Welzheim

Wer kennt noch Anna Haag oder Marie Strotbek mit ihren "Welzheimer Büchern"?

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Auch in Welzheim gibt es bekannte Autoren von Büchern. © ALEXANDRA PALMIZI

Eine Literatour führt nach Welzheim, wo bis heute das Andenken an den Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) hochgehalten wird. Eine Straße, die Justinus-Kerner-Halle, sein Wohnhaus in der Gschwenderstr. 1 und der 2012 eingeweihte Poetenpfad erinnern an ihn.

„Ich gehe nicht gerne nach Welzheim“, schrieb der heute so Geehrte einem Freund. Gutes Geld, geistige Anregung und abwechslungsreiche Zeiten erhoffte sich der junge Kerner von seiner ersten Anstellung als Arzt. Aber weder nach Lorch und schon gar nicht Ulm schickte man ihn. Betrübnis, Einsamkeit und Unlust der ersten Welzheimer Zeit wichen erst, als seine Friederike(1786-1854), das „Rickele“, mit ihrem heiteren Gemüt und als vortreffliche Hausfrau nach Welzheim kam. Über holprige Waldwege und enge Pfade entlang der ausgedehnten Welzheimer Flachsfelder war Kerner oft den ganzen Tag unterwegs, nicht selten begleitet von seiner Frau und Tochter Rosa Maria (1813-1886), dem Welzheimer Kernerkind.

Inspiriert von der wunderschönen Umgebung schrieb Kerner in Welzheim das Gedicht „Lob des Flaches“. Und als die Familie wenige Jahre später nach Gaildorf zog, tat es „beiden Eltern sehr wehe, Welzheim zu verlassen“. Kerners Patienten ging es ebenso. Zum Dank schenkten sie der kleinen Rosa Maria eine große Kiste des berühmten Welzheimer Flachses für ihre Aussteuer. Ein wahrhaft königliches Geschenk, das auch König Wilhelm I. und seiner Gattin anlässlich der Ernennung Welzheims zur Oberamtsstadt überreicht wurde.

Auf dem Poetenpfad wurden 2012 anlässlich des 150. Todestages von Justinus Kerner einige seiner Gedichte denen zeitgenössischer Dichterinnen und Dichter wie Ingeborg Bachmann, Hilde Domin, Peter Härtling u. a. gegenüber gestellt. Ob ihm das allerdings so gefallen hätte?! Meinte Justinus Kerner doch: „Der Kochlöffel von Lindenholz,/ Rühriges Weiblein, verbleibe Dein Stolz!/ Besser Dir steht er/ als die Gänsefeder./ Rupfe und brate die Gans recht fein,/ Aber die Federn der Schwinge/ Bringe/ Dem Manne herein!“

Von solchen „Männerweisheiten“ gänzlich unbeeindruckt zeigte sich zeitlebens die in Althütte geborene Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Politikerin Anna Haag (1888-1982). Das Schulhaus, in dem sie geboren und von ihrem Vater unterrichtet wurde, zeigt heute als Heimatmuseum so manche Erinnerungsstücke an Anna Haag. Einerseits im elterlichen Haushalt stark eingespannt, hatte sie immer wieder Zeit zum Lesen und Lernen. Weder ihr Vater als Familienoberhaupt noch ihr späterer Ehemann hinderten sie an ihrer schriftstellerischen Arbeit oder ihrem gesellschaftspolitischen Engagement. Bis ins hohe Alter schrieb sie Kurzgeschichten und Romane.

Solche angeblichen „Exaltiertheiten“ waren für eine Alfdorfer Pfarrersfrau wie Friederike Göller (1838-1918) undenkbar. Ihr Neffe Emil Molt (1876-1936), Gründer der Zigarettenfabrik „Waldorf-Astoria“ und der ersten Waldorfschule überhaupt in Stuttgart, aber erzählt, dass sie „viel Bildung und einen scharfen Verstand“ besaß. „Ihrem regen Geist genügten die Pfarrfrau-Pflichten nicht“, und so sorgte eine große Bibliothek für einen gewissen Ausgleich. Sehr wahrscheinlich, dass sich unter den vielen Büchern des Pfarrhauses auch Schillers Werke befanden. Vielleicht war im Pfarrhaus ja bekannt, dass ein Vorfahre aus der mütterlichen Vorfahrenseite des Dichter einst Gärtner im Schlossgewesen war.

Von Büchern umgeben lebte auch der aus Welzheim stammende Lehrer und Heimatforscher Max Lohß (1888-1981). Er gehörte zu den Mitarbeitern des siebenbändigen „Schwäbischen Wörterbuchs“, das bis heute als ein unübertroffenes Standardwerk gilt. Seine Cousine Hedwig Lohß machte sich mit ihrem Buch „Durchs Guckfenster. Jugenderinnerungen aus dem alten Stuttgart“ einen Namen. Noch heute werden ihre Erinnerungen gerne gelesen. Nach Welzheim kam sie immer wieder gerne zu Besuch und erinnert sich noch lange an die sonntags aufgetischte Tapiokasuppe (aus gekörntem Stärkemehl) „von uns Kindern ´Froschlaichsuppe‘ genannt“.

Auch im benachbarten Murrhardt haben Schreibende und ihre Bücher Spuren hinterlassen. 1803 heiratet die skandalumwitterte, geschiedene Romantikerin und Salonière Karoline Schlegel (1763-1809) dort den 12 Jahre jüngeren Sohn Friedrich (1775-1854) des amtierenden Pfarrers Joseph Friedrich von Schelling. Die Briefe der hochgebildeten Karoline von Schelling gelten heute als ein herausragendes Beispiel der frühromantischen Briefkultur. Auch der Murrhardter Maler Heinrich von Zügel (1850-1941) hinterließ Spuren in der Weltliteratur. Thomas Mann, dessen Freund Paul Ehrenberg (1876-1949) ein Schüler Zügels war, nahm eine Studie des Meisters zum Vorbild für seine Beschreibung von Jakobs Schafen in seinem weltbekannten Buch „Joseph und seine Brüder“.

Am Ende der Literatour geht es noch auf einen Abstecher nach Königsbronnhof, wo Marie Strotbek (1888-1973) viele Jahre eine Gastwirtschaft führte. Zu ihren Stammgästen gehörte Thadäus Troll (1914-1980), dessen kenntnisreiches und humorvolles Buch „Deutschland, deine Schwaben“ Auflagenrekorde erzielte. Und über die Wirtin Marie vom Königsbronnhof schrieb er: „Sie gleicht einer Maultasche, außen nicht vielversprechend, aber mit einem guten Kern.“

Eine Literatour führt nach Welzheim, wo bis heute das Andenken an den Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) hochgehalten wird. Eine Straße, die Justinus-Kerner-Halle, sein Wohnhaus in der Gschwenderstr. 1 und der 2012 eingeweihte Poetenpfad erinnern an ihn.

„Ich gehe nicht gerne nach Welzheim“, schrieb der heute so Geehrte einem Freund. Gutes Geld, geistige Anregung und abwechslungsreiche Zeiten erhoffte sich der junge Kerner von seiner ersten Anstellung als Arzt. Aber weder

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