Welzheim

Wie der Weg zur Welzheimer Gedenkstätte "Henkersteinbruch" sicherer werden soll

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Am Gedenkstein am Eingang zum sogenannten „Henkersteinbruch“ stehen Dietrich Frey, der Vorsitzende des Historischen Vereins Welzheimer Wald (links), und hinter ihm, mit Abstand versetzt, Edgar Bauer. © Ralph Steinemann Pressefoto

Vogelzwitschern, ringsum Grün und Blätterdach, Walderdbeeren zeigen junge Blätter, weiter hinten rauschen die Autos. Und doch: Der ehemalige Steinbruch neben der Straße zwischen Welzheim und Rudersberg ist ein erschütternder Ort. Mindestens 65 Todesurteile wurden hier, im sogenannten „Henkersteinbruch“, während der Zeit des Nationalsozialismus vollstreckt. Häftlinge des KZ Welzheim und aus anderen Lagern sowie direkt von der Gestapoleitstelle in Stuttgart wurden hier getötet (siehe auch Artikel „Häftlinge im ‘Henkersteinbruch’ hingerichtet“). Das Areal ist als Gedenkstätte gestaltet worden. Ein Stein mit einer Platte sowie eine Tafel mit Informationen erinnern an die Geschichte des Orts.

„Ich gehe immer mal wieder her und gucke, ob alles in Ordnung ist"

Und es gibt Menschen, die sich dieser Gedenkstätte im Besonderen und ehrenamtlich annehmen. Edgar Bauer und Dietrich Frey, der Vorsitzende des Historischen Vereins Welzheimer Wald, zum Beispiel. Letzterem war bei einem Kontrollbesuch im Frühjahr aufgefallen, dass den zwölf Stelen im Steinbruch, die den Ort symbolträchtig und plastisch gestalten, eine Auffrischung der Farbe guttun würde. „Ich gehe immer mal wieder her und gucke, ob alles in Ordnung ist“, sagt Dietrich Frey. Außerdem hatte sich an den Stelen Moos festgesetzt.

Edgar Bauer und seine Frau mähen und halten Stelen und Tafeln frei

Er bat Edgar Bauer um Hilfe. Der pensionierte Maschinenbautechniker ist Mitglied im Historischen Verein und hatte bei der Aufarbeitung der Geschichte des KZ in Welzheim mitgewirkt. Der 72-Jährige kennt die Gedenkstätte sehr gut, denn er und seine Frau Karolina mähen hier ein- bis zweimal im Jahr das Gras auf den Wegen und Zugängen zu den Stelen und Tafeln. Als für die Stelen Hilfe gefragt war, ließ sich Edgar Bauer nicht lang bitten. Er und seine Frau haben die Stelen bearbeitet, frisch gestrichen und Metallabdeckungen angebracht. Wo es nötig war, hat Edgar Bauer die Stelen mit Silikon ausgebessert, um den Zutritt von Wasser zu verhindern.

Für die obenauf angebrachten Abdeckungen aus Kupferblech hat der handwerklich Geschickte in der Flaschnerei Lindauer mit Inhaber Eberhard Rau ein erstes Teil gemeinsam gefertigt. Die übrigen Abdeckungen hat Edgar Bauer in dessen Werkstatt selbst hergestellt und vor Ort angebracht. So sind nun die Stelen der Gedenkstätte wieder gerichtet.

Die Kreisstraße überqueren: „Das ist nicht ganz ungefährlich“

Nicht das Erscheinungsbild des Ensembles also ist’s, das den beiden Aktiven des Historischen Vereins Sorge bereitet. Sondern vielmehr die Erreichbarkeit der Gedenkstätte für Besucher und ehrenamtliche Schaffer. Bei Führungen etwa kommen schnell zehn Interessierte zusammen, die häufig zu Fuß von Welzheim aus über den Wanderweg in Richtung Laufenmühle gehen und etwas unterhalb der Gedenkstätte die Kreisstraße überqueren müssen. „Das ist nicht ganz ungefährlich“, wissen Edgar Bauer und Dietrich Frey. Auf der Straße sind 100 Stundenkilometer erlaubt. Und es sind nicht nur Auto-, sondern auch Fahrrad- und Rennradfahrer unterwegs.

Tempo 70 im Bereich der Gedenkstätte, das halten Edgar Bauer und Dietrich Frey für angemessen

Dazu kommt, dass man nicht weit entlang der Straße sehen kann, ob ein Auto kommt, wenn man von der Gedenkstätte wieder hinüber zum Wanderweg möchte.

Natürlich: „Es sind nicht jede Woche Führungen“, räumt Dietrich Frey ein. Zwischen fünf und zehn sind’s im Jahr. Doch es kommen auch Schulklassen sowie Besucher her, die die Gedenkstätte aufgrund einer neuen Beschilderung gezielt aufsuchen. Mancher parkt auch gegenüber der Gedenkstätte an einem Wirtschaftsweg in den Wald oder oben an der Bockseiche, denn direkt vor Ort gibt es nur begrenzt Möglichkeiten, das Auto abzustellen. Tempo 70 im Bereich der Gedenkstätte, das halten Edgar Bauer und Dietrich Frey für angemessen.

Autofahrer warnen mit einem Schild „Fußgänger queren“

Damit auch die Autofahrer rechtzeitig wissen, dass mit Menschen zu rechnen ist, die über die Straße wollen, sprechen sich die beiden Mitglieder des Historischen Vereins zudem für ein Warnschild „Fußgänger queren“ aus.

Edgar Bauer weiß um die schwierige Verkehrssituation noch aus einer weiteren Perspektive: der des Autofahrers, der Geräte zum Schaffen zur Gedenkstätte transportieren und dann wieder auf die Kreisstraße einfahren muss. Er macht das mit seinem Privatauto und im Ehrenamt. Die Gedenkstätte hat keine direkte Ausfahrt, zudem bietet die Stelle auch dem Autofahrer eine schlechte Sicht auf die Straße.

"Ein Unfall muss vermieden werden"

Hier könnte ein Verkehrsspiegel Abhilfe schaffen. „Ein Spiegel ist für die Situation ideal“, unterstreicht Edgar Bauer. Von einem solchen würden zum Beispiel auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs profitieren, wenn sie Arbeiten in der Gedenkstätte erledigen.

Alles in allem sind sich die beiden Männer einig: „Ein Unfall muss vermieden werden.“

Bei Termin mit Mitarbeitern von Stadt und Kreis steht das Thema an

Der Welzheimer Stadtverwaltung ist die Situation an der Gedenkstätte bekannt. Bei einem Termin mit Mitarbeitern der Stadt und der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts, es handelt sich ja um eine Kreisstraße, soll Anfang Juli auch über das Thema gesprochen werden, informiert Uwe Lehar, Pressesprecher der Stadt Welzheim.

Vogelzwitschern, ringsum Grün und Blätterdach, Walderdbeeren zeigen junge Blätter, weiter hinten rauschen die Autos. Und doch: Der ehemalige Steinbruch neben der Straße zwischen Welzheim und Rudersberg ist ein erschütternder Ort. Mindestens 65 Todesurteile wurden hier, im sogenannten „Henkersteinbruch“, während der Zeit des Nationalsozialismus vollstreckt. Häftlinge des KZ Welzheim und aus anderen Lagern sowie direkt von der Gestapoleitstelle in Stuttgart wurden hier getötet (siehe auch

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