Welzheim

Weniger Wasser im Welzheimer Wald

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Hubert Barth zeigt, wo das Wasser im Welzheimer Wald herkommt. Aus einer Quelle, einer Kluft im Stubensandstein im Bereich der Menzlesmühle, fließt ganz gemächlich Wasser nach. Die Oberfläche kräuselt sich leicht. Auf dem Foto wirkt das Wasser trüb, in Wirklichkeit ist es kristallklar. © Ramona Adolf

Welzheimer Wald. Wie Arterien, die das Blut vom Herz wegtransportieren, durchziehen rund 180 Kilometer Wasserleitungen den Welzheimer Wald, die die Ortsnetze der sechs Mitgliedsgemeinden des Zweckverbandes Wasserversorgung Menzlesmühle mit Trinkwasser versorgen. In den Wintermonaten sammelt sich das Wasser im Boden an, das im Sommer verbraucht wird. Weil der Sommer 2015 heiß war, wurde mehr Fremdwasser benötigt als sonst.

Hubert Barth verschwindet im Schacht. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Menzlesmühle zeigt, wo das Wasser herkommt, das am Ende der Leitung in den Haushalten aus dem Wasserhahn läuft. In der Nähe der Menzlesmühle wurde ein Schacht gebuddelt. Es geht drei, vier Meter unter die Erde. Die Wasseroberfläche kräuselt sich leicht. Aus einer Kluft im Stubensandstein fließt klares Wasser herein und füllt den Behälter in der Brunnenstube. Ein Rohr leitet das Wasser weiter. Hubert Barth leuchtet den Schacht aus und deutet auf Stubensandstein. Das Wasser versickert im Gras und durchquert schließlich die geologische Formation und sammelt sich dann unter der Erde an, erklärt Barth. Aus diesen Wasserbeständen wird ein Großteil der Flüssigkeit gewonnen, die dann in den Gemeinden verteilt wird. Es wird aufbereitet, in Wassertürmen gelagert und gelangt dann in die Häuser. Weil der zurückliegende Sommer der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Baden-Württemberg war, musste mehr Fremdwasser bezogen werden als sonst üblich. Doch Wasserknappheit muss niemand fürchten. Auch bei Rohrbrüchen ist die Gefahr, dass kein Wasser fließt, äußerst gering, macht Hubert Barth deutlich. Alle Hauptorte werden über zwei oder drei Leitungen versorgt.

Manche Standorte im Welzheimer Wald sind sehr wasserreich. In manche Bereiche muss das Wasser hochgepumpt werden. Das lokale Gefälle wird hier ausgenutzt. Knapp 32 000 Menschen werden mit Wasser versorgt. Der Großteil stammt mit rund 1,145 Millionen Kubikmeter aus Quellen und Brunnen im Welzheimer Wald. Die Nordostwasserversorgung in Baden-Württemberg liefert rund 440 000 Kubikmeter Wasser im Jahr an den Zweckverband. Stellt man sich vor, dass ein Lkw 20 Kubikmeter Waren transportieren kann, spricht man von knapp 80 000 Lkw-Ladungen. Als klein, aber fein könnte man die Situation vor Ort beschreiben. Das hiesige weiche Wasser hat eine gute Qualität. Die Vorräte reichen jedoch nicht aus, um sich ausschließlich mit Eigenwasser aus dem Welzheimer Wald zu versorgen. 16 Brunnen und 16 Quellen sorgen für flüssigen Nachschub. Das seien viele kleine Anlagen, die aber auch für kurze Versorgungswege sorgten. Spitzenverbrauchstag war der 5. Juli. Auf derlei Tage mit hohem Verbrauch stellen sich die Wassermeister ein.

Es gibt Erfahrungswerte, wann die Menschen mehr Wasser verbrauchen. An Wochenenden im Sommer ist der Verbrauch am höchsten, dann sind die meisten Menschen zu Hause, gießen Blumen, baden, duschen, waschen oder füllen ihren Swimmingpool. Dann werden die Speicher in den einzelnen Versorgungszonen, beispielsweise der Hochbehälter bei Aichstrut, aufgefüllt. Das Wasser gelangt ins Netz, je nach Bedarf wird Fremdwasser beigemischt. Es wird versucht, dass das Wasser, was vor Ort gewonnen wird, auch vor Ort verbraucht wird, damit es nicht unnötig durch die Rohre gepumpt werden muss.

Jedes Jahr stehen Investitionen in Höhe von knapp 600 000 Euro an

Zehn bis zwölf Rohrbrüche gebe es durchschnittlich im Jahr. Regelmäßig muss Geld in die Erneuerung oder die Reparatur von Leitungen fließen. 500- bis 600 000 Euro kostet das im Jahr. Rund drei Prozent des Wassers geht durch Brüche und Lecklagen verloren, so Hubert Barth.

Vor 20 Jahren lag der Verbrauch der Menschen vor Ort bei circa 200 Litern pro Person und pro Tag. Aktuell liegt der Wert seit Jahren konstant bei 130 bis 135 Litern. Das Wasser, das die Bürger verbrauchen, wird vor allem in den Monaten November bis April angesammelt. In den Sommermonaten verbrauchen Mensch und Pflanzen mehr Wasser. „Man freut sich mitunter über Niederschlag. Vier bis sechs schlechte Wochen sollte es im Winter geben. Dann findet die Wiederauffüllung statt.“ Regen ist dabei besser als Schnee, hält Barth fest. Langsames Versickern sei am besten.

Im vergangenen Jahr fehlten allerdings rund 85 000 Kubikmeter an Wasser aus eigenen Quellen, knapp sieben Prozent, also 4250 Lkw-Ladungen. Es gab rund 30 Prozent weniger Niederschlag. Der heiße Sommer war nicht unbedingt das Problem. Es hatte sich im halben Jahr zuvor zu wenig Wasser angesammelt. „Ein heißer Sommer tut uns nicht unbedingt weh“, sagt Barth. Eher müsse man schauen, welche Termine stattfinden und wo mehr Wasser verbraucht werden könnte. Ein bekanntes Phänomen sind Halbzeiten bei Fußball-Länderspielen. Dann steigt der Wasserverbrauch kurzfristig stark an. Knapp 30 000 Kubikmeter Wasser haben die Menschen im heißen Jahr 2015 mehr verbraucht. Also wurde mehr Fremdwasser bezogen, was sich auf den Wasserpreis auswirkt.

Hubert Barth zeigt eine Kurve auf einem Computer. Die schlägt zweimal am dritten Advent aus. Warum? „Die Schwäbische Waldbahn hat am Vor- und Nachmittag ihre Wassertanks gefüllt“.

Rohrbruch

Ob es Rohrbrüche gibt, kann man relativ einfach erkennen. Zwischen 0 und 4 Uhr nachts ist der Verbrauch konstant gering. Gibt es hier Extremwerte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass irgendwo ein Rohr gebrochen ist.

Sobald irgendwo gebuddelt wird, erhält Barth Nachricht. Dann wird geschaut, ob in einem Abwasch neue Rohre verlegt werden könnten oder ob Reparaturen durchgeführt werden könnten. So wird versucht, Synergieeffekte zu nutzen.