Winnenden

13-Jährige spielt Hauptrolle im Musical „Mary Poppins“

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Leyla Röhm in ihrem Zimmer - mit Musical-Plakat und dem zusammengeklappten „fliegenden Regenschirm“ von Mary Poppins. © Büttner/ZVW
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Leyla Röhm und ihr „kleiner Bruder“ in den Kostümen der Banks-Kinder. Sie warten hinter den Kulissen auf ihren Auftritt beim Musical Mary Poppins. © Jürgen Langerfeld/Stage Entertai

Winnenden. „Alles, was wir wollen, kann passieren“ – so verspricht’s ein Lied im Musical „Mary Poppins“. Für Leyla Röhm, eine 13-Jährige aus Winnenden, ist ein Traum durch eigenes Engagement in Erfüllung gegangen: Sie ist als Jane Banks seit 5. März vor 1800 Zuschauern auf der gigantischen Bühne des Stage-Apollo-Theaters in Stuttgart aufgetreten.

Die Zeit der Auftritte endet mit diesem Monat: Erstens hat Leyla die vom Jugendamt vorgegebene Grenze von 30 Shows im Jahr erreicht, zweitens wird das zierliche Mädchen zu groß: „Wir Kinder dürfen ja nicht größer sein als die Erwachsenen“, sagt die Schülerin des Lessing-Gymnasiums. Dort hat sie vor ihrem Gang nach Stuttgart-Möhringen Nebenrollen und „eine wichtige Rolle“ in den Musicals ihrer Schule gehabt.

Und dann gleich eine der sechs Hauptrollen bei „Mary Poppins“. Haben die eineinhalb Jahre etwas bei ihr verändert? „Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht so schüchtern bin, wie ich selbst dachte“, sagt Leyla. Und: „Ich habe entdeckt: Ich kann ja singen!“ Das hat ihren Vater Rainer Röhm auch bass erstaunt: „Ich bin in der ersten Show schier vom Hocker gefallen. Ich wusste vorher nicht, dass sie sich so bewegen und singen kann, ich kriege jetzt noch Gänsehaut.“

Ihrer Rolle ist eine richtige Zicke

Am besten gefallen hat Leyla der Tanzunterricht auf der Probenbühne – in etlichen Szenen sind die Kinder in die Choreografien eingebunden – und auf der Bühne das Schauspielern. Eine richtige Zicke ist ihre Rolle der Jane, was sie im wirklichen Leben überhaupt nicht ist. Der erste Satz des Mädchens lautet: „Du kannst uns nicht dazu zwingen, du bist nur unser Kindermädchen“, dann tritt sie der arglosen Dame auf den Fuß. Au weia! Mary Poppins, die sich dann in das Haus der Familie Banks zaubert, hat magische Kräfte und bringt die beiden Kinder mit Witz, Weisheit und einem resolut-freundlichen Wesen zum Umdenken – und die Eltern gleich mit.

Drei Stunden mit Pause dauert die Vorführung. Zwei Stunden vor der Aufführung finden sie sich zum Aufwärmen und Einsingen ein, um in die Maske zu gehen und die vielschichtigen, schweren Kleider im Stil des Jahres 1912 anzuziehen. Ohne Mutti Hanny Röhm, die den verlässlichen Fahrdienst erledigt, wäre das für die 13-Jährige nicht möglich gewesen.

Leyla hat die internationale Künstler-Welt genossen

Hinter der Bühne werden Leyla und ihr Bühnenpartner dann von den Kinderbetreuern in Obhut genommen. „Mit allen Erwachsenen ist man im Theater per Du, sie machen hinter der Bühne immer ihre Späßchen und Insider-Witze“, hat Leyla diese internationale Künstler-Welt von Anfang an genossen. Vor dem ersten Auftritt hatte sie zwar richtig Bammel, hätte das Ganze am liebsten abgesagt – „aber nach einer Stunde auf der Bühne hat es mir einfach nur Spaß gemacht“. Seitdem hat sie vorher nur normales Lampenfieber.

Während der Show fast pausenlos auf der Bühne

Die Show erfordert eine hohe Konzentration und körperliche Anstrengung von den Kindern. In der meterhohen Kulisse steigen sie treppauf und treppab, müssen sich genau an Abläufe und Positionen halten, damit die schnellen Wechsel, Kulissen- und Zaubertricks funktionieren, werden hinten in Windeseile umgekleidet – und singen, tanzen und sprechen vorne so locker und verständlich, dass der Zuschauer von dem Umtrieb nichts ahnt. Überhaupt gibt es in der Show nur wenige Momente, in denen die Kinder nicht auf der Bühne sind.

„Es war eine große Chance“

Die Winnender Schule hat für Leylas ungewöhnlichen Job grünes Licht gegeben. Hat sie für Proben um 11 Uhr freigestellt, freilich unter der Voraussetzung, dass die Noten nicht leiden. „Du bist in der Zeit aber auch disziplinierter geworden, hast zielgerichteter gearbeitet“, findet ihre Mutter.

Nach den Ferien kommt Leyla in die 9. Klasse - sie wird die neue, freiere Abendgestaltung genießen, aber auch die Musical-Familie vermissen. „Die Menschen, die Ausbildung - es war eine große Chance“, sagt Leyla. Wie heißt es im Musical so schön? „Ab und zu dreht der Wind. Altes vergeht, Neues beginnt.“


Supercalifragilisticexpialigetisch

Zum Casting für die weibliche Kinderrolle hat sich Leyla Röhm im Februar 2016 spontan zwei Tage vor Bewerbungsschluss entschlossen. 400 Bewerbungen lagen vor.

Einige Kinder, Jungs und Mädchen, wurden eingeladen. „Wir mussten etwas auswendig lernen und vorsprechen. Und nachmachen, was man uns vorgesungen und vorgetanzt hat“, erzählt Leyla. Kann ja jeder mal selber ausprobieren: In einer Musical-Szene wird das Wort Supercalifragilisticexpialigetisch vorwärts und rückwärts und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten gesungen und buchstabiert! Ein Tipp: Die richtige Betonung macht’s leichter ...

91 Kinder kamen in die Vorbereitungsgruppe, die Sing-, Schauspiel- und Tanzunterricht erhielt. „Es war erstaunlich, wie die Kinder nach dem Training strahlten, ja glühten“, erzählt Mutter Hanny Röhm vom Spaß, den die Lehrer vermittelten.

Drei weitere Castings schlossen sich an. Bevor das Musical im Oktober Premiere feierte, sprangen manche Kinder von sich aus ab. Am Ende blieben 14 Mädchen und 14 Jungs übrig.