Welzheim

Whisky-Tasting in der Schwäbischen Waldbahn

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„Flinte!“: Sieben Whisky-Sorten wurden im Zug ausgeschenkt. © Habermann / ZVW
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Die schwäbische Waldfee schaute an der rollenden Whisky-Theke vorbei.

Welzheim. Merkwürdige Vorkommnisse im schwäbischen Wald: An einem Bach fiept ein einsamer Dudelsack, Männer in Röcken spielen in einer Mühle schottische Volkslieder, das „Monster“ von Loch Edenbach treibt sein Unwesen und die Waldbahn hat größere Mengen Whisky geladen. Zum zweiten Mal schnaufte sich der „Whisky-Train“ unter Dampf den Berg hinauf.

Um Dampf und Rauch drehte sich die launige Whisky-Verköstigung auf und neben Schienen. Nein, im Whisky-Train sind keine Zecher unterwegs. Für eine kleinere Ausfallerscheinung sorgt lediglich ein ausgefallener Zugwagen. Das Reservierungssystem der Ehrenamtlichen des Vereins DBK Historische Bahn hatte offenbar einige Sitzplätze doppelt vergeben.

"Gehaltvolle Unterhaltung und Naturgenuss“

Was dazu führt, dass die Whisky-Zuginsassen in zwei aneinanderhängenden Abteilen ihre Plätze finden und Volker Stahl von den Whiskyfreunden Urbach die Whisky-Aromen bis sein Mikrofon funktioniert doppelt und in zwei Richtungen durchgibt. Allemal besser als doppelt sehen, was ja bei einem zu motivierten Genuss der Hochprozenter durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Nicht aber hier, wo den Reisenden „an gehaltvoller Unterhaltung und Naturgenuss“ gelegen ist, wie ein Mann angibt. Sie berauschen sich an der vorbeiziehenden Landschaft und den Viadukten wie sie sich an den Edel-Spirituosen gütlich tun. Die Zugfahrt wird nur für die Einschenker Michael Kloss und Florian Hari schwankend, die im schaukelnden Zug mit Portionierern auf den Flaschenhälsen Erstaunliches leisten, um keinen kostbaren und mitunter kostspieligen Tropfen zu verschütten.

Die Waldfee kommt mit Highland-tauglichen Tretern

Auch dann nicht, als nach dem zweiten Glas eine Fee im grünen Kleid erscheint - auch keine Halluzination, sondern die leibhaftige Waldfee in Highland-tauglichen Tretern bringt bei richtig schottischem nasskaltem Wetter fröhlichen Charme an Bord. Die bislang noch fehlende Sonne haben die Gäste längst im Glas bei sich, wie Volker Stahl mit Verweis auf einen schottischen Trinkspruch anmerkt, der Whisky ja als „flüssigen Sonnenschein“ adelt.

Die erste „Sonne“ geht mit einem 18 Jahre gereiften Glenfarclas in den um den Hals baumelnden Probiergläsern auf, die Außentemperatur will wärmer getrunken werden. Sieben langgereifte Spirituosen stellen sich den Nasen, Zungen und Gaumen der Tester, die aus ganz Deutschland angereist sind und unterschiedlichste Trink-Bildungsgrade mitbringen: Hier gewiefte Experten, denen die schottischen Destillerien und Fasstypen von Sherry bis Bourbon etwas sagen, dort bislang nur des Weinkostens mächtige Interessierte, die vom Whisky „überhaupt keine Ahnung“ haben und staunend zum ersten Mal hören, dass sich die Zahl auf den Etiketten auf den jüngsten Beigemengten bezieht: „Viele Whiskys werden aus verschiedenen Whiskys gemischt, teilweise mit unterschiedlichen Jahrgängen“, sorgt Volker Stahl für die Weiterbildung. „Prost“ und „Slàinte“ für den Dailuaine mit 48 Prozent, gelagert in Marsalla Weinfässern, abgefüllt in Deutschland.

Alles schnuppert, nippt, macht schlotzende Lippenbewegungen. Rauchige Aromen steigen aus den Gläsern, passend zum Dampfgeruch der Lok. „Der gefällt mir, er ist schön mild und rund und nicht so stechend“, sagen Dagmar und Karl-Heinz Metzger aus Remshalden. „Für mich riecht er irgendwie nach nassem Fell, geschmacklich passt er zur feuchten Wiese da draußen“, findet Claudia Lipp aus Backnang.

Sie erfahren, dass Whiskyfässer den Geschmack bringen. Thomas Lipp war überrascht vom „Angels’ share“ - die Menge, die während der Lagerung durch das Fass verdunstet. „Die genauen Zahlen habe ich schon wieder vergessen, aber es ist, hochgerechnet auf die Gesamtzahl der lagernden Fässer, wohl beträchtlich“, meint er.

Reift er in Bourbon- und ehemaligen Sherryfässern, schmecke er fruchtig. Wurde das Feuer zum Brennen mit Torf statt mit Holz geschürt, hafte dem Whisky ein torfig-erdiges Aroma an. Sagt Whisky-Kenner Stahl, der im schottischen Kilt die 52 Reisenden am Bahngleis empfangen hat..

Das Bachrauschen wird übertönt vom Kilt tragenden Dudelsackspieler

Unter allerlei Dirndl- und Trachtenanhängern mit Fahrtrichtung Wasen fiel seine Tracht auf. Vor der Klingenmühle ist Stahl dann in berockter Gesellschaft: Das Bachrauschen wird übertönt vom Kilt tragenden Dudelsackspieler Alec Farrell. Von weitem ist der durchdringende Ton der Pfeifen zu hören, die in die als „schwäbische Highlands“ gepriesene Klinge passen. In der urigen Mühlenstube wärmen schottische Volks- und Whiskylieder und herzhaftes Gulasch.

Ein vereintes „Slàinte“ auf den Musiker Alec, dessen am Trinkvorgang beteiligte Sinne Honig und grünen Apfel aus einem 46-prozentigen Old Pulteney Single-Malt extrahieren können. Außerdem „einen Hauch von Orangenschale“, von dem Claudia Lipp wenig mitbekommt. „Ich glaube, so weit fortgeschritten bin ich noch nicht. Geschmeckt habe ich: fruchtig, karamellig oder rauchig.“

Authentisch schottisch geht’s weiter mit Pipetten und Wasser zum Verdünnen der noch bevorstehenden Fassprobe mit über 60 Prozent Volumenalkohol. Weitere Raucharomen halten im Edenbachtal die Lebensgeister fit. Auch Wassergeist „Edi von Loch Edenbach“, ein schwimmendes Plastik-Einhorn, fühlt sich bemüßigt. Unter den Mammutbäumen in Kelheim ein rauchiges Finale mit Kastanienaromen: Die Rauchwhisky-Spezialität Laphroaig Lore, dann geht’s mit zufriedenem Grinsen unter Dampf, aber ohne whiskybedingte Ausfälle zurück. „Alles Genießer, die auch mal eine Probe ausgelassen haben“, so Hieber.


Mit Whisky und Dudelsack auf den Wald

"Laut Gesetz muss schottischer Whisky mindestens drei Jahre und einen Tag im Fass reifen. Günstige Blends reifen kaum mehr als den Mindestzeitraum. Single Malt Whisky lagert in der Regel zehn Jahre und länger. Nur selten findet man Single Malt Whiskys, die einen kürzeren Zeitraum gelagert wurden. Sehr gute Single Malt Whiskys reifen für lange 12 bis 21 Jahre. Die Lagerung erfolgt grundsätzlich in Eichenfässern, da nur Eichenholz atmungsaktiv und ausreichend beständig ist. Nadelholz beispielsweise ist harzhaltig und verklebt die Poren." (Quelle: Whisky.de)

Volker Stahl von den Whiskyfreunden Urbach und Naturparkführer Walter Hieber organisierten die zweite Ausfahrt zu Ehren des Gerstenbrandes. In der Klingenmühle wurden die Reisenden von Dudelsackklängen und der Band „Can Beo“ aus dem Raum Göppingen empfangen. Sie spielten 300 bis 400 Jahre alte Whisky Songs und schottische Volkslieder sowie im schottischen Stil komponierte eigene Songs. In der Besetzung mit Gitarre (Axel Renfftlen), Dudelsack (Alec Farrell) und Flöte (Gabi Jehuda) sind mit dem Motto „Scotch und Songs“ regelmäßige Gäste bei Whisky-Tastings.