Welzheim

Welzheimer machen sich stark für zweites öffentliches Bücherregal

buecherregal
Die Bücherfreunde am anvisierten Standort für ein zweites Regal: Sibylle Plötze, Buchpatin Astrid Berger, Volker Knödler, Philip Köngeter und Vorsitzende Jennifer Haußmann. © Markus Metzger

Die Welzheimer lieben ihr offenes Bücherregal. Deshalb möchten die Bücherfreunde ein zweites öffentliches Bücherregal einrichten. Für die Anschaffung einer soliden, professionell gebauten Vitrine mit Stellfläche für rund 450 Bücher sammeln sie Geld. Einen geeigneten Standort haben sie schon gefunden.

Und zwar am zentralen Gottlob-Bauknecht-Platz : Vor dem ehemaligen Polizeiposten, wo gegenüber samstags Wochenmarktbesucher und während der Woche die Einkaufenden vorbeigehen, sollen Bücherfreunde künftig Lesestoff finden können, den sie kostenlos, anonym, formlos, einfach im Vorbeigehen mitnehmen können. So wie es seit dreieinhalb Jahren in der Gemeindehausstraße in der „Unterstadt“ praktiziert wird: Dort hat sich das 2018 aufgestellte öffentliche Regal zu einem Bücherumschlag-Hotspot entwickelt. Mindestens 1500 Bücher wechseln hier pro Jahr den Besitzer.

Dahinter steckt eine heitere Truppe aus engagierten „Bücher-unter-die-Leute-Bringern“: Zu fünft haben sie jetzt im September den Verein „Bücherfreunde“ gegründet, und – selbsterklärend – ist Bücherliebe ihre Triebfeder. „Es macht uns unglaublich viel Spaß, die Bücher nach Themen zu sortieren und dann zu sehen, wie wir vielen Leuten mit Büchern eine Freude machen“, sagt die Vorsitzende Jennifer Haußmann. Für den Erfolg tun sie etwas: „Dadurch, dass das Regal täglich kontrolliert wird, bleibt es in Bewegung und bietet immer wieder Anreiz, vorbeizuschauen.“ Die anfängliche Befürchtung, sie könnten auf einem Haufen Schund sitzenbleiben und das Regal könnte zum Altpapierlager verkommen, habe sich zerstreut. „Das genaue Gegenteil ist der Fall, es kommen richtig gute, tolle Sachen zu uns“, so Schriftführerin Sibylle Plötze. Qualität ziehe Qualität an. Wer sich von Büchern trennen möchte, kann seine Werke direkt hinbringen und ins Regal stellen, dann freut sich jemand anderes. Die Idee des offenen Büchertauschs hat in Welzheim einen Nerv getroffen. „Unsere Lager laufen über“, sagt Jennifer Haußmann. „Wir brauchen auf lange Sicht mehr Platz“, bestätigt Kassier Volker Knödler das erfreuliche Buchaufkommen.

Darum, dass keine Laden- oder vielmehr Regalhüter wie Blei und unangerührt auf den Brettern stehen bleiben, kümmert sich Buchpatin Astrid Berger. Sie sei meistens in guter Gesellschaft bei ihrem Kontrollgang, erzählt sie. „Viele sprechen mich an und bestärken uns, weiterzumachen.“ Selten, dass sich niemand zu ihr ans Regal geselle, um ein paar Takte zu plaudern. „Ich achte darauf, dass die Bücher sauber sind und dass auch das Regal frei von Müll und Schmutz ist“, zählt sie ihre Aufgaben auf.

Auch ein inhaltlicher Check gehöre dazu: „Wir haben leider schon Propagandamaterial mit rassistischen oder extrem christlichen Texten gefunden“, erzählt die Regalpatin von unerfreulichen, unerwünschten Medien aus extremistischen Ecken, die allesamt auf dem Müll landen, wie sie versichert. Abgesehen von den Ausnahmen seien sie aber gesegnet mit „tollen, attraktiven Titeln“. Auch die Buchfans machen Entdeckungen. Sibylle Plötze sagt, sie habe hier ihren Lesehorizont schon geweitet - und dem örtlichen Buchhandel Umsätze beschert. „Ich habe schon Bücher hier entdeckt, die so toll waren, dass ich sie dann mehrmals nachbestellt und verschenkt habe.“

Kaum ein Tag vergehe, ohne dass sich die Bestände mit Neuem füllen, die Fluktuation an Lesbarem sei erstaunlich. „Teilweise bringen uns Leute ganze Kartons.“ Besonders deutlich habe sich der Zuwachs während der beiden Lockdowns gezeigt, als alle mehr Zeit hatten fürs Entrümpeln ihrer Privatbibliotheken. „Ich habe in der Zeit in unserem privaten Carport bereits einen Karton für eine kontaktlose Abgabe deponiert“, so Jennifer Haußmann. Inzwischen wissen sie vor lauter Büchern kaum mehr, wohin damit. Da die Bücherflut erfreulicherweise kein Ende nehme, die Platzkapazitäten aber schon, peilen sie nun ein zweites Regal an.

Die „große Lösung“ wäre ein Bücherschrank, der nach vier Seiten hin offen ist, mit Panzerglas und selbst schließenden Türen. Kostenpunkt: rund 10 000 Euro. „Wenn wir das nicht zusammenbringen, gibt es auch eine kleine Lösung, für rund 6500 Euro“, sagt Jennifer Haußmann. Bei der Gemeinde sei man mit dem Anliegen auf offene Ohren gestoßen, berichtet Philip Köngeter, Stadtrat und Mitglied der Bücherfreunde. Der Bauhof würde einen Kiesstreifen rund um das Regal installieren. Das Regal könne den ihrer Meinung nach viel zu wenig beachteten Platz aufwerten. „Die kleine Grünanlage verdient mehr Aufmerksamkeit“, sagt Jennifer Haußmann. Bänke zum Schmökern seien bereits vorhanden, im Sommer spendet ein großer Ahornbaum angenehmen Schatten, nebenan in der Eisdiele kann man sich ein Eis holen.

Jetzt zu Weihnachten wollen sie das Regal wieder dekorieren und schmücken. Lebendig bleibe das Regal zudem durch regelmäßige „Specials“, jeden Freitag mit wechselndem Themenschwerpunkt.

Im Schnitt alle drei Monate gibt es zudem eine Tauschwoche, in der Gegenstände getauscht werden können und die Bücher für eine Woche aus dem Regal verbannt werden. Jetzt zu Weihnachten könnte dies manchem Last-Minute-Geschenkkäufer aus der Klemme helfen.

Info

Wer die Anschaffung eines zweiten offenen Bücherregals befürwortet, kann die Bücherfreunde mit einem Geldbetrag unterstützen. Entweder online über das „Crowdfunding“-Portal betterplace oder per Kontoüberweisung.

Spenden sind auch über die Kontonummer oder per Paypal ohne Spendenbescheinigung möglich. Bankverbindung: Bücherfreunde Welzheim e.V. oder paypal: buecherregal-welzheim@gmx.de

DE 30 6025 0010 0015 1893 32

BIC SOLADES1WBN

Die Welzheimer lieben ihr offenes Bücherregal. Deshalb möchten die Bücherfreunde ein zweites öffentliches Bücherregal einrichten. Für die Anschaffung einer soliden, professionell gebauten Vitrine mit Stellfläche für rund 450 Bücher sammeln sie Geld. Einen geeigneten Standort haben sie schon gefunden.

Und zwar am zentralen Gottlob-Bauknecht-Platz : Vor dem ehemaligen Polizeiposten, wo gegenüber samstags Wochenmarktbesucher und während der Woche die Einkaufenden vorbeigehen, sollen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper