Welzheim

Wie Zahnarzt-Patienten mit Zahngold einen Großteil der Welzheimer Ruhebänke finanzierten

Bank
Zahngold aus der Praxis Dr. Engel wurde zu Ruhebänken am Welzheimer Kirchplatz. © Rainer Stütz

Die Wahrscheinlichkeit, sich in Welzheim auf eine vom ehemaligen Zahnarzt Dr. Peter Engel und seinen Patienten gespendete Bank zu setzen, ist sehr hoch: Insgesamt 40 Ruhebänke wurden im Stadtgebiet aufgestellt, 27 davon wurden mit Zahngold-Spenden finanziert.

Hohes Bank-Aufkommen in Welzheim: Nach Auskunft von Pressesprecher Uwe Lehar sind in den letzten Jahren 20 Ruhebänke rund um den Kirchplatz und im Stadtgebiet aufgestellt worden, dieses Jahr im Stadtpark sieben weitere Bänke, im Gesamtwert von 5000 Euro. Finanziert wurde die Gesamtsumme von rund 20 000 Euro dank der Initiative des ehemaligen Zahnarztes Dr. Peter Engel und durch die Zahngold-Spenden seiner Patienten. Weitere 13 Bänke, die durch andere Zuschussprogramme gefördert worden seien, machen im Bereich des geologischen Pfads und entlang der neuen Premiumwanderwege ein gemütliches Sitzpäuschen möglich.

Bis 2019 war Dr. Peter Engel über 30 Jahre Zahnarzt in Welzheim. Auf seinem Behandlungsstuhl hat er einigen Goldkronen „auf den Zahn“ gefühlt und unzählige Goldzähne behandelt. Eines Tages kam ihm die Idee, damit eine Spendenaktion zugunsten der Stadt ins Leben zu rufen: „Wir arbeiten täglich mit Handschuhen, wegen Blut und Speichel. Da kostet es nicht viel Überwindung, das Gold mit Alkohol zu reinigen, unter Druck zu sterilisieren und in Beutelchen zu sammeln.“

Mehrwertsteuer konnte umgangen werden

Den Ankauf von Dentalgold, auch „Dentalscheidgut“ genannt, übernehme eine Scheideanstalt. Dort werden der Edelmetallgehalt und der aktuelle Tagespreis für Gold ermittelt. Zweimal habe er selbst die Beutelchen mit dem gesammelten Zahngold dort eingeschickt, bis er herausfand, dass es einen lukrativeren Weg gibt: „Ich musste als Praxisinhaber Mehrwertsteuer bezahlen. Städte und Kommunen sind von der Mehrwertsteuer befreit“, erzählt er. Seitdem habe er das eingetütete Zahngold direkt der Stadt überreicht - und damit sei es auch zum Spendenengagement nicht mehr weit gewesen.

Seit 2011 habe er pro Jahr regelmäßig dafür gesorgt, dass Zahngold, das ihm Patienten zur Verfügung gestellt haben, in bare Münze umgewandelt wurde. Als „grobe Richtschnur“ könne laut Dr. Engel für ein Gramm neues Zahngold zwischen 50 und 70 Euro veranschlagt werden. Eine weiße Krone enthalte rund ein halbes bis eineinhalb Gramm. In einer Zahnarztpraxis kommt einiges davon zusammen, das zeigen die hohen Geldbeträge der letzten Jahre. Hauptamtsleiter Uwe Lehar hat nachgerechnet: Rund 46 600 Euro an Spenden gehen auf das Konto des „edlen“ Edelmetall-Spenders. Die Spendenbeträge lagen Lehar zufolge seit 2011 pro Spende zwischen 4500 Euro und 8000 Euro. „Eine Spende in dieser Höhe ist außergewöhnlich und kommt zugunsten der Stadt eher selten vor“, so Uwe Lehar. In dieser Summe sei die jüngste Spende vom Jahresende 2019, als Dr. Engel in den Ruhestand ging, noch nicht berücksichtigt, da das Zahngold erst vor kurzem zur Verwertung gesendet wurde. Die Summe werde derzeit ermittelt.

Das „vergoldete“ Spendenengagement sei „zum Selbstläufer“ geworden, resümiert Dr. Engel. Er betont: „Die Spenden kamen von Patienten meiner Praxis, nicht von mir.“ Als Zahnarzt sei er verpflichtet, dem Patienten das Altgold zu geben. „Es ist sein Eigentum“, so der Zahnarzt im Ruhestand. Beim Anblick ihres blutigen Goldzähnchens hätten viele gefragt, was das für einen Wert habe. Viele hätten vom Verkauf an Altgoldhändler, die eine Provision einbehalten, Abstand genommen. „Da muss man sich auskennen“, sagt Engel. Mehr Gefallen gefunden hätten sie am Solidaritätsgedanken: „Am meisten überrascht war ich, dass auch Zahngold gespendet wurde von Personen, die gar nicht Patient in meiner Praxis waren.“

Peter Engel ist 62 Jahre alt, seit 20 Jahren Kreisrat für die CDU und war bis letztes Jahr fast 30 Jahre Zahnarzt in der eigenen Praxis, die er vom Vater übernommen hatte. Seine Zahngold-Spenden sind in viele Bereiche des städtischen Lebens eingeflossen: Die Verschönerung des Stadtbildes wurde damit unterstützt. Das Geld kam zudem zahlreichen Vereinsaktivitäten und städtischen Aktionen zugute: Weihnachtsspendenaktion, Flüchtlingsarbeit, Tierschutz, Jugendfeuerwehr, Spielgeräte für Spielplätze sowie der Bereich Kinder, Jugend und Senioren.

Ein Betrag wurde nach Auskunft von Uwe Lehar für die geplante Erweiterung des Freizeitgeländes beim Rötelsee reserviert. Engels Engagement für die Stadt ist bekannt: So unterstützt er auch die Völkerverständigung des Gymnasiums. „Peter Engel ist neben seinem gemeinnützigen Engagement als Kreisrat, bei der Partnerschaft mit der Landesuni Moskau und als niedergelassener Arzt mit seiner Ader für gute Projekte einfach auch ein ganz feiner Mensch. Er ist für mich ein wichtiger Ansprechpartner in vielen Fragen und Themen, vor und hinter den Kulissen“, sagt Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

Die Wahrscheinlichkeit, sich in Welzheim auf eine vom ehemaligen Zahnarzt Dr. Peter Engel und seinen Patienten gespendete Bank zu setzen, ist sehr hoch: Insgesamt 40 Ruhebänke wurden im Stadtgebiet aufgestellt, 27 davon wurden mit Zahngold-Spenden finanziert.

Hohes Bank-Aufkommen in Welzheim: Nach Auskunft von Pressesprecher Uwe Lehar sind in den letzten Jahren 20 Ruhebänke rund um den Kirchplatz und im Stadtgebiet aufgestellt worden, dieses Jahr im Stadtpark sieben weitere Bänke, im

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