Welzheim

Wie die Kirchen in Welzheim Weihnachten im Corona-Jahr feiern werden

Kirchplatz Welzheim
Am Welzheimer Kirchplatz wird zu Heiligabend ein Freiluft-Gottesdienst stattfinden. © Mathias Ellwanger

Für die Kirchen geht ein herausforderndes Jahr zu Ende. Erst waren sie im Frühjahr coronabedingt wochenlang komplett geschlossen, dann unter großen Einschränkungen geöffnet. Ein normales Gemeindeleben war in diesem Jahr kaum möglich. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür – und damit verbunden die Frage: Wie kann das Christfest mit möglichst vielen Menschen gefeiert werden, ohne die Regeln des Infektionsschutzes zu brechen?

Als „schwierig“ bezeichnet auch Pfarrer Markus Rometsch die Umstände, unter denen Kirche in diesen Zeiten noch möglich ist: Gottesdienste können nur mit einer bestimmten Anzahl an Personen, ohne Gesang und ohne gemeinsame Kommunion am Altar gefeiert werden. Es gebe keine Adventsnachmittage und nur wenige persönliche Treffen. „Das fällt vielen schwer, da leiden viele darunter“, sagt Rometsch, der die katholische Kirchengemeinde Christus König leitet. „Die Gemeinschaft von Angesicht zu Angesicht, die fehlt natürlich.“

Katholiken feiern Heiligabend auf dem Vorhof der Kirche

An Weihnachten, wo die Gottesdienste traditionell sehr gut besucht und die Kirchenbänke gut gefüllt sind, „da müssen wir ein wenig steuern.“ Deshalb wird es für die Weihnachtsgottesdienste eine verpflichtende Anmeldung geben. Und an Heiligabend nach dem Familiengottesdienst um 16 Uhr zusätzlich einen zweiten Gottesdienst im Freien. „Da dürfen wir zwei Lieder singen“, mit Mundschutz zwar und Abstand – aber das ist mehr, als die Katholische Kirche in geschlossenen Räumen gerade zulässt. Da ist das Singen nämlich gänzlich untersagt. Der Gottesdienst am 24. Dezember beginnt um 17.30 Uhr auf dem Vorhof der Kirche und wird „ein sehr kurzer und einfacher“ sein.

Am Ende der Sommerferien hat die Gemeinde dort schon einmal gefeiert. „Das war sehr gut besucht und eine wunderschöne Sache, die vielen Leuten gefiel.“

Gerade in Corona-Zeiten will Rometsch „feiern, dass Gott uns nahe kommt, dass er Mensch wird, um bei uns zu sein.“ Er findet, „das ist eine wunderbare Zusage, die uns jetzt stärkt.“ Das Versprechen, dass Gott bei uns sei alle Tage, auch in schwierigen Zeiten, werde gerade jetzt gebraucht.

Viele Gläubige suchen die Kirche für ein stilles Gebet auf

So gut es geht, versucht die katholische Kirchengemeinde Kontakt zu den Menschen zu halten. Den Kindern, die Erstkommunion und Firmung hatten, ließ man einen Adventsbegleiter mit biblischen Gedanken zukommen. Und die Kirche bleibt tagsüber offen. „Es gibt viele, die das Gebet suchen, ganz persönlich und mit der Stille.“ Dort wird auch das Friedenslicht von Bethlehem geteilt, an dem Menschen eine eigene Kerze entzünden und nach Hause mitnehmen können. „Mit dem Licht wird ein Stück Hoffnung hinausgetragen“, sagt Rometsch.

Pfarrer Rometsch verbindet mit dieser Zeit auch eine Hoffnung

Nicht zuletzt hat auch der Pfarrer selbst eine Hoffnung. Nämlich die, dass manche aus dem Lockdown einen Gewinn ziehen können. „Die Vorweihnachtszeit ist ja meist so eine stressige Zeit, vielleicht kann es dieses Jahr tatsächlich eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein.“ Das sei es schließlich, wonach sich viele in der Adventszeit sehnen – meist aber nicht bekommen.

Und wie sieht es bei den Protestanten aus? Die evangelischen Kirchengemeinde hat sich überlegt, wie das Weihnachtsfest coronakonform und trotzdem von so vielen Menschen wie möglich gefeiert werden kann. Zum ersten Mal überhaupt soll der Gottesdienst an Heiligabend nicht in der Gallus-Kirche, sondern im Freien auf dem Kirchplatz stattfinden. „Wir haben uns dazu entschieden, um die Zahl der Besucher nicht begrenzen zu müssen“, sagt Pfarrer Markus Frasch.

Erfahrungsgemäß kommen um die 800 Menschen zu den Gottesdiensten am 24. Dezember. In Zeiten von Corona sind das zu viele. Maximal 144 können in der Kirche Platz finden, „und wir wollen an Weihnachten niemanden abweisen oder mit Anmeldungen arbeiten. Das wäre furchtbar.“

Der Kirchplatz jedoch sei groß genug, um den Andrang bewältigen zu können. Dort sei es sogar (mit Maske und Abstand) erlaubt, zu singen. „Es wird die einzige Gelegenheit sein, bei der wir als Gemeinde in diesem Jahr zusammenkommen und Weihnachtslieder singen können. Da freue ich mich schon ganz arg drauf“, sagt Frasch.

Dass das Singen im Gottesdienst gerade verboten ist, hält Frasch indes für richtig. Denn „wenn Gottesdienste zu Ansteckungsorten werden, dann würden sie möglicherweise wieder ganz geschlossen“. Und das gelte es unbedingt zu vermeiden.

Per Livestream werden die Gottesdienste übertragen

Für den Gottesdienst an Heiligabend hofft der Pfarrer jetzt auf gutes Wetter und verspricht, dass die Feier mit Posaunenchor nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig sein wird. Um 16 Uhr sowie um 17.15 Uhr lädt die Gemeinde dazu ein.

Dass selbst bei gutem Wetter dennoch viele zu Hause bleiben werden, das weiß auch Frasch. Deshalb wird der Gottesdienst einen Tag vorher ohne Gemeinde in der Galluskirche abgehalten, aufgezeichnet – und an Heiligabend um 16 Uhr auf dem Youtube-Kanal der Kirchengemeinde gestreamt. Der Pfarrer bittet darum, dass Enkel ihren Großeltern, die vorsorglich zu Hause bleiben, kurz zeigen, wie sie den Livestream finden. Schwer ist das nicht: Dazu genügt die Suche auf der Video-Plattform Youtube nach der evangelischen Kirchengemeinde Welzheim. Das erste Suchergebnis ist der Gemeinde-Kanal.

Bereits seit vier Wochen werden in Welzheim die Gottesdienste in der Galluskirche gestreamt. Ermöglicht hat das die Stadt, die dafür ein Kabel von der Mediathek in die Kirche legte. Gestreamt werden auch wieder die Gottesdienste am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag. Hier rechnet Frasch mit weniger Andrang und geht deshalb davon aus, dass die 144 Plätze in der Galluskirche ausreichen werden.

Lebendiger Adventskalender und Telefonbesuch-Aktion

Stolz ist man bei der evangelischen Kirchengemeinde auf den lebendigen Adventskalender, der gerade in Welzheim die Runde macht. Jeden Tag öffnet sich zwischen 17 und 20 Uhr an einem anderen Ort ein Türchen, hinter dem sich eine Geschichte verbirgt. Die Aktion wird bisher sehr gut angenommen und noch bis zum 23. Dezember fortgesetzt. Am vierten Advent wird dann "Mit Maria und Josef unterwegs in Reez", ein Krippenspiel auf dem Weg, aufgeführt. Start ist vor der St.-Barbara-Kirche um 17 Uhr.

Nicht zuletzt will die Kirche auch seelsorgerisch für die Menschen da sein. „Wir sind an Weihnachten immer ansprechbar, egal ob Feiertag ist oder nicht“, verspricht Frasch. Für diejenigen, die im Moment sehr einsam sind, steht Diakon Albrecht Zoller zur Verfügung. Allen Menschen, die sich alleine fühlen, bietet er Telefonbesuche an.

Wer also jemanden kennt, der gerade etwas seelische Unterstützung und geistliche Ansprache gebrauchen könnte, kann sich telefonisch unter0 71 82 / 88 05 oder im Gemeindebüro, Johannes-von-Hieber-Straße 7,0 71 82 / 49 53 105 melden.

Für die Kirchen geht ein herausforderndes Jahr zu Ende. Erst waren sie im Frühjahr coronabedingt wochenlang komplett geschlossen, dann unter großen Einschränkungen geöffnet. Ein normales Gemeindeleben war in diesem Jahr kaum möglich. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür – und damit verbunden die Frage: Wie kann das Christfest mit möglichst vielen Menschen gefeiert werden, ohne die Regeln des Infektionsschutzes zu brechen?

Als „schwierig“ bezeichnet auch Pfarrer Markus Rometsch die

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