Winnenden

Ärger wegen Unfallbericht

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Kurz nicht aufgepasst – und schon ist es passiert. Das Foto dient als Symbolbild und hat nichts mit dem im Artikel beschriebenen Unfall in Birkmannsweiler zu tun. © ZVW / Habermann

Winnenden. Hat sie geblinkt oder nicht – und überhaupt, wer ist schuld? Nach einem Unfall widersprechen sich die Aussagen der Kontrahenten des Öfteren, das liegt in der Natur der Sache. Ein 80-Jähriger aus Birkmannsweiler will einen Unfallbericht nicht hinnehmen: „Alles verlogen!“

Der Reihe nach: Am Samstag vergangener Woche ist in Birkmannsweiler ein Unfall passiert. Nichts Spektakuläres, 3000 Euro Sachschaden. Eine 54-Jährige hatte mit ihrem Seat in einer engen Straße nach rechts in ein Grundstück einbiegen wollen. Sie holte zuerst links aus. Ein 80-jähriger Mercedesfahrer nahte von hinten. Für ihn war nicht ersichtlich, dass die Frau abbiegen wollte, sagt er; sie habe nicht geblinkt. Er fuhr geradeaus weiter – um sich den Rest zu denken, braucht es nicht viel Fantasie.

"Immer sind es die Rentner", schimpft der 80-Jährige

Im Polizeibericht hieß es hinterher, der Mann habe „einfach“ an der Abbiegenden vorbeifahren wollen. Medien veröffentlichen solche Polizeiberichte – und nun fühlt sich der 80-Jährige in die Ecke gedrängt: „Immer sind es die Rentner“, schimpft er.

Die Frau habe nicht geblinkt, er sei lediglich vorbeigefahren und das keinesfalls überm Gehweg, betont der Mann, der jahrzehntelang als Berufskraftfahrer unterwegs war: „Das lass’ ich nicht auf mir sitzen.“

Polizeisprecher: "Wir können uns keinen Vorwurf machen"

Zunächst besteht kein Anlass zur Sorge: Die veröffentlichte Meldung selbst hat keinerlei rechtliche Wirkung, bestätigt Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier und erklärt das Prozedere: Nach einem Unfall prüft die Polizei vor Ort, wie der Ablauf gewesen sein könnte. Aussagen von Zeugen und Beteiligten, Spurenlage – diverse Informationen fließen ein.

Widersprüchliche Angaben finden sich später im Bericht wieder; oftmals ruft die Polizei in strittigen Fällen Zeugen dazu auf, sich zu melden.

Die Beamten speisen die Infos in ein elektronisches System ein. Diese bilden die Grundlage für Pressemeldungen. Was den Birkmannsweiler Fall betrifft, „können wir uns keinen Vorwurf machen“, resümiert Rudolf Biehlmaier. Falls Fehler in Berichten vorkommen, „werden wir es berichtigen“.

Wer sich falsch behandelt fühlt, kann sich wehren

Der 80-jährige Mann aus Birkmannsweiler muss die Sache nun nicht auf sich beruhen lassen. Vermutlich erhält er einen Bußgeldbescheid, weil sein Verhalten als Ordnungswidrigkeit gewertet werden könnte. Dasselbe droht der Kontrahentin, weil sie eventuell nicht geblinkt und wohl nicht nach hinten geschaut hatte.

Wie die Sache genau ausgeht, ist im Moment noch offen, fest steht aber: Wer sich unschuldig und falsch behandelt fühlt, kann sich wehren.

Einspruch innerhalb von 14 Tagen

Im Anhörungsbogen äußert sich ein Bürger, dem eine Ordnungswidrigkeit vorgeworfen wird, zunächst zur Sache. Folgt ein Bußgeldbescheid, kann der Betroffene binnen 14 Tagen Einspruch erheben.

Danach ist noch lange nicht Schluss: Sofern es zu keiner Einigung kommt und der Beschuldigte sein Ziel, eine Einstellung des Verfahrens, nicht erreicht, wird sich im Zweifel ein Gericht mit der Angelegenheit befassen. Dort besteht nochmals die Chance, die eigene Sicht der Dinge zu erläutern.


Ordnungswidrig

Laut Gesetz ist eine Ordnungswidrigkeit „eine rechtswidrige und vorwerfbare Handlung“.