Winnenden

Ärger über Preise im Wunnebad Winnenden: Petition fordert Dauerkarten

Wunnebad  Winnenden
Wunnebad Winnenden (Archiv). © Gabriel Habermann

Ist das Wunnebad zu teuer, sind die Preise gar unsozial? Diese Vorwürfe müssen sich die Stadtwerke Winnenden aktuell gefallen lassen. Familien rechnen vor, wie viel mehr als noch vor wenigen Jahren sie heute zahlen müssen. Manche Kunden sprechen gar von „Abzocke“. Eine Online-Petition fordert jetzt, dass wieder Dauerkarten angeboten werden. Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Mulfinger und Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth verteidigen die Preispolitik. Sie verweisen auf die Risiken der Corona-Pandemie und Unwägbarkeiten beim anstehenden Umbau.

Steffen Schalk und seine Kinder zahlen über 100 Euro mehr im Jahr

Steffen Schalk aus Leutenbach ist Stammgast im Wunnebad. Seine beiden Kinder gehen immer montags zum DLRG-Schwimmtraining, er selbst steigt derweil ins Sportbecken. 39 Tage im Jahr zählt Steffen Schalk. Das ergibt – nutzt er die Wunnebad-Card, eine Wertkarte für 200 Euro, mit der es zehn Prozent Rabatt auf den Familien-Eintrittspreis von sieben Euro gibt – 245,70 Euro jährlich. Hinzu kommen circa 20 Besuche im Sommer für rund 126 Euro. Steffen Schalk landet nach dieser Rechnung bei 371,70 Euro im Jahr für den Eintritt ins Wunnebad. „2019 kostete die Familien-Jahreskarte noch 260 Euro“, sagt er. Das Jahr im Wunnebad ist für ihn und seine Kinder heute 112 Euro teurer, ein Zuschlag von 43 Prozent. Für die (oft besonders genügsamen) Vielschwimmer, die fast täglich ihre Bahnen im 50-Meter-Außenbecken ziehen, sei die Situation noch drastischer.

„Möchte das Wunnebad mit unseren Eintrittsgeldern den Umbau finanzieren?“, fragt Steffen Schalk und verweist auf die neue Familien-Saisonkarte im Backnanger „Wonnemar“ (140 Euro) sowie die Jahreskarte für alle Waiblinger Hallen- und Freibäder (256,50 Euro). Er überlegt, das Bad zu wechseln.

Eine Petition fordert, dass wieder Dauerkarten verkauft werden

Die Wiedereinführung von Saison- beziehungsweise Jahreskarten fordert neuerdings auch eine Petition, die auf der Internet-Plattform Openpetition online gegangen ist und sich an Verwaltung und Gemeinderat in Winnenden richtet. 174 Unterschriften hat die Erstellerin Susanne Michaelis an den ersten fünf Tagen gesammelt. Ziel ist das Quorum von 550 Unterzeichnern in den kommenden fünf Wochen. Wird es erfüllt, wird die Stadt von Openpetition um eine Stellungnahme gebeten. Doch auch wenn nicht, werden die Unterschriften eingereicht, das Thema im Rat diskutiert.

Susanne Michaelis schreibt in ihrer Petition, sie sei „langjährige tägliche Schwimmerin“ im Wunnebad und „sehr enttäuscht, dass keine Jahreskarten mehr angeboten werden“. Für Rentner und Geringverdiener, die täglich schwimmen, sei der Eintrittspreis sehr hoch – bei manchen ergebe sich im Vergleich zur früheren Jahreskarte eine Preiserhöhung von 700 Prozent. „Bei der derzeitigen Preisgestaltung werden einige Bürger ausgegrenzt, was sehr schade ist“, schreibt die Winnenderin. Denkbar wäre für sie auch eine „zeitliche Begrenzung der Nutzung mit günstigen Preisen“.

Der Wunsch: Winnenden soll nachdenken „über die Preisgestaltung“

Von einem solchen Angebot würden gerade diejenigen profitieren, von denen auch Steffen Schalk berichtet, die täglich kommen, um für eine überschaubare Zeit ihre Bahnen zu ziehen. Sie wünsche sich „sozial verträgliche Regelungen“, schreibt Susanne Michaelis und bittet die Stadträte und OB Holzwarth, „über die Preisgestaltung“ nachzudenken.

Nachgedacht haben die Verantwortlichen bereits ausgiebig über dieses Thema, sagt Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion: „Es kann uns keiner vorwerfen, dass wir uns da keine Gedanken gemacht haben.“

Das soll aber nicht heißen, dass die Stadtwerke beziehungsweise der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die Preisgestaltung nicht erneut diskutieren werden. Am 17. Februar findet die nächste öffentliche Sitzung des Gremiums statt.

Der OB hat in seinen Beiträgen zum Thema bei Facebook bereits eingeräumt, „die weggefallenen Dauerkarten“ seien „für die Vielschwimmer [...] eine offene Flanke“ in der Preisgestaltung. Und auch Jochen Mulfinger kündigt an, der Aufsichtsrat werde sich fragen: „Sind wir richtig unterwegs in unserer Preissetzung?“

Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger wehrt sich gegen „Abzocke“-Vorwürfe

Die Vorwürfe, unsoziale Preise aufzurufen oder gar „Rentner-Abzocke“ zu betreiben, wie sie in der Kommentarspalte der Online-Petition laut werden, wollen Mulfinger wie Holzwarth aber nicht auf sich sitzenlassen. Nicht einmal die Hälfte des finanziellen Aufwands, den die Stadtwerke jedes Jahr betreiben für das Wunnebad, das wie alle Bäder in der Umgebung rote Zahlen schreibt, werde über Eintrittsgelder refinanziert. Die regulären Preise seien „im Vergleich der Region deutlich am unteren Ende“, schreibt OB Holzwarth in den sozialen Medien. Früh- und Spätschwimmer zahlten 2,50 Euro beziehungsweise drei Euro, was „sehr günstig“ sei.

Den Familien sei das Wunnebad zuletzt sehr entgegengekommen, betont Bäderleiter Sascha Seitz: „Die Familienkarten haben wir von 11,50 Euro auf sieben Euro gesenkt. Das geht in der Debatte unter.“

Doch warum konkret werden im Wunnebad keine Dauerkarten mehr angeboten? Dafür gibt es laut Stadtwerke-Chef und Oberbürgermeister aktuell zwei Hauptgründe: Die Corona-Pandemie und den 28 Millionen Euro teuren Umbau des Wunnebads, der Ende Februar beginnen soll.

Corona-Pandemie: Viele Reklamationen von Dauerkartenbesitzern

Die letzten Dauerkarten wurden 2020 verkauft und sind wegen der teils monatelangen coronabedingten Schließungen, die den Kunden vonseiten der Stadtwerke angerechnet wurden, teilweise noch heute gültig. Weil das Wunnebad den Dauerkartenbesitzern wegen Corona nicht die gewohnten Leistungen bieten konnte, hatten sich die Reklamationen gehäuft. Das trieb die Kosten zusätzlich nach oben, während die Einnahmen einbrachen. „Wir haben die Hälfte unserer Einnahmen einer Normalsaison verloren“, sagt Jochen Mulfinger.

Die Geschäftsführung habe schließlich in einer Risikoabwägung beschlossen, keine Dauerkarten mehr zu verkaufen. „Wir können sonst nicht kalkulieren, mit welchen Einnahmen wir rechnen können. Wir müssen uns auch irgendwie refinanzieren“, sagt der Stadtwerke-Chef. Die Unwägbarkeiten werden mit der Omikron-Variante und ab Ende Februar mit dem Umbau nicht weniger: „Jede Baustelle birgt ein gewisses Risiko“, sagt Mulfinger. Was, wenn die Sauna oder das Außenbecken vorübergehend nicht verfügbar sind, der Dauerkarteninhaber sich aber ausgerechnet dort am liebsten aufhält?

Der OB drückt es so aus: „Wir konnten die letzten knapp zwei Jahre wegen der Pandemie und können die nächsten zweieinhalb Jahre wegen der Baustelle leider keine gleichbleibenden Leistungen im Bad bieten.“ Mit Einzeleintritten und Rabatten lasse sich dieses Problem einfacher lösen.

Die Stadtwerke wollen, kurz gesagt, ein Mindestmaß an Planungssicherheit – und das verträgt sich aktuell nicht mit dem Dauerkartenmodell. Die Vielschwimmer gucken deshalb in die Röhre, sollte sich nicht doch noch etwas ändern an der Preispolitik.

Ist das Wunnebad zu teuer, sind die Preise gar unsozial? Diese Vorwürfe müssen sich die Stadtwerke Winnenden aktuell gefallen lassen. Familien rechnen vor, wie viel mehr als noch vor wenigen Jahren sie heute zahlen müssen. Manche Kunden sprechen gar von „Abzocke“. Eine Online-Petition fordert jetzt, dass wieder Dauerkarten angeboten werden. Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Mulfinger und Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth verteidigen die Preispolitik. Sie verweisen auf die Risiken der

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