Welzheim

"Wir treffen offenbar einen Nerv": Was das Familienzentrum Welzheim 2023 bietet

Familienzentrum Welzheim
Das Familienzentrum in Welzheim befindet sich in der Bahnhofstraße 28. © Gabriel Habermann

Im Familienzentrum Welzheim treffen Eltern und Kinder auf ehrenamtlich engagierte Menschen, die für Familien da sein möchten. Das Angebot hat im ersten Jahr auf Anhieb einen großen Zulauf erfahren - jetzt werden größere Räume gesucht.

Lokales Bündnis für Familie im Welzheimer Wald und fürs Wieslauftal

„Wir treffen offenbar einen Nerv“, sagt Daniel Gulden. Der Familientherapeut ist einer der Köpfe hinter dem lokalen Bündnis für Familie im Welzheimer Wald und fürs Wieslauftal. Die zentrale Anlaufstelle ermöglicht gemeinsames Erleben und Begegnung von Familien, sie können hier „Heimat und Gemeinschaft“ erfahren.

Seit er vor einem Jahr die Koordination übernommen hat, stehe er „gefühlt mit halb Welzheim“ in Kontakt. Unter dem Dach des Tagesmüttervereins erfahren Familien noch umfassendere Unterstützung. Sei es im Rahmen von Veranstaltungen, Beratungen oder kreativen Beschäftigungen, im Familienzentrum finden sie einen Ort, der von Menschen auf dem Welzheimer Wald unterschiedlich bespielt wird. „Ein solches Projekt wird nur möglich mit einem großen Netzwerk engagierter und unterstützender Partner“, so Gulden.

Nicht alle Eltern tun sich mit dem Start ins Familienleben auf Anhieb leicht 

Ein Kind zu bekommen, ist eine intensive, einschneidende, schöne und zugleich fordernde Zeit im Leben. Nicht alle Eltern tun sich mit dem Start ins Familienleben auf Anhieb leicht. „Eltern haben ein hohes Bewusstsein dafür, dass Kindererziehung nicht einfach nebenher läuft“, sagt Daniel Gulden.

Fragen zur Erziehung und zum Stillen seien an der Tagesordnung. Ebenso seien Entwicklungsverzögerungen, Lernschwierigkeiten oder das Sozialverhalten ihrer Kinder für viele Eltern eine große Herausforderung, bei der sie sich zielgerichtet und niederschwellig Hilfe wünschen - und sei es auch einfach der Austausch mit anderen Eltern. „Zu uns können sie kommen, schwätzen, einfach gerne da sein und sich wohlfühlen“, so Gulden.

Familiengruppen mit Krabbelangebot für die Kleinen gut besucht 

Das erste Jahr sei geprägt gewesen von „Networking“. Er habe das Angebot an Schulen und in Kindergärten vorgestellt, zudem Vereine und soziale Institutionen angeschrieben, um Kooperationspartner zu gewinnen. Netzwerke vor Ort sowie der Austausch untereinander könnten helfen, vielerlei familiäre Probleme zu entschärfen.

Bis jetzt haben 15 ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen und 13 Kooperationspartner Fuß gefasst, die das Raumangebot im Familienzentrum nutzen. Die Einsatzgebiete sind so vielfältig wie die Familien und deren Herausforderungen. Die Landfrauen haben Workshops angeboten und mit Familien Kränze gebunden und gekocht. Beim Nähtreff tauschen Nähbegeisterte ihre Tricks und Kniffe aus, gehen gemeinsam ihrem Hobby nach und trinken Tee. Die zwei bisher etablierten Familiengruppen mit Krabbelangebot für die Kleinen sind gut besucht. Eine Frau habe angeboten, Kindern künftig stundenweise vorzulesen.

In gemütlicher Runde, ohne Mitgliedschaft oder Kursgebühr 

Unkompliziert, in gemütlicher Runde, ohne Mitgliedschaft oder Kursgebühr soll alles sein - das ist Daniel Gulden wichtig. Er verweist auf ein bekanntes afrikanisches Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“. Das Familienzentrum wolle „ein Stück weit dieses Dorf“ sein, das Menschen und Organisationen vernetzt zum Wohle der Gesellschaft, also für Kinder, junge Familien und Senioren. Ein Angebot, das gern angenommen wird, ist auch der offene Treff zum Thema „Alltag mit Kindern“.

Geleitet von den Frühen Hilfen, können werdende Eltern und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren andere Familien kennenlernen, Tipps und Infos für den Erziehungsalltag austauschen und neue Kontakte knüpfen. „Für das Angebot gibt es einen Aufnahmestopp, wir führen bereits eine Warteliste und überlegen, eine weitere Gruppe anzubieten“, so Gulden.

Im ersten Jahr sei das Familienzentrum bereits an seine räumlichen Grenzen gestoßen, die Suche nach größeren Räumen sei schon im Gange. In 2023 soll ein Familienpatenprojekt im Rahmen des „Netzwerks Familienpatinnen und Familienpaten Baden-Württemberg“ in Welzheim etabliert werden. „Wir bilden Familienpaten aus und vermitteln sie an Familien mit Kindern unter drei Jahren“, so Gulden.

Familienpaten gehen in die Familien, unterstützen Elternpaare und Alleinerziehende, sei es, dass sie mit den Kleinen auf den Spielplatz gehen oder bei leichten Hausarbeiten helfen. Thema sind auch immer wieder Fragen rund um die Geburt und die Zeit danach. Eine freiberufliche Hebamme aus der Gegend will eine Hebammensprechstunde anbieten, eine Stillberaterin konnte für ein Stillcafé gewonnen werden.

Auf der Suche sind Gulden und seine Kollegen nach weiteren Ehrenamtlichen, die Angebote für soziale Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Auch soll noch bekannter werden, dass es diesen zentralen Anlauf- und Ankerpunkt gibt für Erstberatungen rund um das Thema Familie, zu denen Eltern und Jugendliche gehen können bei Streit oder anderen Problemen. Auch Familien mit älteren Kindern hat das Familienzentrum mit Begleitungsangeboten zur Entlastung im Blick.

"Wir können verschiedene Angebotslücken füllen"

„Informativ, intensiv, innovativ“, fasst Gulden das erste Jahr zusammen. „Informativ, weil wir viele Bereiche vor Ort kennengelernt und schätzen gelernt haben, was es alles vor Ort gibt.“ In Welzheim gebe es viele Menschen, die Eltern mit Hilfe, Beratung, Betreuung, Begleitung und Angeboten für Freizeit und Bildung zur Seite stehen.

Intensiv war die Zeit für ihn und seine Mitarbeiterin, die Sozialpädagogin Silke Bareiß-Fetzer, „weil wir viel nachgedacht haben, wie das Familienzentrum einen Zugang zu den Menschen findet“. Innovativ aus seiner Sicht: „Wir können verschiedene Angebotslücken füllen und Ehrenamtliche und Vereine einbinden, die wiederum hier neue Kontakte knüpfen und Mitglieder gewinnen können.“

Im Familienzentrum Welzheim treffen Eltern und Kinder auf ehrenamtlich engagierte Menschen, die für Familien da sein möchten. Das Angebot hat im ersten Jahr auf Anhieb einen großen Zulauf erfahren - jetzt werden größere Räume gesucht.

Lokales Bündnis für Familie im Welzheimer Wald und fürs Wieslauftal

„Wir treffen offenbar einen Nerv“, sagt Daniel Gulden. Der Familientherapeut ist einer der Köpfe hinter dem lokalen Bündnis für Familie im Welzheimer Wald und fürs Wieslauftal.

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