Welzheim

Wohn- und Geschäftshaus am See rückt näher

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Ein großes Loch an der künftigen Baustelle für das Wohn- und Geschäftshaus am See: Der Bauantrag liegt derzeit zur Genehmigung beim Landratsamt in Waiblingen. © ZVW/Rainer Stütz

Welzheim. Das Wohn- und Geschäftshaus am See ist für manche schon die endlose Geschichte. Doch es soll bald weitergehen, kündigte die Stadtverwaltung im Bau- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats an. Der Bauantrag liege inzwischen beim Landratsamt in Waiblingen vor, der Projektträger suche bereits nach einem Bauunternehmen, was aber angesichts der überhitzten Konjunktur nicht ganz einfach ist.

Überlegungen des privaten Bauträgers, das Gebäude entgegen der Bauvoranfrage weiter zu erhöhen, stießen sowohl beim Landratsamt in Waiblingen als auch beim Regierungspräsidium Stuttgart auf Ablehnung. Das Landratsamt meinte, höher geht nicht mehr. Das Regierungspräsidium erklärte, das Projekt sei mehr als ausgereizt.

Fest steht, dass zwei Geschäfte reinkommen, nämlich der Drogeriemarkt Rossmann und der Textil-Discounter Takko. Außerdem will eine Arztpraxis einziehen. Vorgesehen sind bei dem großen privaten Bauprojekt insgesamt 17 Wohneinheiten und eine Tiefgarage. Der bei solchen Bauprojekten vorgesehene Spielplatz findet auf dem Gelände keinen Platz. Dafür beteiligt sich der Bauträger an den Kosten für die Neugestaltung des Spielplatzes auf dem Kirchplatz. „Es ist schön, dass es weitergeht“, meinte dazu der Beigeordnete der Stadt, Reinhold Kasian. Nach der Fertigstellung sei der Neubau ein „Frequenzbringer“ für die Innenstadt.

Kosten für Erdarbeiten werden aufgeteilt

Die vorgesehene Tiefgarage ist einer von mehreren Gründen, weshalb sich der Bau stark verzögert. Bedingung für eine Genehmigung war nämlich, dass die Denkmalbehörden zuvor viele Monate lang archäologische Grabungen machen konnten. Auch die Vertragsgespräche haben sich in die Länge gezogen, weil genau verhandelt werden musste, welche Kosten der archäologischen Grabungen vom Bauträger übernommen werden, weil der sich ja ein Teil der Erdarbeiten dadurch sparen kann.

Bereits im Oktober 2013 hatte sich der Welzheimer Gemeinderat erstmals mit dem Thema beschäftigt und danach einen Investorenwettbewerb gestartet. Zwei Vorschläge kamen in die engere Wahl. Einer mit und einer ohne Tiefgarage. Die Lösung ohne Tiefgarage hätte den Vorteil gehabt, dass ein Baubeginn einige Jahre früher möglich gewesen wäre. Hatte aber den Nachteil, dass die Stellplätze oberirdisch hätten ausgewiesen werden müssen.

Die vom Gemeinderat am 24. Februar 2015 favorisierte Lösung der Activ-Gruppe sieht eine Tiefgarage vor. Die Projektplanung machte archäologische Grabungen erforderlich. Das Landesdenkmalamt beanspruchte wegen der Größe des Geländes einen Zeitraum von maximal 20 Monaten für die Grabungen. Die Grabungen sind nun abgeschlossen.

Drogeriemarkt Drehpunkt hatte Ende Oktober 2016 geschlossen

Die Diskussion über das Wohn- und Geschäftshaus am See hatte in den vergangenen Jahren in der Stadt teils hohe Wellen geschlagen. Die Pläne der Stadt waren unter anderem ein Grund dafür, dass der Drogeriemarkt Drehpunkt in den ehemaligen Räumen des Drogeriemarktes Schlecker seine Pforten schloss. Nach drei Jahren und zwei Monaten hatte der Drogeriemarkt Ende Oktober 2016 geschlossen. Angesichts der Pläne der Stadt, in nächster Nähe den Drogeriemarkt Rossmann am Feuersee anzusiedeln, gebe es keine langfristige Perspektive, sagten damals die Betreiberinnen. Seither müssen die Welzheimer, wollen sie in einem Drogeriemarkt einkaufen gehen, nach auswärts fahren, entweder nach Schorndorf, Plüderhausen oder Lorch im Remstal, nach Rudersberg im Wieslauftal oder nach Murrhardt im Murrtal.

Falls das mit dem Baubeginn in diesem Frühjahr noch klappt, kann mit einer Fertigstellung im Jahr 2020 gerechnet werden, so Reinhold Kasian, der dann die Einweihung des Neubaus als Ruheständler mitfeiern darf, weil der Beigeordnete bereits in diesem Jahr in Pension geht.


Im Morast blieben die Pferde stecken

20 Monate lang gruben und forschten die Archäologen an der Baustelle für das neue Wohn- und Geschäftshaus am Feuersee.

Ein Sensationsfund war nicht dabei. Römische Spuren sind dort weniger sichtbar, dafür viele Fundstücke aus dem Mittelalter. Das hängt laut dem Landeskonservator Andreas Thiel vom Landesdenkmalamt sehr wahrscheinlich mit den zwei Welzheimer Stadtbränden zusammen.

Laut Andreas Thiel wurde das Areal, das sehr sumpfig ist, als Müllkippe verwendet. Deshalb, so seine Annahme, wurde jeweils nach den Stadtbränden der ruinierte Hausrat komplett dort abgeladen.

Neben der Grabungsstelle lag zur römischen Zeit das Westkastell als Kaserne für die Reiter. Gefunden wurden aus jener Zeit Hufeisen und Schuhwerk. Denn in dem Morast blieben oftmals Pferde und Menschen stecken und verloren dabei ihr Schuhwerk.