Welzheim

Wie gut funktioniert das Corona-Testsystem in Welzheim?

Abstrich
Mit Hilfe von PCR-Tests wird ermittelt, ob eine Person sich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert hat. © Benjamin Büttner

Die lange vorhergesagte zweite Welle der Covid-19-Pandemie hält Deutschland im Griff, seit einer Woche befindet sich das Land in einem teilweisen Lockdown. „Wir müssen handeln, und zwar jetzt“ brachte es Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder einmal auf eine griffige Formel. Was jeder Einzelne in dieser Zeit darf und was nicht, darauf haben sich Bundes- und Landesregierungen am 28. Oktober geeinigt.

Zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung der Coronapandemie, so ist auf der Homepage des Berliner Bundesministeriums für Gesundheit nachzulesen, gehöre neben den Hygiene- und Schutzmaßnahmen, der Grippeschutzimpfung und der Nutzung der Corona-Warn-App die sogenannte „nationale Teststrategie“.

Daher habe Deutschland schon seit Beginn der Pandemie Testkapazitäten schnell aufgebaut und erweitert, ist auf der Homepage nachzulesen. „Bitte lassen Sie sich testen - eine frühzeitige medizinische Betreuung ist mit einem besseren Krankheitsverlauf verbunden. Außerdem können Sie so dazu beitragen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Für einen Test sind keine schweren Symptome erforderlich, leichte Symptome eines Atemwegsinfekts genügen“, heißt es weiter.

Erster Ansprechpartner bei einem Verdacht ist der Hausarzt

Zum Einsatz kommen entweder die sogenannte PCR-Testung (Polymerase-Kettenreaktion), bei der das Erbmaterial der Viren im Abstrich nachgewiesen wird, oder der Antigen-Test, bei dem das Vorhandensein von Eiweißbestandteilen des Virus mittels eines Teststreifens überprüft wird. Das zweite Verfahren bewertet das Ministerium als schneller, aber auch ungenauer. Wer Anspruch darauf hat, auf das Coronavirus getestet zu werden, regelt die am 14. Oktober im Bundesanzeiger verkündete „Verordnung zum Anspruch auf Testung in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus Sars-CoV-2“ des Bundesministeriums für Gesundheit.

So oder so, erster Ansprechpartner ist meistens der Hausarzt. Er steht wieder einmal an vorderster Front. Die Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Dr. Norbert Metke und Dr. Johannes Fechner, haben am 2. November in einer gemeinsamen Erklärung die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung der Coronapandemie begrüßt und Optimismus verbreitet. Die 22 000 Ärzte und Psychotherapeuten im Land seien in ihren 15 000 Praxen und mit ihren 70 000 Mitarbeitern auf die zweite Welle der Coronapandemie gut vorbereitet, versichern Metke und Fechner. Dank der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen sei auch „weitgehend ausreichend“ Schutzkleidung vorhanden. Mehr als 1000 Corona-Schwerpunktpraxen, Fieberambulanzen und Abstrichstellen entlasteten die Praxen, die teilweise an ihren Leistungsgrenzen angekommen seien.

„Mit Stolz und Genugtuung stellen wir fest, dass die Niedergelassenen, allen voran die Hausärzte, bereits im ersten Halbjahr über 90 Prozent der über 500 000 Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Infektion ambulant versorgt haben“, so Metke. Alle ärztlichen Leistungen, ist von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu erfahren, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind, werden seit 1. Februar aufgrund einer Vergütungsvereinbarung zwischen ihr und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in voller Höhe extrabudgetär vergütet.

Bei Symptomen nicht ohne Anmeldung in die Praxis kommen

Patienten, so empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium, sollten nicht unangemeldet in die Praxis kommen und dort womöglich weitere Menschen anstecken, sondern sich zunächst telefonisch anmelden, um das weitere Vorgehen mit ihrem Arzt abzusprechen. Außerhalb der Sprechstunden steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweit geltenden Telefonnummer 116 117 zur Verfügung.

Die sogenannte „Weiße Liste“ führt unter der Adresse (zu finden unter www.weisse-liste.de/de/facharzt/) bei der Suchanfrage nach „Hausarzt Hausärztin“ für Welzheim und das Umland im Radius von 10 Kilometer - also zwischen Lorch und Auenwald - immerhin 44 Einträge auf.

Eine Praxis, die sich auf dieser Liste befindet, ist die von Tatjana Schwab. „Die Covid-19-Pandemie ist eine Belastung für uns alle“, räumt sie ein, „jeder Einzelne hat seine Last zu tragen." Eine besondere Herausforderung stelle in den Hausarztpraxen zudem die Grippeschutzimpfung dar, die für die Angehörigen der Risikogruppen sichergestellt werden müsse. Zugenommen habe der Aufwand für die Terminvereinbarung und für intensive Gespräche mit den Patienten, die über die Symptome informiert, beruhigt und aufgemuntert werden müssten. „Gegen Ängste und Sorgen helfen am besten Humor und Zuversicht“, so Schwab.

In der Praxis eines anderen Welzheimer Hausarztes meldet sich eine der medizinischen Fachangestellten des Praxisteams zu Wort. Sie bat allerdings, ihren Namen nicht zu veröffentlichen. Der Betrieb in der Praxis laufe „relativ normal“ ab, da man in ihr keine Abstriche vornehme.

Ordentlich zugenommen habe die „Telefonarbeit“, das Vereinbaren von Terminen, das Informieren und vor allem Beruhigen der Patienten. Sehr viele Menschen seien gar nicht oder nur unzureichend informiert; sie seien der Ansicht, in jeder Praxis würde getestet und der Hausarzt würde unmittelbar danach Quarantäne verhängen. Dass hierfür das Gesundheitsamt zuständig sei, sei weitgehend nicht bekannt. Generell herrsche ein Kommunikationsproblem „von oben nach unten, angefangen in Berlin über Stuttgart bis hinab zum Gesundheitsamt“. Oftmals würden sich die Informationen, die in den Praxen ankommen, widersprechen, man habe das Gefühl, jeden Tag würde sich etwas ändern und es sei keine einheitliche Linie erkennbar. Dies trage nicht unerheblich zur Verunsicherung der Menschen bei.

Medizinische Fachangestellte erhalten zu wenig Anerkennung

Sie selbst würde der Herausforderung durch Covid-19 gelassen gegenüberstehen, versichert die Gesprächspartnerin. Wie Erzieher und Pflegekräfte müsste auch das Praxispersonal täglich zur Arbeit, aber im Unterschied zu diesen habe man den Beitrag der medizinischen Fachangestellten zur Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens bisher öffentlich noch nicht wahrgenommen. Von Anerkennung oder materieller Berücksichtigung gar nicht zu reden. Er werde anscheinend für selbstverständlich genommen. Der Kontakt zu den Patienten sei ihr tägliches Brot seit nunmehr dreißig Jahren; sie seien auch schon vor Corona krank gewesen, dies sei „Jacke wie Hose“. Auch davor schon habe man auf Desinfektion, Hygiene und penible Sauberkeit größten Wert gelegt, neu hinzugekommen sei lediglich der Mund-Nasen-Schutz. „Im März waren wir alle überfordert“, räumt sie ein, zu der Zeit habe eine generelle Hysterie geherrscht, aber mittlerweile habe sich eine gewisse Routine eingespielt. „Aber um in diesem Beruf durchzuhalten, braucht man sowieso eine Eselsgeduld!“

In der Corona-Ambulanz werden Patienten zügig behandelt

Im Brennpunkt des Pandemiegeschehens steht wie schon im Frühjahr die Notfallpraxis der Rems-Murr-Klinik Schorndorf. In den Räumen der Corona-Ambulanz befindet sich die „Fieberambulanz“. Sie ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet und kann nach telefonischer Voranmeldung über die Nummern0 71 81 / 67 - 31 24 oder116 117 aufgesucht werden.

Am Samstagvormittag ging es dort eher beschaulich zu. Ein knappes Dutzend Patientinnen und Patienten wartete in der Herbstsonne geduldig, mit Gesichtsmaske und reichlich Abstand auf der Rampe, die zum Eingang führte. Zügig wurde einer nach dem anderen abgefertigt.

„Die im Kampf gegen die Epidemie gewonnene Erfahrung bleibt selbstverständlich erhalten“ hatte Dr. Angela Rothermel, die Leitende Ärztin der Schorndorfer Notaufnahme, im Juli versichert, „sollte es zu der befürchteten zweiten Welle im Herbst kommen, können wir in kürzester Zeit reagieren, die Pläne aus den Schubladen ziehen und auf sie zurückgreifen.“ Offensichtlich war dies nicht zu viel versprochen.

Die lange vorhergesagte zweite Welle der Covid-19-Pandemie hält Deutschland im Griff, seit einer Woche befindet sich das Land in einem teilweisen Lockdown. „Wir müssen handeln, und zwar jetzt“ brachte es Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder einmal auf eine griffige Formel. Was jeder Einzelne in dieser Zeit darf und was nicht, darauf haben sich Bundes- und Landesregierungen am 28. Oktober geeinigt.

Zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung der Coronapandemie, so ist auf der

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