Winnenden

Über ein halbes Jahr nach der Bestellung noch nicht geliefert - Wo stecken die Winnender Schul-iPads?

Ipad
Nur Schüler, die ein eigenes iPad haben, können momentan damit lernen. © Pixabay/StockSnap

Die Stadt hat im vergangenen Sommer 300 iPads für Schülerinnen und Schüler bestellt. Gedacht sind diese für diejenigen, die keine oder kaum Geräte zu Hause haben, um am Fernunterricht teilzunehmen. Ein halbes Jahr später sind die Tablets der Firma Apple noch immer nicht da. Hat die Verwaltung bei der Bestellung geschludert?

Der Winnender Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek (CDU) ist verärgert. In der jüngsten Sitzung fragte er zum wiederholten Mal nach, wo die Geräte stecken und weshalb diese noch nicht in Winnenden sind. Von Landtagskollegen habe er erfahren, dass andere Kommunen ihre Geräte längst haben. Auch aus Städten im Rems-Murr-Kreis heiße es, dass diese bereits versorgt seien. „Meine Bitte aus der Sitzung im Februar, uns eine Aufstellung zu präsentieren, ob und wann andere Kommunen im Kreis ihre Bestellungen bereits erhalten haben, wurde ebenfalls nicht erfüllt. Das enttäuscht mich. Sollten die Geräte nicht lieferbar sein, dann frage ich mich, weshalb man nicht etwas anderes bestellt hat“, erklärte Lorek, der sich per Video vom heimischen Laptop in die Sitzung geschaltet hatten.

Die Schulen haben sich Geräte von Apple gewünscht

Ralph Brucker, bei der Stadt einer der Verantwortlichen für Technik, erklärte, dass Apple aktuell weltweit Lieferprobleme habe. „Als wir unsere Geräte bestellt haben, haben wir das nicht gewusst. Möglicherweise hätten wir sonst umgeschwenkt“, antwortete Brucker. Daraufhin schaltete sich auch Sybille Mack, Amtsleiterin für Schulen, Kultur und Sport, in die Diskussion ein. Sie kandidiert, wie auch Lorek, für den Landtag (SPD). „Wir haben von den Schulen einen Medienentwicklungsplan verlangt. Daraus erging der ausdrückliche Wunsch, dass wir iPads bestellen sollen, da diese in der Handhabung für Schüler einfacher sind als Android-Geräte“, schilderte sie. Als die Pläne aus den Schulen vorgelegen haben, habe man die Geräte nach einer Ausschreibung unmittelbar bestellt. Daraufhin hakte Lorek noch einmal nach, ob man in die Verträge mit dem Lieferanten Vertragsstrafen und Rücktrittsoptionen eingebaut habe. Dies war in der Sitzung jedoch nicht mehr zu klären. Oberbürgermeister Holzwarth zeigte Verständnis für die Kritik des CDU-Politikers. „Es war jedoch klar, dass Beschaffungsprobleme aufkommen, wenn alle Kommunen im Land gleichzeitig bestellen. Da können nicht alle Geräte pünktlich da sein.“

OB: „Unsere Lieferung scheint leider am längsten zu dauern“

Im Anschluss an die Sitzung recherchierte Holzwarth persönlich, fragte in anderen Kommunen im Kreis nach, ob deren Bestellungen bereits angekommen seien. „Es zeigt sich leider, dass wir, entsprechend der Vermutung von Herrn Lorek, tatsächlich nun die Letzten sind, die noch auf die Lieferung von iPads warten“, stellte der OB daraufhin fest. Es sei ersichtlich, dass andere Kommunen mit ähnlichen Problemen kämpfen, da auch hier Geräte erst vor kurzem eingetroffen seien. „Aber unsere Lieferung scheint leider am allerlängsten zu dauern“, heißt es in einer E-Mail. Sind bei der Bestellung Fehler unterlaufen? „Nach ersten Analysen kann ich das ausdrücklich verneinen“, erklärt Holzwarth. Man habe die Bestellung regelkonform ausgeschrieben und im Anschluss an einen Großlieferanten in Stuttgart vergeben. „Wir wollten die Modelle mit einem großen Speicher. Die anderen Städte haben möglicherweise beim Lieferanten nachgefragt, was auf Lager ist. Das haben wir nicht getan“, schildert Holzwarth eine mögliche Erklärung.

Die grafische Leistung der iPads soll inzwischen höher sein

Vertragsstrafen und Rücktrittsoptionen habe man in den Vertrag mit dem Lieferanten nicht eingebaut. „Wenn wir von der Bestellung Abstand genommen hätten, dann hätten wir uns wieder ganz hinten anstellen müssen. Die Geräte wären also noch später gekommen“, sagt Holzwarth.

Auch eine Bestellung direkt bei Apple sei seiner Meinung nach nicht sinnvoll gewesen. „Wenn der Großlieferant die Geräte schon nicht bekommt, dann kriegen wir sie sicher nicht früher“, vermutet Hartmut Holzwarth. In der kommenden Woche wolle er noch mal mit allen Beteiligten sprechen. Möglicherweise finde man dann noch etwas, das man beim nächsten Auftrag verbessern könne.

Immerhin: Ralph Brucker hat inzwischen die Zusage bekommen, dass die Geräte innerhalb der kommenden zwei Wochen in Winnenden eintreffen sollen. Der Lieferant hat sie bereits und versieht die Displays nun mit Schutzfolien. Und: „Die Geräte sind zwischenzeitlich von Apple auf eine neuere Version mit einer unter anderem höheren grafischen Leistung ausgeführt und entsprechen preisgleich einem kostenlosen Upgrade“, schreibt Holzwarth.

Die Stadt hat im vergangenen Sommer 300 iPads für Schülerinnen und Schüler bestellt. Gedacht sind diese für diejenigen, die keine oder kaum Geräte zu Hause haben, um am Fernunterricht teilzunehmen. Ein halbes Jahr später sind die Tablets der Firma Apple noch immer nicht da. Hat die Verwaltung bei der Bestellung geschludert?

Der Winnender Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek (CDU) ist verärgert. In der jüngsten Sitzung fragte er zum wiederholten Mal nach, wo die Geräte

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