Welzheim

Weshalb das Museum Welzheim nicht geöffnet hatte, auch als das die Inzidenzzahlen das noch zugelassen hätten

Museum Welzheim
Ist seit Monaten geschlossen – und wird vermutlich auch nicht so schnell wieder aufmachen: Das Museum Welzheim. © ALEXANDRA PALMIZI

Es ist still geworden in den vergangenen Monaten im „Museum Welzheim“ in der Pfarrstraße. Seit vergangenen Herbst raucht an den Handwerkersonntagen in der Schmiede nicht mehr der Schornstein, glüht kein Anthrazit mehr in der Esse, tanzt kein Hammer mehr singend auf dem Amboss und riecht es nicht mehr nach glühendem Stahl. Kaffee und Kuchen gibt es schon das ganze vergangene Jahr nicht mehr.

Mitte März hatte Dietrich Frey, der Vorsitzende des Historischen Vereins, der für das Museum verantwortlich ist, die Hoffnung noch nicht aufgegeben, über Ostern doch noch öffnen zu können. Es gelte aber auch zu bedenken, meinte er, dass die Ehrenamtlichen, die im Verein das Museum betreuten, selbst ein Durchschnittsalter von um die siebzig aufwiesen, also zur Gruppe der Corona-Hochgefährdeten gehörten. Und ihnen wolle er nicht zumuten, mit Mund-Nasen-Maske und unter strikter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln womöglich Negativnachweise zu kontrollieren und die Museumsbesucher akribisch zu registrieren, vor allem nicht in Situationen, in denen man damit rechnen müsse, von Besuchern „überrannt“ zu werden. Da das Museum über keine hauptamtlichen fest angestellten Mitarbeiter verfüge, die es bezahlen müsste, und auch keine Miete zu bezahlen habe, sei man sich mit der Stadt einig, so lange zu warten, bis das Pandemiegeschehen es mit seinen Inzidenzzahlen erlaube, zu so etwas wie einem geregelten Betrieb zurückzukehren.

Lego-Ausstellung ist schon in den Startlöchern

Dass das Museum sich auf einen Besucheransturm einstellen muss, davon ist Roland Birkle überzeugt. Schließlich, argumentiert der pensionierte Lehrer aus Althütte, wer der unter Siebzigjährigen kennt die bunten Bausteine aus dem dänischen Billund nicht als Begleiter durch die Kinderzeit? Birkle hat im Museum mit großer Liebe für das Thema geradezu detailverliebt die Ausstellung „Lego-Welten“ aufgebaut, eigentlich als i-Tüpfele für das vergangene Weihnachtsfest gedacht. Nun hoffen er und der Pressewart des Vereins Herbert Soukopp auf fallende Inzidenzahlen, die Schwäbische Waldbahn, die Heimattage und - wenn alle anderen Stricke reißen - das kommende Weihnachtsfest. Dazu würde dann auch der riesige, aus Legosteinen gebaute Adventskalender wieder passen, der die Besucher im Eingangsbereich erwartet. Die Ausstellung sei schließlich aufgebaut, und im Museum nehme sie auch niemandem den Platz weg. Man habe einfach die Planung entsprechend zeitlich nach hinten geschoben, erklärt Soukopp.

Ausstellungsmacher Birkle hat im Alter von acht, neun Jahren angefangen, mit den Lego-Bausteinen, die es seit 1958 in Deutschland gibt, zu bauen. Nach den, in Bezug auf das Hobby, „dark ages“ erlag er ihrer Faszination, als er selbst Vater wurde. „Es ist nur schwer zu beschreiben“, meint er, „mehr als nur Bauen. Für die einen ist es ein nostalgischer Blick zurück auf die Kindheit, andere erliegen der unglaublichen Vielfalt der Objekte und Themen, wie auch den Möglichkeiten, die Fantasie spielen zu lassen, die sich aus diesem Hobby ergeben.“ Gerade in diesen Zeiten des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen habe Lego einen unglaublichen Boom erfahren, wie man unschwer in den virtuellen Foren und Börsen mit verfolgen könne, in denen die Sammler unterwegs seien auf der Suche nach Bauanleitungen oder einzelnen Steinen, die irgendwann einmal dem Appetit eines Staubsaugers zum Opfer fielen und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Beim Schlendern durch die Ausstellung - die leitende Hand des Pädagogen Birkle ist unschwer zu erkennen - weiß der Betrachter gar nicht, wo überall hinschauen und was ihn mehr begeistert. Sind es die das Fernweh weckenden Architekturmodelle der Chinesischen Mauer, der Golden Gate Bridge, der Freiheitsstatue oder des Eiffelturms, ist es die idealisierte amerikanische Kleinstadt mit Tankstelle, Fitnessstudio, Wäscherei, Diner, Tierarzt, einer Bank, die gerade in Rififi-Manier überfallen wird, während vor dem Lichtspielhaus nebenan gerade die Diva zur Premiere ihres neuen Films vorfährt? Ist es die futuristische Mondstation, die bereits die wirtschaftliche Ausbeutung des Erdtrabanten vorwegnimmt? Oder doch Hogwarts mit seinem Festsaal, den schwingenden Treppen und dem vollzählig angetretenen Lehrkörper? - Ob Bionicle- und Slicerfiguren, Piraten, Ritter, die Fußballnationalmannschaft mit Noch- Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, oder die schier unüberschaubare Vielfalt an Fahrzeugmodellen, irgendetwas spricht einen auf alle Fälle an.

Man braucht nur etwas Geduld, irgendwann öffnen sich die Türen des Museums wieder. Garantiert!

Es ist still geworden in den vergangenen Monaten im „Museum Welzheim“ in der Pfarrstraße. Seit vergangenen Herbst raucht an den Handwerkersonntagen in der Schmiede nicht mehr der Schornstein, glüht kein Anthrazit mehr in der Esse, tanzt kein Hammer mehr singend auf dem Amboss und riecht es nicht mehr nach glühendem Stahl. Kaffee und Kuchen gibt es schon das ganze vergangene Jahr nicht mehr.

Mitte März hatte Dietrich Frey, der Vorsitzende des Historischen Vereins, der für das Museum

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