Winnenden

Ärger um Nebenkosten im Schelmenholz

Nebulöse Nebenkosten_0
Im mittleren Haus, Schiefersee 24, leben Edeltraud und Ulrich Jobs. Drum herum wird noch gebaut. © ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden.
Aus Angst, an der Heizung etwas falsch eingestellt zu haben, heizt das Ehepaar Jobs nur noch das Wohnzimmer und das Bad. „Und wir ziehen einen dicken Pulli an“, sagt Edeltraud Jobs. Ihre Nebenkosten sind überraschend hoch. Über 800 Euro müssen sie und ihr Mann Ulrich für das halbe Jahr von Juli bis Dezember 2018 nachzahlen. Und das, obwohl die beiden eben erst in ein neues, wärmegedämmtes Haus umgezogen sind. Irgendetwas stimmt da nicht. Doch was?

Das Ehepaar hätte mit allem gerechnet, nur nicht mit überhöhten Heizkosten. Auch, weil sie an eine Prophezeiung der Kreisbau geglaubt hatten. „Sie werden staunen, wie niedrig die Nebenkosten sein werden. So machte uns die Kreisbau den Umzug schmackhaft“, sagt Ulrich Jobs. Die Rechnung ist nun alles andere als niedrig.

3,84 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter

Das Ehepaar hatte lange in einer alten Wohnung im Schiefersee 18 gelebt. Doch das Gebäude wurde abgerissen, Ehepaar Jobs zog im Sommer 2018 in die 88 Quadratmeter große Wohnung, Schiefersee 24, um. Für diese Umstände und weil die Jobs dort schon lange leben, bleibt die Miete in der neuen Wohnung die ersten drei Jahre auf dem alten Niveau, 6,70 Euro pro Quadratmeter. „Ein gutes Angebot“, sagt Jobs. „Man muss allerdings auch sehen, dass wir momentan noch von allen Seiten Baulärm haben.“

Ulrich und Edeltraud Jobs waren guter Dinge, zumindest in den ersten drei Jahren billig wegzukommen. Bis die erste Nebenkostenabrechnung im Dezember 2019 im Briefkasten der beiden landete. 1200 Euro haben die Jobs vorausgezahlt, 841,77 Euro müssen sie nachzahlen, so dass sich die Gesamtnebenkosten für Juli bis einschließlich Dezember 2018 auf 2041,77 Euro belaufen. Eine stolze Summe für eine nagelneue Wohnung. „Nebenkosten von 340 Euro im Monat, das bedeutet: Wir bezahlen 3,84 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter“, rechnet Ulrich Jobs vor.

Die Zählerstände werden elektronisch abgelesen

Laut Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds waren für das Jahr 2018 2,19 Euro pro Quadratmeter der Durchschnitt in Deutschland. Rechne man alle denkbaren Betriebskostenarten jeweils mit den Einzelbeträgen zusammen, komme man auf einen Schnitt von 2,79 Euro pro Quadratmeter. Das Ehepaar Jobs zahlt allerdings alleine für die Heizung und die Wasserversorgung 3,09 Euro pro Quadratmeter und Monat. „Da kann doch etwas nicht stimmen“, meint Ulrich Jobs. Abgelesen werden die Zählerstände elektronisch, es kommt niemand mehr ins Haus. „Wir haben gar keinen Einblick mehr, wie und wann das geschieht“, sagt Ulrich Jobs.

Mehrfach versuchten die Mieter, Einspruch einzulegen

Doch damit nicht genug. Auch für ihre alte Wohnung hat das Ehepaar eine seltsame Nebenkostenabrechnung der Kreisbau erhalten. Im Jahr 2017 haben Jobs 45,28 Euro zurückerhalten. Für das Folgejahr, das Ehepaar lebte nur bis Juli 2018 in der alten Wohnung, sollen sie nun 375,64 Euro nachzahlen. „Das kann ich mir nicht erklären“, sagt Jobs. „Vielleicht wollte die Kreisbau uns mit dieser Abrechnung auf die hohen Nebenkosten in der neuen Wohnung vorbereiten“, so Ulrich Jobs weiter.

Noch dazu habe die Kreisbau kürzlich den Betrag einfach vom Konto abgezogen, obwohl er mit der Rechnung nicht einverstanden war. Mehrmals habe er versucht, die Kreisbau zu erreichen. Per E-Mail und Telefon. Doch eine Antwort auf seine Fragen habe er nicht erhalten.

„Woher kommt dieser Sinneswandel?“

Wir fragen bei der Kreisbau an. Bereits am nächsten Tag meldet sich die zuständige Pressesprecherin bei uns in der Redaktion. „Wir stehen aktuell ratlos da und suchen den Fehler“, sagt sie. Jahrzehntelange Mieter wolle man nicht verprellen. „Drei Fehlerquellen kommen infrage“, sagt die Pressesprecherin. „Eventuell ist im Hintergrund der Fußbodenheizung etwas falsch eingestellt. Das prüft nun ein Fachingenieur. Auch ein falsches Nutzerverhalten kommt infrage. Der Fehler könnte allerdings auch in der Buchhaltung liegen.“ Man arbeite mit Hochdruck daran und hoffe, in der kommenden Woche den Fehler zu identifizieren. „Die Nebenkosten für das alte Haus haben wir versehentlich abgebucht. Das Ehepaar hat das Geld inzwischen wieder auf dem Konto“, so die Pressesprecherin. Weshalb das Ehepaar Jobs trotz mehrmaliger Nachfragen keine Antwort erhalten hat? „Wenn das so ist, dann ist das natürlich schlecht und tut uns leid“, sagt die Pressesprecherin. Eine Mitarbeiterin sei Ende November bei den Jobs gewesen.

Das Paar hat inzwischen Post von der Kreisbau erhalten. „Hiermit informieren wir Sie darüber, dass wir derzeit aufgrund der hohen Heizkostenwerte im Abrechnungsjahr 2018 Ihre Betriebskostenabrechnung von einem Heizungsfachingenieur überprüfen lassen“, heißt es in dem Schreiben. „Sollte sich herausstellen, dass die Ihnen vorliegende Betriebskostenabrechnung nicht korrekt ist, werden wir diese selbstverständlich neu erstellen. Bis dahin sind keine Nachzahlungen fällig. Ebenso werden wir die Betriebskostenabrechnung von Ihrer alten Wohnung überprüfen“, heißt es darin weiter. Damit sind die Jobs vorerst zufrieden, fragen sich allerdings auch: „Woher kommt dieser schnelle Sinneswandel?"


Die alte Wohnung war kleiner ...

Die alte Wohnung des Ehepaars Jobs hatte 69,7 Quadratmeter. Die neue Wohnung hat 88,66 Quadratmeter.

Für das komplette Jahr 2017 haben Edeltraud und Ulrich Jobs in ihrer alten Wohnung einen Nebenkostenbetrag von 1934,72 Euro bezahlt.

Inzwischen hat der Stuttgarter Bau- und Wohnungsverein die Wohnungen im Schelmenholz übernommen. Die Kreisbau ist allerdings noch für die Abrechnungen aus den Jahren 2017 und 2018 verantwortlich.

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Aus Angst, an der Heizung etwas falsch eingestellt zu haben, heizt das Ehepaar Jobs nur noch das Wohnzimmer und das Bad. „Und wir ziehen einen dicken Pulli an“, sagt Edeltraud Jobs. Ihre Nebenkosten sind überraschend hoch. Über 800 Euro müssen sie und ihr Mann Ulrich für das halbe Jahr von Juli bis Dezember 2018 nachzahlen. Und das, obwohl die beiden eben erst in ein neues, wärmegedämmtes Haus umgezogen sind. Irgendetwas stimmt da nicht.

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