vereinskasse bezahlt.

„Es fällt etwas weg, weil jeder den Gürtel enger schnallen muss“

Die füllt sich nicht von selbst, insbesondere nicht in Corona-Zeiten. Für Erste-Hilfe-Kurse etwa zahlt der Besucher eine festgesetzte Gebühr, die alle anfallenden Kosten decken soll, wie zum Beispiel das Heizen der Lehrsäle. Die Energiekosten sind gestiegen, wegen der Pandemie muss mehr gelüftet werden.

Steigende Kosten schmälern den Erlös, die Beiträge für die Kurse sind aber kreisweit vereinheitlicht. Was unter dem Strich bleibt, finanziert die ehrenamtliche Arbeit des DRK auf lokaler Ebene mit.

Durch Sanitätsdienste kann der Ortsverein ebenfalls kaum Einnahmen generieren. Seit der Corona-Pandemie mit ihren ausfallenden Veranstaltungen sind sie nahezu ausgeblieben, so Michael Linde weiter.

Und: „Es fällt etwas weg, weil jeder den Gürtel enger schnallen muss“, beobachtet der stellvertretende Bereitschaftsleiter einen Rückgang von Geldspenden.

Stichwort Fördermitgliedschaften? Dafür kommt’s auf die Konjunktur an, aber auch auf „die Bevölkerung, die sich für das Rote Kreuz engagiert“, gibt Linde zu bedenken. „Die Kriegsgeneration war noch eher Rot-Kreuz-geprägt“, vergleicht er und ergänzt: „Die Generation, die engagiert ist, wird weniger.“

Fazit zu den Spritpreisen: "Uns trifft es komplett"

Lindes Fazit zu den Spritpreisen: „Uns trifft es komplett. Wir sind gespannt, wie sich die gesamte Situation weiterentwickelt, und beobachten das mit großer Sorge.“

Auch der Bürgerbus auf dem Welzheimer Wald muss tanken. Das ehrenamtliche Fahrtangebot richtet sich an Einwohner aus Alfdorf, Kaisersbach, Welzheim sowie Walkersbach. Ältere, aber auch jüngere Passagiere, die sich etwa den Arm gebrochen haben und nicht selbst fahren können, jene, die nicht zur Bushaltestelle laufen können oder in kleinen Teilorten und Weilern fernab des ÖPNV leben, können den Bürgerbus nutzen. Es gibt einen Kaisersbacher und einen Alfdorfer Bus. Beide fahren zu Zielen im Nahbereich um die vier Orte und nach Lorch, Spraitbach, Mutlangen und Gschwend. Im Schnitt wurden täglich 100 bis 150 Kilometer zurückgelegt, sagt Organisator Klaus Hinderer.

Coronabedingt weniger Angebote, die die Passagiere besuchen wollen

Derzeit fährt der Bus nicht so viel, weil es coronabedingt weniger Angebote gibt, die die Passagiere besuchen wollen, so dass die Busse auf etwa 50 bis 80 Kilometer am Tag kommen. Die Fahrten sind frei. „Wir freuen uns aber über Spenden.“ Die erhält der DRK-Kreisverband, der Träger der Busse ist. Kosten werden umgelegt auf die profitierenden Gemeinden, die auch die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben finanzieren.

Ein Blick auf die Tankstellensäule mit den Preisen, und einer auf die Uhr: Man könnte ja auch auf dem Heimweg tanken. Auf dem Rückweg stellt man fest: Der Spritpreis ist selbst in der kurzen Zeit gestiegen. Die derzeit hohen Benzinkosten treffen Privatleute, Firmen, aber auch den sozialen Bereich.

Zum Beispiel die Diakoniestation Wieslauftal Welzheimer Wald. Der ambulante Pflegedienst bekommt eine Pauschale für die Anfahrt zu einem Patienten. Dabei handelt es sich um einen

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