Welzheim

Wie sich der Feuersee in Welzheim in den letzten Jahren verändert hat

Neubau Feuersee
Das Wohn- und Geschäftshaus am See während der Bauarbeiten. Im April soll der Gebäudekomplex mit langer Vorgeschichte endlich eingeweiht werden. © Gabriel Habermann

Das Wohn- und Geschäftshaus am See hat eine lange Vorgeschichte, die in diesem Frühjahr glücklich zu Ende geht. Im April soll der Neubau mit Drogeriemarkt und Textildiscounter offiziell eingeweiht werden. Damit verbunden ist ein Wandel des Stadtbildes gerade an dieser Stelle. Das Welzheimer Wahrzeichen Feuersee hat viele Geschichten zu erzählen und schon viele Veränderungen mitgemacht.

Feuerlöschteiche wurdenals Folge der Stadtbrände angelegt

Im alten Welzheim brachen leider allzu viele Brände aus, die meistens durch Brandstiftung entstanden waren, berichtet Ingrid Bubeck in ihrem Buch „Welzheim - unvergessene Bilder und Geschichten“. So waren die angelegten Feuerlöschteiche in der Oberstadt an der Untermühlstraße, in der Unterstadt an der Brunnenstraße eine wichtige Einrichtung. Der heute noch bestehende Feuersee an der Brunnenstraße gehört zum Welzheimer Stadtbild und ist ein Anziehungspunkt für einheimische und auswärtige Besucher.

Der Welzheimer Feuersee hat eine eigene Quelle, die auf dem Grundstück am Postweg (früher Dr. Bautz) in der Bahnhofstraße entspringt. Der Kindles-Brunnen, wie die Quelle genannt wurde, lag einst auf der Markung der Kirche und war offensichtlich der Anlass für einen Grundstückstausch zwischen dem amtierenden Stadtvogt und dem Pfarrer von Welzheim.

Das Wasser des Brunnens wurde früher über Deicheln zum Viehplatz (heute Areal Wohn- und Geschäftshaus) geleitet und in großen Holztrögen gesammelt. Hier konnten die Bauern ihr Vieh mit frischem Wasser versorgen. Der Überlauf sammelt sich im Badersee, der erst viele Jahrzehnte später Feuersee genannt wurde.

Der ovale Badersee hatte beachtliche Ausmaße und erstreckte sich von der heutigen Kurzen Straße bis zur Brunnenstraße. Ein Bader hatte sich am See niedergelassen und bot seine Dienste an. Drei kleinere und zwei größere Häuser dienten dem Bader, dem „Arzt für kleine Leute“, als Badehäuser beziehungsweise als Behandlungsräume.

Der Bader war der Arzt für die kleinen Leute

Der Bader war im Mittelalter für das Badewesen, für Teilgebiete der Chirurgie, der Zahn- und Augenheilkunde verantwortlich. Im Badehaus ging es nicht nur um Körperpflege und Hygiene, sondern auch um das Vergnügen beim Baden. Es wurden Speisen und Getränke gereicht und es ging mitunter recht vergnüglich und lustvoll zu, was Bilder aus jener Zeit belegen. Dem munteren Treiben wurde mit der Reformation von Welzheim im Jahr 1535 ein jähes Ende gesetzt.

Später bekam der Badersee seine jetzige rechteckige Form und wurde Feuersee genannt. Aus dieser Zeit stammt der noch heute vorhandene Eisenbrunnen am Feuersee, der 1847 erbaut wurde. „Ein Schmuckstück für die Stadt Welzheim“, wie Ursula Marquardt in ihrem Buch „Damals in Welzheim“ ausgeführt hat.

Interessante Funde während der Ausgrabungen

Mit den Worten „Krautstrunk, Kuttrolf, Kachelofen“ ist ein Beitrag über die Funde am Feuersee überschrieben, den Reinhold Feigel und Andreas Thiel in einem Fazit für die Blätter des Historischen Vereins veröffentlicht haben. Denn vor Beginn der Bauarbeiten für das Wohn- und Geschäftshaus am See waren historische und archäologische Grabungen die Voraussetzung dafür, das eine Tiefgarage angelegt werden durfte.

Die Grabung übertraf alle Erwartungen: Die anfängliche Enttäuschung über die nur spärlichen Funde aus der Römerzeit wich der Begeisterung über den überwältigenden Befund der Faschinenbefestigung mit seiner Hinterfüllung aus spätmittelalterlichem und frühneuzeitlichem bis barockem Siedlungsabfall. Es ergaben sich Einblicke in die Entwicklung des Areals des heutigen Feuersees von der Zeit, als die Fläche noch bis in das 14. Jahrhundert ein von zwei Bächen geprägtes, nach Osten geneigtes Tal war. Im Südwesten des Areals hinterließen schon die ersten römischen Siedler ihren Siedlungsabfall. Ein Schleier mittelalterlichen, hauptsächlich keramischen Materials streute ab dem 13. Jahrhundert über das ganze Tal, mit einer Häufung zum Siedlungszentrum in Richtung der St. Gallus Kirche.

Keine Erkenntnisse über eine frühmittelalterliche Besiedlung

Eine interessante Erkenntnis ist, dass keine Anzeichen frühmittelalterlicher Besiedlung vorliegen. Typisches mittelalterliches Fundmaterial der Zeit vor dem 14. Jahrhundert kam ebenfalls nicht zutage, gelbtonige Drehscheibenware und die schwäbische Feinware (z. B. bemalte Buocher Keramik) fehlen. War Welzheim bis ins 14. Jahrhundert noch keine bedeutende Siedlung oder war es nicht üblich, den Siedlungsabfall in diese Talaue zu entsorgen? Fast schlagartig mit der Anlage des Feuersees änderte sich die Situation. Nun diente das Areal wiederholt als bequem vor der Stadt gelegener Platz zum Entsorgen von Abfällen. Auf diese Weise kamen Funde in den Boden, die repräsentative Einblicke in den Hausrat der damals in Welzheim lebenden Menschen geben.

Interessant ist dabei besonders der Wohlstand, der sich aus den teilweise sehr qualitätsvollen Funden aus Glas und Keramik oder aus den fein gearbeiteten Ofenkacheln ablesen lässt. Es zeichnet sich hierbei ein wohlhabendes bürgerliches Milieu ab, das man so in dieser Zeit noch nicht erwarten würde. Es wird einer weiteren Auswertung der Funde sowie der Zusammenarbeit mit der historischen Forschung vorbehalten bleiben müssen, hier Details der Stadtentwicklung herauszuarbeiten.

Keine sichtbaren Spuren in Form einer Häufung von hölzernem Brandschutt oder verglühtem Ziegelmaterial hinterließen die beiden großen Stadtbrände. Diese Fundkomplexe dürften andernorts im näheren Stadtumfeld noch ihrer Entdeckung harren, vermuten die Fachleute.

Das Wohn- und Geschäftshaus am See hat eine lange Vorgeschichte, die in diesem Frühjahr glücklich zu Ende geht. Im April soll der Neubau mit Drogeriemarkt und Textildiscounter offiziell eingeweiht werden. Damit verbunden ist ein Wandel des Stadtbildes gerade an dieser Stelle. Das Welzheimer Wahrzeichen Feuersee hat viele Geschichten zu erzählen und schon viele Veränderungen mitgemacht.

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Feuerlöschteiche wurdenals Folge der Stadtbrände angelegt

Im alten Welzheim

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