Welzheim

Weshalb Welzheimer im Filstal einst den "Tannenzapfen-Club" gründeten

Tannenzapfenclub
Edgar Bauer mit seinen umfangreichen Unterlagen zu dem Thema. © Rainer Stütz

Sein Großvater Jakob Bauer hat in Geislingen an der Steige geheiratet. Warum nur hat es ihn ins Filstal verschlagen? Enkel Edgar Bauer (72) hat sich im Ruhestand auf Spurensuche begeben und ist fündig geworden. Er stieß auf einen Tannenzapfen-Club, der einst von Welzheimern im Filstal gegründet worden war. Eine spannende Geschichte.

Im Stadtarchiv in Göppingen fündig geworden

Vor einigen Monaten entdeckte Edgar Bauer im Stadtarchiv in Göppingen die Originaldokumente des inzwischen wieder aufgelösten Vereins. Demnach wurde der Tannenzapfen-Club 1893 in Göppingen gegründet. Junge Männer aus dem Welzheimer Wald hatten im Filstal Arbeit gesucht und haben sich dort auch weiter fortgebildet. „Mein Opa stammt von der Gebenweiler Sägemühle, heiratete 1890 in Geislingen, was mich animierte zu erfahren, warum er ins Filstal ging“, erklärt Edgar Bauer seine Motivation, Heimatforschung zu betreiben.

Der Club wurde erst im Jahr 1980 aufgelöst, die Vereinsexponate wie Fahnen, schön gestickt mit Ebnisee, Kelch, Bücher wurden vor rund 40 Jahren dem Stadtarchiv Göppingen übergeben, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Im Welzheimer Wald gab es kaum Industrie

Im Jahr 1843 erlebte die Wirtschaft im Filstal und besonders in Göppingen einen Aufschwung. Wetterunabhängige Dampfmaschinen und der Bau von Eisenbahnlinien waren wichtige Voraussetzungen für die damals schnelle Entwicklung. Anders im Welzheimer Wald: Dort gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch keine nennenswerte Industrie.

In dieser Zeit gab es die Firma Munz (Wägeles-Munz), die anfangs Gebrauchs-, Drechsel- und Holzwaren für den Haushalt fertigte, sowie die Firma Christian Bauer (Gold-Bauer), die 1880 gegründet worden waren. Familien hatten laut Edgar Bauer damals große Probleme, ihre vielen Kinder in Brot und Arbeit zu bringen. Weil es in dieser Zeit bereits die Welzheimer Zeitung gab, vermutet Edgar Munz, dass Firmen aus dem Filstal per Inserat um Arbeitskräfte warben. Wer keine Zeitung hatte, erfuhr davon durch die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Burschen und Männer zog es ins Filstal

Sicher ist, dass sich zunehmend junge Burschen und Männer aus dem Welzheimer Wald aufmachten, um im Filstal ihr Glück zu suchen. Um ein Stück Heimat mit Gleichgesinnten im Filstal erleben zu können, wird am 19. Februar 1893 im „Schwarzen Adler“ der Verein „Tannenzapfen-Club“ gegründet. Anwesend waren 40 Gründungsmitglieder, allesamt Männer. Vorstand wurde Christian Leinß, Zweiter Vorsitzender Joseph Kuhn, Kassier Friedrich Stoll, Schriftführer Gottfried Munz, G. Bauder und Gottlieb Weller.

Die Fahnenweihe fand am 21. und 22. August 1893 im „Schützenhaus“ statt. Die gestickte Fahne zeigt auf der einen Seite den Ebnisee mit Boot, Wald und Hotel auf hellem Hintergrund und umrahmt den Slogan „Frohsinn und Heiterkeit pflegen wir allezeit“. Die andere Seite, mit rotem Grundton, zeigt Zweige mit Zapfen, ein Wappen mit Zapfen/Zweig sowie das Stadtwappen von Göppingen.

Auch im Badischen fehlten Arbeitsplätze

Im Fundus der Vereinserbschaft befinden sich auch zwei Schärpen, auf einer wird eine Patenschaft mit Badenia bezeugt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von badischen Arbeitern. Der Hintergrund dürfte laut Edgar Bauer ähnliche Ursachen haben wie bei den Männern aus dem Welzheimer Wald: Arbeitsplatzmangel in der Heimat. Außerdem ist eine Schärpe vorhanden, die von Frauen gestiftet wurde. 1924 sind im Mitgliederbuch sieben Frauen vermerkt, im Jahr 1972 dann schon 22, zum Teil Ehefrauen von Mitgliedern, aber nicht ausschließlich.

Immer weniger Teilnehmer bei den Veranstaltungen

Bei der Versammlung am 28. September 1980 im „Weißen Hirsch“ kam von Vorstand Hinderer die Anregung, den Verein aufzulösen. Bei Veranstaltungen und Ausflügen waren immer weniger Teilnehmer verzeichnet worden. Mit zehn zu sechs Stimmen wurde der Antrag gebilligt. Somit endete die Vereinsgeschichte nach knapp 88 Jahren. „Einerseits eine lange Zeit, andererseits schön, dass man der Nachwelt sowohl Unterlagen, Bücher, Fahne, Bilder und andere Vereinsexponate hinterlassen hat“, so Edgar Bauer, der sich an dieser Stelle besonders bei den netten und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtarchivs Göppingen für die tatkräftige Unterstützung bedanken will.

Ein weiteres Anliegen des gelernten Maschinenbautechnikers ist, weitere Informationen zu Personen und zum Vereinsleben zu sammeln. Er bittet deshalb darum, dass sich alle melden, die irgendwelche Personen kannten, die beim Tannenzapfen-Club Mitglied waren oder eine Rolle spielten.

Die Rufnummer von Edgar Bauer lautet: 0 71 82/78 96; die E-Mail-Adresse: endotrach117@t-online.de.

Sein Großvater Jakob Bauer hat in Geislingen an der Steige geheiratet. Warum nur hat es ihn ins Filstal verschlagen? Enkel Edgar Bauer (72) hat sich im Ruhestand auf Spurensuche begeben und ist fündig geworden. Er stieß auf einen Tannenzapfen-Club, der einst von Welzheimern im Filstal gegründet worden war. Eine spannende Geschichte.

Im Stadtarchiv in Göppingen fündig geworden

Vor einigen Monaten entdeckte Edgar Bauer im Stadtarchiv in Göppingen die Originaldokumente des

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper