Winnenden

29-Jähriger vor dem Amtsgericht: Schwangere Freundin geschlagen und bedroht?

Symbolfoto Amtsgericht
Symbolbild. © Joachim Mogck

Zitternd, auf den Arm ihres Rechtsanwalts gestützt, hatte die 28-jährige Geschädigte als Zeugin den Gerichtssaal betreten. Stockend und unter Tränen, immer wieder von Schluchzen unterbrochen, berichtete die Frau über die Ereignisse, die das Gericht rechtlich zu bewerten hatte: Der im Raum Offenburg lebende Angeklagte und die Winnenderin hatten sich übers Internet kennengelernt. Daraus entstand eine Beziehung, bei der man zwischen den Wohnungen hin und her pendelte. Im Juli des vergangenen Jahres war der Angeklagte bei der Geschädigten in Winnenden zu Besuch.

Als sie ihn mit einem positiven Schwangerschaftstest konfrontierte, kam es zum Streit. Er beschuldigte sie der Untreue. Dieser Streit flammte am nächsten Tag wieder auf. „Er flippte aus, wurde handgreiflich und versetzte mir einen Faustschlag ins Gesicht“, beschrieb die Frau den Vorfall. Von diesem Schlag trug sie eine stark blutende Platzwunde über der Augenbraue davon.

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es, als die beiden abends auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Offenburg unterwegs waren. Als es wieder zum Streit kam, habe der Angeklagte plötzlich die Geschädigte, die am Steuer saß, auf den rechten Oberarm geboxt. Sie habe zunächst zurückgeschlagen, er habe aber nicht aufgehört, sondern den ganzen Streit über auf den Oberarm eingeschlagen; sie sei sich wie ein Boxsack vorgekommen. Sie habe ihn schließlich abgesetzt und sei davongefahren. Vier Tage später rief der Angeklagte bei ihr an, beschimpfte sie und kündigte ihr an, dass er sie abstechen werde.

Nachbarn rufen die Polizei

Zu einer nochmaligen Eskalation kam es dann wieder in der Wohnung der Frau. Sie warf den Angeklagten zunächst aus dieser, fuhr ihm dann aber zum Winnender Bahnhof nach und holte ihn zurück. Als es dann erneut zum Streit kam, warf er zunächst eine Plastikschaufel nach ihr, dann trat er die Schwangere in den Bauch und gegen das Knie. In seiner Wut warf er zudem einen Staubsauger, den er der Geschädigten geschenkt hatte, mit solcher Wucht zu Boden, dass er zerbrach.

Als die wegen des Lärms und der Hilferufe herbeigerufene Polizei eintraf, hatte der Angeklagte die Wohnung bereits verlassen. Sowohl der Beamte, der die Ermittlungen führte, wie auch die Beamtin, die als Erste die Geschädigte befragten, bezeichneten diese als glaubwürdig. Sie sei vollkommen aufgelöst gewesen, eingeschüchtert und verängstigt, zitterte und weinte, als die Beamten in der Wohnung eintrafen. Selbst ihr kleiner Sohn habe gesagt, seine Mutter sei geschlagen worden.

Angeklagter behauptet, die Ex-Freundin konsumiert Alkohol und Drogen

Einen vollkommen gegenteiligen Eindruck machte der Angeklagte. Der durchtrainierte, athletisch wirkende Mann gab sich selbstbewusst, keck und konfrontativ. Sein Verhalten im Gerichtssaal bewertete Richterin Basoglu-Waselzada als „unter aller Sau“.

Er ging gleich zu Beginn der Verhandlung in den Angriffsmodus: Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritt er rundweg. Der Auftritt der Frau sei eine Inszenierung. Er habe sie niemals geschlagen oder getreten, allenfalls festgehalten, wenn sie „ausrastete“. Dies sei ständig vorgekommen, denn sie sei psychisch krank, nehme Medikamente. Mehrmals habe sie schon Suizidversuche unternommen.

Sie konsumiere ständig Alkohol und Drogen. Wenn sie jetzt im Gerichtssaal zittere, dann weil sie unter Entzugserscheinungen leide und im Gerichtssaal nicht kiffen und Alkohol trinken könne. In Wirklichkeit sei er das Opfer.

Schwangerschaft und Beziehung beendet

Dem Beamten des Winnender Polizeireviers, der die Ermittlungen leitete, warf er vor, er habe der Frau die Anschuldigungen gegen ihn in den Mund gelegt und ihn sogar am Telefon verflucht und beleidigt.

Diese Linie verfolgte auch der Verteidiger des Angeklagten: Sein Mandant habe mittlerweile seinerseits gegen die Frau mehrfach Anzeige erstattet. Die Akten seien bei der Staatsanwaltschaft Offenburg und müssten in dem Verfahren vor dem Waiblinger Amtsgericht in die Beweisaufnahme mit aufgenommen werden. Die Verletzung über dem Auge sei eher durch einen spitzen Gegenstand als durch einen Faustschlag entstanden, führte er in seinem Plädoyer aus, die den rechten Oberarm über und über bedeckenden blauen Flecken könnten durch einen Sturz verursacht worden sein, die telefonische Bedrohung als solche habe nie stattgefunden. An den Tritten gegen Bauch und Knie der Schwangeren säte er ebenfalls Zweifel: Die Frau könne noch nicht einmal sagen, ob sie mit Knie oder Fuß ausgeführt wurden, und auf dem Beweisfoto erkenne man lediglich eine Rötung unterhalb der Rippen, nicht im Unterleib. Somit beantragte er, seinen Mandanten freizusprechen und die Schadensersatzforderung der Angeklagten als Nebenklägerin abzuweisen.

Die Geschädigte erklärte, die Schwangerschaft sei im August des vergangenen Jahres beendet worden, die Beziehung zu dem Angeklagten im Oktober.

2700 Euro Schmerzensgeld

Zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten wegen Körperverletzung in drei Fällen, Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung verurteilte Richterin Basoglu-Waselzada den 29-jährigen Angeklagten. Zusätzlich hat er die Kosten des Verfahrens zu zahlen. Der Geschädigten, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftrat, gestand die Richterin ein Schmerzensgeld in Höhe von 2700 Euro zu; darüber hinaus muss der Angeklagte die Kosten und notwendigen Auslagen übernehmen, die ihr durch das Verfahren entstanden.

Dass der Freiheitsentzug trotz der vierzehn Einträge im Bundeszentralregister gegen Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro an den Verein Relief e. V. zur Bewährung ausgesetzt werden konnte, begründete die Richterin damit, dass der letzte Eintrag aus dem Jahr 2017 stammt, der Angeklagte über feste soziale Bindungen verfüge und sich gerade im vierten Jahr einer Berufsausbildung befinde. Der Verteidiger des Angeklagten kündigte allerdings bereits an, gegen das Urteil Berufung einzulegen, so dass vor dem Stuttgarter Landgericht erneut verhandelt werden müsse.

Zitternd, auf den Arm ihres Rechtsanwalts gestützt, hatte die 28-jährige Geschädigte als Zeugin den Gerichtssaal betreten. Stockend und unter Tränen, immer wieder von Schluchzen unterbrochen, berichtete die Frau über die Ereignisse, die das Gericht rechtlich zu bewerten hatte: Der im Raum Offenburg lebende Angeklagte und die Winnenderin hatten sich übers Internet kennengelernt. Daraus entstand eine Beziehung, bei der man zwischen den Wohnungen hin und her pendelte. Im Juli des vergangenen

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