Welzheim

Wie feiern die Bürgermeister aus Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach Weihnachten im Corona-Jahr 2020?

Weihnachten Krötz
Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz freut sich auf Weihnachten zu Hause mit der Familie und sagt: „Ich bin voller Zuversicht, dass das neue Jahr wieder viel Gutes bringen wird.“ © Privat

„Wir haben Corona überstanden und haben persönlich viel dazugelernt“ – dies würde Ronald Krötz, Bürgermeister in Alfdorf, nächstes Jahr an Weihnachten gerne denken und sagen. Katja Müller hat an Weihnachten ihren PC an und schwört auf Zink und Bewegung an der frischen Luft. Welzheims Rathauschef Thomas Bernlöhr und Familie freuen sich über eine blau leuchtende Papierlampe am Baum und eine unterm Baum kreisende Eisenbahn. Wir haben es gewagt und naseweis gefragt: Wie sieht Weihnachten eigentlich bei Bürgermeisters aus? Was wird an den drei Tagen gemacht? Was ist an Weihnachten wichtig? Hier kommen die Antworten.

Wie verbringen Sie Weihnachten?

Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller hat Corona-Bereitschaft. „Mein PC ist auf jeden Fall an. Ansonsten werden mein Mann und ich die Tage zu Hause verbringen, statt wie sonst Heiligabend und den ersten Feiertag mit Eltern und Geschwistern zu verbringen. Ob ein Gottesdienstbesuch an Heiligabend möglich sein wird, ist abhängig von den noch kommenden landesrechtlichen Regelungen. Auf jeden Fall werden wir etwas Leckeres kochen, selbst gebackene Plätzchen essen und für Bewegung an der frischen Luft sorgen.“

Ronald Krötz, Bürgermeister von Alfdorf, feiert mit reduzierter Festgesellschaft: „An Heiligabend besuchen wir den Gottesdienst und werden anschließend mit der Familie zu Hause schön essen und die Bescherung mit den Kindern machen. An den Weihnachtsfeiertagen treffen wir uns sehr reduziert mit einem kleinen Teil der Verwandtschaft.“

Der Welzheimer Rathauschef Thomas Bernlöhr hält online den Kontakt zur größeren Verwandtschaft. „Normalerweise feiern wir Weihnachten mit Krippenspiel in der Kirche, Bescherung, Zeit für uns als Familie zu fünft, aber auch Zeit für die Familie in groß, also Großeltern, Onkels, Tanten, Nichten, Neffen. Wichtig sind die gemeinsame Kaffeetafel, Essen, Spazierengehen, gegenseitige Besuche. Dieses Jahr werden wir die Anzahl der Personen, die sich treffen, weitgehend reduzieren. Trotzdem werden wir in Kontakt sein, eben über Video und Telefon.“

Was ist an Weihnachten wichtig?

Katja Müller: „Die Vorfreude im Advent, Freude bereiten, nicht nur durch Geschenke, mit der Familie und Freunden zusammen sein. Dieses Jahr ist zumindest das Zusammensein wohl nur via Skype möglich.“

Ronald Krötz: „Die Geburt Jesu und die gemeinsame Zeit mit der Familie.“

Thomas Bernlöhr: „Weihnachten ist in der Familie vor allem für die Kinder ein großer Anlass. Bereits die Vorbereitung auf Weihnachten wird bei uns zelebriert, Adventskranz binden, die beiden Großen üben mit Begeisterung Weihnachtslieder auf der Gitarre und Flöte, gemeinsames Singen, Bredla backen, Adventskalender, die Weihnachtsgeschichte. Die Rituale vor und an Weihnachten machen aber nur den eigentlichen Kern und Anlass noch größer und bedeutsamer: Die Geburt eines Kindes, von dem wir glauben, dass es Gottes Sohn ist“.

Die Welzheimer Zeitung möchte außerdem gern unter und auf Ihren Weihnachtsbaum schauen – haben Sie einen?

Katja Müller: „Unseren Weihnachtsbaum haben wir am letzten Samstag bei Familie Matthias Trinkle in Gmeinweiler gekauft.“

Ronald Krötz: „Der Baum wird selbstverständlich bei einem der vielen Stände in Alfdorf gekauft.“

Thomas Bernlöhr: „In meiner Kindheit wurde der Baum nicht gekauft, sondern ganz selbstverständlich geschlagen. Aber schon lange kaufen wir ihn direkt beim Bauern und auf dem Wald. Normalerweise zusammen mit Dosenwurst und einem Glühwein. Es gibt aber viele gute Weihnachtsbaumlieferanten in Welzheim, deshalb werde ich den Namen nicht verraten.“

Wie wird Ihr Baum denn geschmückt? Alte Familienbräuche? Alter Weihnachtsschmuck der Großeltern? Oder ganz modern?

Katja Müller: „Der Baumschmuck steht noch nicht fest. Vermutlich klassisch mit Strohsternen und roten Kugeln. Es könnte aber auch bunt werden. Das entscheidet sich meistens erst an dem Tag, an dem der Baum aufgestellt wird.“

Ronald Krötz: „Das Schmücken übernimmt traditionell meine Frau. Sie hat ein tolles Händchen für die Dekoration und gestaltet auch unser Haus, passend zur Jahreszeit, wunderschön. Nachdem unser Hund und unsere Katze ab und zu eine Weihnachtskugel zerstören, müssen wir immer wieder mal eine austauschen. Die Farben Rot und Weiß dominieren.“

Thomas Bernlöhr: „Unser Baumschmuck wächst immer noch von Jahr zu Jahr ein wenig. Die eine oder andere Kugel muss auch ersetzt werden, weil die Versuchung der Kinder, sie anzufassen, allzu groß war. Wir haben aber keinen sehr durchgestylten Baum in den Farben der Saison, und vom Reisig ist noch etwas zu sehen. Auch die Krippe bekommt Jahr für Jahr noch weitere Figuren. Aktuell wird Baumschmuck gebastelt in Form von bemalten kleinen Baumscheiben. Die sind allerdings zum Verschenken an Freunde und Familie. Andere Basteleien aus dem Kindi, wie etwa die blaue Papierlampe, behalten wir selbst, die Lampe findet seit Jahren einen Platz zum Leuchten am Baum. Unter dem Baum fährt traditionell die Eisenbahn der Kinder im Kreis. Ausfallen muss leider dieses Jahr die Tradition des Christbaumlobens.“

Corona bedeutet für uns alle einen harten Schnitt: Einen Schnitt durch Liebgewonnenes, durch Traditionen, durch Familien. Was sind Ihre persönlichen Jahresend-Gedanken hierzu?

Katja Müller: „Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie schnell sich unser gewohntes Leben ändern kann. Aber auch, dass zwar der Verzicht auf gewohntes und Liebgewonnenes schmerzlich ist, aber das Leben trotzdem weitergeht, dass kreative Lösungen gefunden werden, um trotz Abstandsregelung und Kontaktbeschränkungen gemeinsame Erlebnisse zu ermöglichen, und dass große Hilfsbereitschaft in unserer Gemeinde vorhanden ist. Eines ist auf jeden Fall sicher: Das nächste Weihnachten kommt bestimmt.“

Ronald Krötz: „Corona führt uns auf ganz krasse Art vor Augen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Wir dürfen jeden Tag neu dankbar sein, an dem wir gesund sind und aufstehen dürfen. Leider neigen wir Menschen immer wieder dazu, im Alltagsstress dies zu vergessen. Corona zwingt uns, zwei oder drei Gänge runterzuschalten. Es zeigt uns ganz neu, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten, aufeinander achtzugeben und dafür auch auf Gewohnheiten zu verzichten.“

Thomas Bernlöhr: „Gerade an Weihnachten sind die Einschränkungen für uns alle besonders präsent, insbesondere nachdem sie ja aktuell auch noch verschärft wurden. Andererseits ist die Zeit zwischen den Jahren ja immer schon eine Zeit der Stille und Zurückgezogenheit. Besonders denke ich an alle Menschen, die bereits bisher eher von Einsamkeit bedroht sind. Wir sind alle aufgerufen, selber nachzudenken und mit kleinen Gesten oder Zeichen für Verbundenheit zu sorgen, auch und gerade jetzt. Damit niemand vergessen wird. Und das bleibt auch möglich, ohne die Vorsicht über Bord zu werfen.“

Wen schließen Sie in Ihr Weihnachtsgebet ein – oder falls Sie nicht beten, wen beziehen Sie in Ihre weihnachtlichen stillen Gedanken mit ein?

Katja Müller: „All jene, die einen geliebten Menschen verloren haben - nicht nur durch Covid-19. Ich denke auch an die Menschen in Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern, deren Leben durch Kriegshandlungen einen oftmals harten Einschnitt erfahren hat. Aber auch an die Kranken und Schwachen in unserer Gesellschaft. Ich danke allen, die als Beschäftigte in Kliniken, Arztpraxen und in der Verwaltung täglich dafür arbeiten, die Ausbreitung des Virus und die Auswirkungen der Pandemie zu verringern. Ich danke auch allen, die durch ihr vernünftiges und verantwortungsvolles Verhalten und die Einhaltung der Regelungen Tag für Tag dazu beitragen, dass wir die Corona-Pandemie bald hinter uns lassen können.“

Ronald Krötz: „Im Gebet bin ich bei den Menschen, die gerade auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen, bei den Kranken zu Hause und bei den Angehörigen, die einen lieben Menschen verloren haben. Ich bitte Gott aber auch um Schutz für meine Familie, meine Freunde, Mitarbeiter und unsere Bevölkerung.“

Thomas Bernlöhr: „Ich weiß, dass einige Welzheimer für mich beten, für Kraft, die richtigen Entscheidungen, Mut, gute Gemeinschaft. Das war für mich zuerst ein ungewohnter Gedanke, aber das stärkt einen natürlich. In meine Gedanken schließe ich neben Familie und Freunden vor allem die Schwächeren, Einsamen und Kranken ein. Diejenigen, die Unsicherheit um ihre Existenz haben müssen. Ganz im Sinne des weihnachtlichen Satzes: Fürchtet euch nicht.“

Was hilft Ihnen persönlich, um gut durch die Corona-Zeit zu kommen?

Katja Müller: „Optimismus und täglich Zink und Vitamin D.“

Ronald Krötz: „Mein Glaube an Gott, dass er alles in der Hand hält. Auch wenn er uns eine schwere Zeit zumutet und Dinge passieren, die wir nicht verstehen. So weiß ich, Gott liebt mich uneingeschränkt und hat gute Gedanken über mich. Das gibt mir Kraft und Hoffnung, besonders in dieser Zeit.“

Thomas Bernlöhr: „Dinge, die mir mein ganzes Leben lang bereits Halt geben: Dass jeder sein Bestes geben kann und sollte, und danach drauf hoffen muss und darf, dass das reicht. Das kann man Gottvertrauen nennen, ohne religiösen Kontext vielleicht Urvertrauen. Daneben erfahren wir als Stadt in diesen Zeiten noch mehr Zuspruch und Wertschätzung als sonst, neben der immer auch erwünschten Kritik. Die aktuelle Zeit kostet durchaus Kraft, sie schweißt uns meiner Auffassung nach aber auch neu zusammen.“

Welche Gedanken machen Sie sich mit Bezug auf das kommende Jahr?

Katja Müller: „Die Corona-Pandemie wird uns auch im kommenden Jahr noch stark beschäftigen. Die vergangenen Monate haben aber gezeigt, dass wir gut aufgestellt sind für die Herausforderungen, die uns in 2021 erwarten werden. Deshalb blicke ich dem kommenden Jahr zuversichtlich entgegen.“

Ronald Krötz: „Ich bin voller Hoffnung und Zuversicht, dass das kommende Jahr, trotz der außergewöhnlichen Herausforderungen und der harten Zeit, auch Gutes hervorbringt. Meine Hoffnung ist, dass wir Corona besiegen und dass die Menschen, trotz unterschiedlicher Vorstellungen, Erwartungen und Lebenssituationen enger zusammenrücken und wir beim nächsten Weihnachten sagen können: Wir haben Corona überstanden und haben persönlich viel dazugelernt.“

Thomas Bernlöhr: „In Bezug auf das kommende Jahr ist es doppelte Hoffnung - auf den Impfstoff und die warme Jahreszeit. Ich denke, dass jede Möglichkeit der Begegnung, die wir dann wieder neu haben, eine große Freude und ein Fest wird. Wenn die Entwicklung nächstes Jahr gut vorangeht, dann können wir das nächste Weihnachtsfest ohne größere Einschränkungen feiern. Darauf können wir hoffen. Zwei Dinge sollten wir uns immer erhalten: den Humor und die Hoffnung.“

Was hat Ihnen persönlich am meisten gefehlt dieses Jahr in der Vorweihnachtszeit, was werden Sie über die Feiertage vielleicht vermissen?

Katja Müller: „Der gemeinsame Back- und Bastelabend mit Freunden. Vermissen werde ich am ersten Feiertag, dass wir aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht in großem Familienkreis wie sonst gemeinsam feiern und den Tag zusammen verbringen können.“

Ronald Krötz: „Ich habe die Advents- und Weihnachtsmärkte, die Jahresabschlussfeiern der Vereine und damit die Begegnungen mit liebgewordenen Menschen vermisst. Ohne Corona-Pandemie wären wir über die Feiertage mit dem Wohnwagen nach Österreich gereist, doch das war schon seit Monaten klar, dass dies leider nicht möglich ist.“

Thomas Bernlöhr: „Was uns aktuell allen fehlt: die physische Gemeinschaft mit vielen Menschen. Meine Vorweihnachtszeit ist normalerweise geprägt durch viele schöne große und kleine Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern bei Vereinen, die Schultesweihnachtswanderung der Bürgermeisterkollegen. Dies kompensieren wir dieses Jahr durch andere Gesten, um Gemeinsamkeit und ein Dankeschön zu transportieren, im öffentlichen Raum durch kleine weihnachtliche Aktionen auch in der Bürgerschaft, aber auch individuell.“

„Wir haben Corona überstanden und haben persönlich viel dazugelernt“ – dies würde Ronald Krötz, Bürgermeister in Alfdorf, nächstes Jahr an Weihnachten gerne denken und sagen. Katja Müller hat an Weihnachten ihren PC an und schwört auf Zink und Bewegung an der frischen Luft. Welzheims Rathauschef Thomas Bernlöhr und Familie freuen sich über eine blau leuchtende Papierlampe am Baum und eine unterm Baum kreisende Eisenbahn. Wir haben es gewagt und naseweis gefragt: Wie sieht Weihnachten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper