Welzheim

Wer hat Interesse, in den Welzheimer Bürgergärten mitzuwirken?

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Die Bürger in Welzheim können sich aktiv bei der Gestaltung der Bürgergärten einbringen! © Gabriel Habermann

Die Champagnerluft in Welzheim genießen nicht nur die Einheimischen, sondern auch immer wieder zahlreiche Touristen. Für drei Welzheimer Bürger, die vorangehen, ist es jedoch wichtig, auch in den nächsten Jahren Möglichkeiten zu schaffen, damit Alt und Jung, Welzheimer oder Gäste, Deutsche oder Migranten gemeinsam in der Innenstadt im Garten arbeiten können. Richtig gelesen, es sollen Bürgergärten entstehen, in denen ab dem Jahr 2021 verschiedene Projekte aus der Bürgerschaft umgesetzt werden können. Welzheim soll noch attraktiver werden, auch für Menschen, die keinen eigenen Garten haben. Allen voran sind Martin Becker, Rüdiger und Astrid Szelest im Moment die treibenden Figuren aus der Welzheimer Bürgerschaft, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass es im Frühjahr 2021 losgeht. „Wir sind der Stadt Welzheim dankbar, dass es überhaupt die Möglichkeit für uns Bürger gibt, an der Planung der Bürgergärten und der Innenstadt-Aufwertung mitzumachen“, so Astrid Szelest.

Nach Planungswerkstatt und Sommerspaziergang geht es los

Die Fläche zwischen dem zentralen Busbahnhof und der Innenstadt mit dem Feuersee soll im Zuge des fünften Sanierungsabschnittes als innerstädtische Grünfläche gestaltet werden. Die Verwaltung hat deshalb 2019 alle interessierten Bürger zu zwei aufeinander aufbauenden Planungswerkstätten eingeladen, um gemeinsame Ideen für diese 4000 m² große Fläche zu entwickeln. Glücklicherweise sind der Einladung nicht nur Bürger mit guten Ideen gefolgt, sondern sogar mehrere Personen, die gerne selber Projekte auf der Fläche umsetzen wollen.

Die Ergebnisse der Planungswerkstatt wurden bereits am 4. August öffentlich im Gemeinderat vorberaten, verbunden mit der Aufforderung an die Öffentlichkeit, Anregungen oder ergänzende Wünsche bis zum Herbst bei der Verwaltung vorzubringen. Der vorhandene Postweg zwischen ZOB und Kirchplatz wird der Bedeutung dieser Wegebeziehung zwischen Bahnhof und Innenstadt nicht gerecht. Mit dem erfolgreichen Betrieb der Welzheimer Waldbahn hat die Notwendigkeit einer adäquaten Gestaltung dieser zentralen Grünfläche einen zusätzlichen Schub bekommen. Eine Bebauung mit Gebäuden wäre städtebaulich nicht zu präferieren, vor allem aber auch durch einen mitten durch die Fläche führenden Kanal fast ausgeschlossen.

Duftgarten mit Blindenschrift oder Kräuterspiele?

Noch vor Corona wurden im Rahmen von zwei Planungswerkstätten mit interessierten Bürgern aus Welzheim verschiedene Ideen gesammelt, um eine grüne Achse mit ca. 4000 m² zwischen dem Zentralen Omnibusbahnhof und der Innenstadt mit seinem Feuersee neu zu gestalten. Zielsetzung der Planungstreffen unter der Moderation der Stadtverwaltung war die Schaffung einer grünen Begegnungszone für alle Welzheimer mit Aufforderungscharakter, sich aktiv mit anderen Menschen zusammen in der freien Natur zu betätigen. Es geht explizit nicht um eine angelegte Park- oder Grünflächenatmosphäre, sondern um Begegnung und Leben auf dieser Fläche.

„Es gibt sehr viele Ideen, aber wir suchen noch Macher. Denn die Ideen für die Nutzung der Bürgergärten, also den Grünflächen in der Innenstadt, sollen von Bürgern kommen, die auch ehrenamtlich mit anpacken wollen“, äußert sich Astrid Szelest. So wären zum Beispiel ein Duftgarten mit Blindenschrift oder Kräuterspiele denkbar. „Auch Obstbäume, die es in Welzheim nicht mehr gibt, könnte man in den verschiedenen Parzellen anbauen. Wichtig ist es, dass wir einen Transfer schaffen, dass also hinter jeder Idee jemand steht, der einem anderen Menschen etwas beibringen kann. So kann ich mir zum Beispiel auch vorstellen, dass wir gemeinsam Naturprodukte einkochen und so zeigen, wie man am besten einkocht“, sagt Szelest. Vielleicht gemeinsam mit den Welzheimer Landfrauen?

Auch Schulen und Kindergärten dürfen sich gerne mit einbringen. Die Resonanz in Welzheim sei sehr groß. Umso wichtiger sei es, dass es nun im Frühjahr 2021 endlich losgeht. „Auch wenn es uns zu Beginn nur gelingt, ein paar Bäume zu pflanzen und das Wasser aus benachbarten Häusern dazu zu verwenden, so muss ein Anfang kommen. Es brennt mittlerweile ein Licht, da viele Bürger mitmachen wollen. Aus diesem Licht wollen wir ein Feuer machen“, sagt die Welzheimerin Astrid Szelest.

Als zentrales Element wurde also die Idee eines „Bürgergartens“ geboren, der alle interessierten Hobbygärtner einlädt, gemeinsam zu gärtnern, zu fachsimpeln und zu feiern. Bewusst sollen Menschen aller Altersschichten und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund angesprochen werden. Ein Team mit drei Personen hat nicht nur die Idee eingebracht, sondern möchte diese auch selbst ehrenamtlich an den Start bringen und betreiben.

Als kommunikativer Treffpunkt ist an zentraler Stelle eine „Lange Tafel“ geplant, für die bereits ganz kreative Events im Raum stehen. Die Beschattung kann durch ein Sonnensegel oder durch eine berankte Pergola erfolgen.

Die Zugänge von der Brunnenstraße beim Wohn- und Geschäftshaus sowie im Westen vom ZOB werden sorgfältig und einladend mit entsprechenden Staudenbeeten (wie in der Schorndorfer Straße) gestaltet. Von einem erhöhten Aussichtsbalkon im Westen soll der Blick über die Bürgergärten zum Kirchturm und zum Feuersee inszeniert werden. Ansonsten soll die Gestaltung im südlichen Bereich eher naturnah mit einem Wasserlauf, den Nutzgärten sowie Obst- und Blumenwiese erfolgen.

Nördlich des Weges ist die aktive Zone geplant mit Rasenflächen und Spielgeräten. Die Spielgeräte sind so ausgesucht, dass sie auch von Kindern mit Handicap genutzt werden können. „Das ist deshalb so wichtig, weil das Christopherusheim unmittelbar angrenzend ein Wohnheim für Menschen mit Beeinträchtigungen errichtet hat“, heißt es von Seiten der Welzheimer Stadtverwaltung. Die vorhandene Böschung im Westen wird über eine großzügige Treppe überwunden. Die barrierefreie Verbindung erfolgt über den westlichen Teil des Postweges, der dann in den ebenen Teil der Fläche einmündet.

Am Standort der geplanten Mediathek ist ein Lesegarten vorgesehen. Durch Erdmodellierungen entsteht ein abgeschirmtes Atrium mit Sitzmöglichkeiten für ungefähr 30 Besucher. Trockenmauern fangen die Böschungen nach Süden ab und stellen zusammen mit Insektenhotels und Nistkästen wertvolle Biotopstrukturen im innerstädtischen Bereich dar. Die Ergebnisse der Planungswerkstatt mit dem daraus resultierenden Entwurf des Stadtbauamts wurden im Rahmen des Sommerspaziergangs, in der Welzheimer Zeitung, auf der städtischen Homepage und in den sozialen Medien öffentlich gemacht. Die Rückmeldungen waren sehr positiv.

Die kritischen Anmerkungen betrafen vor allem die Befürchtung von Anwohnern, dass durch Spielgeräte und durch den Betrieb des Gemeinschaftsgartens mit damit verbundenen Festen Lärmprobleme zu erwarten sind. Der Verbindungsweg zum Feuersee sei zu eng, was aber wegen der Grundstücksverhältnisse derzeit nicht anders möglich ist.

Gesucht werden neben „Machern“ auch Menschen, die berufliche Erfahrung im Garten- und Landschaftsbau haben und sich ehrenamtlich einbringen. „Es wäre wichtig, wenn wir das Know-how bekommen würden von Menschen, die sich im Garten- und Landschaftsbereich auskennen und einzelne Projekte begleiten möchten“, erklärt Astrid Szelest. Hier könnten auch Migranten oder Flüchtlinge mitmachen, die aus Agrarvölkern kommen und sich auskennen.

Den Abschluss bildet der Omnibusbahnhof im Jahr 2022

Auf der Grundlage des vorliegenden Entwurfs sollte als nächster Schritt das Stadtbauamt die Ausführungsplanung mit einer detaillierten Kostenberechnung erarbeiten. Auf dieser Basis sollte der Gemeinderat möglichst Anfang 2021 einen Baubeschluss fassen. Danach werden die Bauarbeiten öffentlich ausgeschrieben. Der erste Bauabschnitt im Westen könnte im Frühjahr 2021 beginnen. „Wir werden 2021 starten“, so Szelest. Der zweite Bauabschnitt im Osten muss mit den Bauarbeiten zum Wohn- und Geschäftshaus abgestimmt werden.

Der Abschluss beider Maßnahmen ist für Herbst 2022 anvisiert. Der fünfte Sanierungsabschnitt wird mit der Realisierung der Bürgergärten noch nicht komplett sein. „Den Abschluss bildet in einem letzten Schritt vermutlich 2022 die Modernisierung des Zentralen Omnibusbahnhofes mit der Gestaltung des Straßenraums der Bahnhofstraße zwischen Brunnenstraße und Kurze Straße“, so Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

Die Champagnerluft in Welzheim genießen nicht nur die Einheimischen, sondern auch immer wieder zahlreiche Touristen. Für drei Welzheimer Bürger, die vorangehen, ist es jedoch wichtig, auch in den nächsten Jahren Möglichkeiten zu schaffen, damit Alt und Jung, Welzheimer oder Gäste, Deutsche oder Migranten gemeinsam in der Innenstadt im Garten arbeiten können. Richtig gelesen, es sollen Bürgergärten entstehen, in denen ab dem Jahr 2021 verschiedene Projekte aus der Bürgerschaft umgesetzt

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